Extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL) im Vergleich zu perkutaner Nephrolithotomie (PCNL) oder retrograder intrarenaler Chirurgie (RIRS) zur Behandlung von Nierensteinen

Harnsteine sind ein häufiges, medizinisches Problem. Bei ca. der Hälfte der Patienten, die bereits einmal Nierensteine hatten, treten diese innerhalb von 10 Jahren wieder auf. Nierensteine ​​können Schmerzen, Blut im Urin, Infektionen, eine Verschlechterung der Nierenfunktion, und Nierenversagen verursachen. Die Behandlung besteht darin, die Steine zu entfernen. Die extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL) desintegriert Steine ​​mit Stoßwellen und ist eine nahezu nicht invasive Methode. Sonstige Minimal-invasive Verfahren, wie die perkutane Nephrolithotomie (PCNL) und retrograde intrarenale Chirurgie (RIRS) werden für die Behandlung von Nierensteinen eingesetzt, da ESWL nur eine begrenzte Erfolgsquote hat. Dieser Review soll die Alltagswirksamkeit und Komplikationen von ESWL zur Entfernung von Nierensteinen mit Nephroskopie durch die Haut an den Nieren (PCNL) oder Ureteroskopie durch die Blase und Harnleiter an den Nieren (RIRS) vergleichen. Fünf kleine randomisierte Studien (338 Patienten) wurden eingeschlossen. Vier Studien verglichen ESWL mit PCNL und eine Studie verglich ESWL mit RIRS. Patienten mit Nierensteinen, die mit PCNL behandelt wurden, hatten höhere Steinfreiheitsraten als bei ESWL wobei sich RIRS nicht signifikant von ESWL unterschied. ESWL Patienten hatten jedoch einen kürzeren Aufenthalt im Krankenhaus, eine kürzere Behandlungsdauer sowie weniger Komplikationen.

Schlussfolgerungen der Autoren: 

Die Ergebnisse aus fünf kleinen Studien mit geringer methodischer Qualität deuten darauf hin, dass die ESWL weniger wirksam gegen Nierensteine ist als die PCNL, jedoch nicht signifikant unterschiedlich zur RIRS. Krankenhausaufenthalt und Behandlungsdauer waren geringer in den ESWL-Gruppen. Größere RCTs mit hoher methodischer Qualität sind erforderlich, um die Wirksamkeit und Komplikationen der ESWL-Therapie zur Nephrolithiasis-Behandlung im Vergleich zur PCNL zu untersuchen. Darüber hinaus ist weitere Forschung notwendig, um sowohl die Wirksamkeit von ESWL und RIRS für Steine der unteren Kelchgruppe miteinander zu vergleichen als auch für einen Vergleich von PCNL mit RIRS.

Zum wissenschaftlichen Abstrakt
Hintergrund: 

Harnsteine stellen ein häufiges medizinisches Problem in der Allgemeinbevölkerung dar. Gegenwärtig haben die minimal-invasiven Techniken deutlich an Bedeutung gewonnen und zu einem Rückgang der offen-chirurgischen Therapie geführt. Die extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL) wurde als Alternativverfahren eingeführt, welches die Steine in der Niere und der oberen Harnwege durch den Einsatz von Stoßwellen desintegriert. Dennoch gibt es auch Faktoren, die den Erfolg der ESWL einschränken. Anderereits finden minimal-invasive Verfahren zur Entfernung von Nierensteinen, wie die perkutane Nephrolithotomie (PCNL) und die retrograde intrarenale Chirurgie (RIRS), ebenfalls breite Anwendung. Dies ist ein Update eines Reviews, welches erstmals im Jahr 2009 publiziert wurde.

Zielsetzungen: 

Die Alltagswirksamkeit und das Komplikationsprofil der ESWL im Vergleich zur PCNL oder RIRS zur Behandlung von Nephrolithiasis sollen in diesem Review bewertet werden.

Suchstrategie: 

Das spezialisierte Register der Cochrane Renal Group wurde mit Hilfe des Suchkoordinators und unter Benutzung relevanter Suchbegriffe zu diesem Thema durchsucht (bis 3. März 2014).

Auswahlkriterien: 

Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs), welche die Wirksamkeit von ESWL im Vergleich zu PCNL oder RIRS zur Behandlung von Nierensteinen untersuchten.

Datensammlung und -analyse: 

Zwei Autoren bewerteten unabhängig voneinander den Einschluss der Studien in das Review. Statistische Analysen wurden unter Verwendung des Random-Effekts-Modells durchgeführt und die Ergebnisse als Risiko-Verhältnis (RR) für dichotome Endpunkte oder als Mittelwertdifferenz (MD) für kontinuierliche Daten mit 95% Konfidenzintervall (KI) angegeben.

Hauptergebnisse: 

Fünf Studien (338 Patienten) wurden eingeschlossen, vier Studien verglichen ESWL mit PCNL und eine ESWL mit RIRS. Die Methode zur Randomisierung wurde in drei Studien berichtet und war unklar in zwei. Über die Maßnahmen zur verdeckten Gruppenzuteilung bis zur Interventionszuordnung (allocation concealment) wurde in keiner der eingeschlossenen Studien berichtet. Eine Verblindung der Teilnehmer und des Prüfers konnte aufgrund der Art der Interventionen nicht vorgenommen werden; über die Verblindung desjenigen, der die Endpunkte auswertet, wurde nicht berichtet. Alle Studien wurden mit geringem Risiko für Reporting Bias bewertet. Eine Studie wurde von der Industrie finanziert. In einer weiteren Studie war die Zahl der Teilnehmer in den Gruppen unausgewogen.

Der Behandlungserfolg nach drei Monaten war signifikant größer in der PCNL-Gruppe als in der ESWL-Gruppe (3 Studien, 201 Teilnehmer: RR 0,46, 95% KI 0,35 bis 0,62). Die Wiederbehandlungsrate (1 Studie, 122 Teilnehmer: RR 1,81, 95% KI 0,66 bis 4,99) und die Verwendung von Zusatzinterventionen (2 Studien, 184 Teilnehmer: RR 9,06, 95% KI 1,20 bis 68,64) waren signifikant höher in der ESWL-Gruppe im Vergleich zur PCNL. Der Effizienzquotient, welcher verwendet wird, um die Wirksamkeit der Verfahren zu bewerten, war höher für die PCNL als für die ESWL; jedoch verringerte er sich bei erhöhter Steingröße. Die Dauer der Behandlung (MD -36,00 Minuten, 95% KI -54,10 bis -17,90) und des Krankenhausaufenthalts (1 Studie, 49 Teilnehmer: MD -3,30 Tage, 95% KI -5,45 bis -1,15) waren in der ESWL-Gruppe signifikant kürzer. Insgesamt wurden mehr Komplikationen in der PCNL-Gruppe berichtet. Aufgrund von unterschiedlich definierten Endpunkten und einer erheblichen Divergenz der Endpunkte konnte keine Meta-Analyse mit den eingeschlossenen Studien durchgeführt werden.

Eine Studie verglich ESWL mit RIRS zur Behandlung von Konkrementen der unteren Kelchgruppe. In dieser Studie war der Therapieerfolg nach drei Monaten nicht signifikant unterschiedlich (58 Teilnehmer: RR 0,91, 95% KI 0,64 bis 1,30). Die durchschnittliche Dauer des Verfahrens sowie der durchschnittliche Krankenhausaufenthalt waren länger in der RIRS-Gruppe.

Übersetzung: 

A. Miernik, S. Schmidt, Koordination durch Cochrane Schweiz.

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