Impfstoffe zur Vorbeugung von Herpes Zoster (Gürtelrose) bei älteren Erwachsenen

Fragestellung
Es gibt einen Impfstoff gegen Gürtelrose. Unser Ziel bestand darin, die Alltagswirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffs zur Vorbeugung von Gürtelrose bei gesunden älteren Menschen zu bewerten.

Hintergrund
Das Herpes-Zoster-Virus verursacht Windpocken und kann in den Nervenzellen ruhend im Körper verbleiben. Nach vielen Jahren kann es wieder aktiv werden, durch den Nerven in die Haut wandern und einen Bläschenausschlag entlang dem Nervenpfad verursachen. Diese Erkrankung wird als Herpes Zoster oder Gürtelrose bezeichnet. Sie befällt Menschen mit geschwächtem Immunsystem, zum Beispiel ältere Menschen. Vor dem Auftreten der Bläschen kann es zu Juckreiz, Taubheitsgefühl, Kribbeln oder örtlich begrenzten Schmerzen kommen. Herpes Zoster führt zu einer Entzündung der Nerven und schweren Schmerzen, die die Lebensqualität beeinträchtigen können. Pro 1000 älteren Menschen kommt es zu etwa 5,22 Episoden (Auftreten von Krankheitszeichen) von Herpes Zoster. Diese Zahl steigt zunehmend, unter anderem aus dem Grund, dass die Menschen immer älter werden.

Studienmerkmale
Unsere Evidenz ist auf dem Stand vom 26. Oktober 2015. Wir fanden 13 randomisierte kontrollierte Studien mit 69.917 gesunden älteren Erwachsenen. Nur fünf der 13 Studien waren von hoher Qualität und hatten ein geringes Risiko für Bias (systematische Fehler). Alle eingeschlossenen Studien wurden von den Pharmaunternehmen finanziert, die die Impfstoffe herstellen.

Hauptergebnisse und Qualität der Evidenz
Alle eingeschlossenen Studien wurden in Ländern mit hohem Einkommen durchgeführt und schlossen nur gesunde ältere Kaukasier (> 60 Jahre) ohne Probleme mit dem Immunsystem ein.

Eine große Studie wurde mit 38.546 Menschen von 60 Jahren und älter durchgeführt. Sie verglich den Impfstoff mit einem Placebo (Scheinimpfstoff). Die Studie war von hoher Qualität und zeigte, dass der Wirkstoff für drei Jahre wirksam Gürtelrose verhindert (Evidenz von moderater Qualität). Unerwünschte Wirkungen durch den Impfstoff bestanden überwiegend aus leichten bis mittelschweren Symptomen an der Einstichstelle. Gekühlte Impfstoffe verursachten dabei weniger unerwünschte Wirkungen an der Einstichstelle als tiefgekühlte Impfstoffe. Die Injektion des Impfstoffs in den Muskel verursachte weniger unerwünschte Wirkungen als die Injektion unter die Haut (subkutan). Der Herpes-Zoster-Impfstoff verursachte weniger unerwünschte Wirkungen als der „Pneumo 23“-Impfstoff.

Ein neuer Impfstoff, der noch nicht für den klinischen Einsatz zur Verfügung steht, wird gegenwärtig getestet. Er enthält einen kleinen Teil des Varizella-Zoster-Virus sowie Substanzen, die die Immunantwort des Körpers verstärken. Eine Studie mit 8122 Teilnehmern, die nach dem Zufallsprinzip entweder den neuen Impfstoff oder einen Placeboimpfstoff bekamen, zeigte, dass in der Impfstoffgruppe weniger Episoden von Herpes Zoster und mehr leichte bis mittelschwere unerwünschte Ereignisse auftraten als in der Placebogruppe (Evidenz von moderater Qualität).

Übersetzung: 

S. Schmidt-Wussow, freigegeben durch Cochrane Schweiz.

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