Welche Auswirkungen haben Vitamin E und C, Beta-Carotin, Selen und Glutathion auf Lungenerkrankung bei Menschen mit Mukoviszidose?

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Hintergrund

Häufige Atemwegsinfektionen bei Menschen mit Mukoviszidose verursachen lang anhaltende Lungenentzündungen. Zellen, die Entzündungen verursachen, produzieren eine Art von Sauerstoffmolekül (reaktive Sauerstoffspezies - „reactive oxygen species“ (ROS)), das leicht Proteine und DNA schädigen kann (oxidative Schäden). Um solche Schäden zu vermeiden, kann der Körper Antioxidantien produzieren. Der Gendefekt bei Mukoviszidose führt zu einem Ungleichgewicht, so dass bei diesen Patienten eine höhere Produktion schädlicher ROS im Gegensatz zu einem niedrigen Spiegel an schützenden Antioxidantien vorliegt. Nahrungsergänzungsmittel mit Antioxidantien könnten helfen, die oxidativen Schäden in der Lunge durch die ständigen Infektionen zu reduzieren und einen höheren Spiegel an Antioxidantien aufzubauen.

Es gibt viele verschiedene Antioxidantien. Vitamin E und Beta-Carotin sind fettlöslich. Bei Menschen mit Mukoviszidose sind die Werte dieser Antioxidantien niedrig, da sie Probleme bei der Absorption von Fett haben. Glutathion ist das häufigste Antioxidans in den Zellen, aber bei Menschen mit Mukoviszidose wird es nicht richtig in die Lunge abgegeben. Einige Enzyme, die die Wirksamkeit der Antioxidantien unterstützen, sind von einem Spurenelement namens Selen abhängig, d.h. Selen-Nahrungsergänzungsmittel zielen darauf ab, die antioxidative Wirkung zu fördern. Vitamin C ist wasserlöslich und der Spiegel nimmt mit zunehmendem Alter bei Menschen mit Mukoviszidose ab. Vitamin C-Präparate zielen somit darauf ab, die Spiegel wieder zu erhöhen.

Die meisten Nahrungsergänzungsmittel werden oral eingenommen, aber Glutathion kann auch direkt in die Lunge eingeatmet werden.

Suchdatum

Wir haben zuletzt am 29. August 2013 nach Evidenz gesucht.

Studienmerkmale

Wir haben zehn Studien mit 436 Personen mit Mukoviszidose (fast gleich viele Männer und Frauen) im Alter von sechs Monaten bis 32,9 Jahren eingeschlossen. Acht Studien verglichen orale Nahrungsergänzungsmittel mit Placebo (ein Präparat, das genauso aussieht wie die tatsächliche Behandlung, aber keine wirksamen Stoffe enthält), und zwei verglichen Stoffe zum Einatmen mit Placebo.

Hauptergebnisse

Die wichtigsten Endpunkte waren Lungenfunktion und Lebensqualität; andere Endpunkte waren Marker für oxidativen Stress, Entzündungen, Body-Mass-Index, Anzahl Tage unter Antibiotika-Therapie und unerwünschte Ereignisse.

In einer Studie (mit 46 Teilnehmenden) mit kombinierter Nahrungsmittelergänzung zeigte sich nach zwei Wochen ein besseres Ergebnis für die exspiratorische Einsekundenkapazität (unter größter Anstrengung ausgeatmetes Volumen innerhalb der ersten Sekunde, in % gemessen am erwarteten Durchschnittswert) in der Placebogruppe im Vergleich zur Gruppe mit Nahrungsergänzung. Im Gegensatz dazu zeigte eine Studie mit oralem Glutathion (41 Kinder), dass die Kinder, die Antioxidantien einnahmen, nach sechs Monaten im Durchschnitt ein um 17,40 % besseres Ergebnis für diese Lungenfunktionsmessung hatten als die Placebogruppe. Die gleiche Studie zeigte auch einen um 14,80% besseren Wert für die erzwungene Vitalkapazität (Lungenvolumen, das nach maximaler Einatmung mit maximaler Geschwindigkeit ausgeatmet werden kann) für die Gruppe mit Nahrungsergänzungsmitteln. Die Studie mit kombinierten Nahrungsergänzungsmitteln zeigte eine Verbesserung der Lebensqualität in der Placebogruppe. Die Studie dem oralem Glutathion zeigte, dass die Teilnehmenden, die Glutathion erhielten, am Ende der Studie einen Body-Mass-Index hatten, der durchschnittlich 17,20% höher war als in der Placebogruppe. Alle Studien (unabhängig vom Nahrungsergänzungsmittel) zeigten Verbesserungen im Blutspiegel von Vitamin E. Die Studien, die Beta-Carotin und Selen ergänzten, zeigten auch Verbesserungen im Blutspiegel dieser Antioxidantien.

Die größte der beiden Studien, in denen Glutathion zum Einatmen verabreicht wurde (153 Patienten) zeigte, dass Patienten, die Glutathion inhalierten, im Vergleich zur Placebogruppe nach drei Monaten durchschnittlich einen um 2,57% besseren Wert für die exspiratorische Einsekundenkapazität (in % gemessen am erwarteten Durchschnittswert) hatten und einen um 0,96% besseren Wert nach sechs Monaten. Wir analysierten die Daten zur Lebensqualität aus dieser Studie, fanden aber keinen Unterschied zwischen Nahrungsergänzungsmittel- und Placebogruppe.

Schlussfolgerungen

Es ist zu früh, um die Auswirkungen von Nahrungsergänzungsmitteln mit Antioxidantien zu beurteilen, da die Ergebnisse dieses Reviews widersprüchlich sind. Außerdem ist es schwierig zu sagen, welche Veränderungen auf Antioxidantien zurückzuführen sind und welche auf andere Behandlungen (z.B. Antibiotika). Glutathion (oral oder inhaliert) scheint in einigen Fällen die Lungenfunktion zu verbessern und den oxidativen Stress zu verringern. Größere Studien, insbesondere bei sehr jungen Patienten, sollten mindestens sechs Monate lang die wichtigen klinischen Endpunkte untersuchen, bevor endgültige Schlussfolgerungen über die Auswirkungen von Nahrungsergänzungsmittel mit Antioxidantien gezogen werden können.

Qualität der Evidenz

Keine der Studien war frei von möglichem Bias. Die meisten Probleme lagen darin, dass die Daten nicht vollständig berichtet wurden. Wir waren der Ansicht, dies würde sich wahrscheinlich auf die Ergebnisse auswirken. Wir waren uns größtenteils unsicher, ob die Teilnehmenden im Voraus wussten, in welche Gruppe sie eingeteilt wurden, oder ob sie nach Beginn der Studie wussten, ob sie die Nahrungsergänzungsmittel oder das Placebo erhielten. Wir sind uns nicht sicher, wie sich dies auf die Ergebnisse auswirken könnte.

Übersetzung: 

J. Gauch, freigegeben für Cochrane Schweiz. Unterstützt von Fondation SANA.

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