Mannitol zum Inhalieren zur Behandlung von Lungenerkrankungen bei zystischer Fibrose

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Fragestellung

In diesem Review wurde die Evidenz zur Wirkung von inhaliertem Mannitol zur Behandlung von Lungenerkrankungen bei zystischer Fibrose betrachtet.

Hintergrund

Die zystische Fibrose ist eine genetische Erkrankung, bei der die exokrinen Drüsen betroffen sind (u.a. die Schweißdrüsen). Bei Lungeninfektionen wird zäher Schleim (Mucus) produziert, welcher die Atemwege verstopfen kann. Dadurch kann es zu weiteren Infektionen kommen und zu wiederholten Entzündungen. Dies kann wiederum zu einer fortschreitenden Schädigung der Lunge führen und schließlich zu Lungenversagen. Verschiedene Arzneimittel werden eingesetzt, um die Atemwege von Menschen mit zystischer Fibrose vom Schleim zu befreien. Mannitol als Trockenpulverinhalat ist ein neues Medikament, mithilfe dessen eine Verbesserung der Lungenfunktion erzielt werden könnte. Mannitol als Trockenpulver könnte im Vergleich zu herkömmlichen Wirkstoffen, die mithilfe eines Verneblers angewendet werden (z.B. hypertone Salzlösung), angenehmer und einfacher in der Anwendung sein.

Suchdatum

Stand der Evidenz: 16. April 2015.

Studienmerkmale

In diesen Review wurden vier Studien mit insgesamt 667 Teilnehmern eingeschlossen. In drei der Studien wurde die Standarddosis von Mannitol mit der Kontrollgruppe (sehr niedrige Mannitoldosis oder eine Mannitolform, bei der der Wirkstoff die Lunge nicht erreicht) verglichen. In der vierten Studie wurde Mannitol mit rekombinanter humaner Desoxyribonuklease (Dornase alpha), welche über einen Vernebler verabreicht wurde, verglichen, sowohl als alleinige Therapie als auch in Kombination. Die Studienteilnehmer konnten Dornase alpha sowie andere Standardtherapien weiter anwenden, wurden bei Verwendung von hypertoner Salzlösung jedoch aus den Studien ausgeschlossen. Die Behandlungsdauer variierte bei den Studien zwischen zwei Wochen und sechs Monaten. Es nahmen sowohl Erwachsene als auch Kinder teil.

Hauptergebnisse

Die Studienergebnisse waren nicht ohne weiteres vergleichbar, es konnten jedoch über den Arzneimittelhersteller und einen der Studienautoren weitere Informationen für diesen Review gewonnen werden. Der Review ergab geringe Evidenz zu einer erheblichen Steigerung der Lebensqualität durch Mannitol im Vergleich zur Kontrollgruppe. Diese Evidenz beruhte auf drei Studien, sowie auf einer Studie, in der Mannitol in Kombination mit oder ohne Dornase alpha untersucht wurde. In allen Studien, in denen Mannitol mit der Kontrollgruppe verglichen wurde, waren Verbesserungen bei einigen Messungen der Lungenfunktion erkennbar. Eine positive Wirkung wurde außerdem in der Subgruppe der Erwachsenen beobachtet. Dies war der Fall sowohl bei Studienteilnehmern, die zusätzlich Dornase alpha anwendeten, als auch bei jenen, die dies nicht taten.

Durch die Behandlung mit Mannitol wurde die Anzahl aufflammender Erkrankungen (in den Studien verwendeter Begriff) gesenkt. Wir schätzen, dass die Anwendung von Mannitol im Durchschnitt zu einer Reduzierung um 29% führte, die tatsächliche Reduzierungsrate kann jedoch zwischen 2 und 49% liegen. In keiner der Studien wurde Mannitol mit mittels Vernebler angewendeter hypertoner Salzlösung verglichen. Es lässt sich also keine Aussage treffen, welcher Wirkstoff die Atemwege besser befreit. Zur Beantwortung dieser Frage ist weitere Forschung notwendig. Mannitol stand über einen Zeitraum von sechs Monaten in keinerlei Verbindung zu einem Anstieg isolierter Bakterien. Dies ist beruhigend, da Mannitol bei vielen Organismen wachstumsfördernd wirkt.

Qualität der Evidenz

Wir stuften die Qualität der Evidenz in diesem Review als sehr niedrig bis moderat ein, je nach untersuchtem Endpunkt. Wir glauben nicht, dass das Design der Studien die Ergebnisse beeinträchtigt hat. Unserer Auffassung nach wurden alle Studienteilnehmer nach der gleichen Wahrscheinlichkeit einer der Behandlungsgruppen zugeteilt und wussten weder im Vorfeld noch während der Studiendurchführung, welche Behandlung sie erhielten. Jedoch könnten die Studienabbrecherzahlen sich auf die Interpretation der Ergebnisse auswirken. Einige dieser Fragen konnten durch zusätzliche Informationen des Arzneimittelherstellers geklärt werden, der die Studien auch finanzierte. Wichtig ist, dass bei den Teilnehmern vor Studienbeginn ein Verträglichkeitstest auf Mannitol durchgeführt wurde und nur diejenigen, die keine Unverträglichkeit zeigten, weiter zugelassen wurden. Dies bedeutet, dass die Ergebnisse dieser Studien nur bei Menschen mit zystischer Fibrose anwendbar sind, die keine Mannitol-Unverträglichkeit aufweisen.

Übersetzung: 

I. Noack, freigegeben durch Cochrane Schweiz.

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