Antibiotika für Nasennebenhöhlenentzündung von kurzer Dauer bei Erwachsenen

Fragestellung

Heilen Antibiotika Nasennebenhöhlenentzündungen (Rhinosinusitis) bei Erwachsenen schneller als keine Antibiotika?

Hintergrund

Sinus bezeichnet einen Hohlraum im Kopf. Erwachsene mit einer kurz andauernden Nasennebenhöhleninfektion (Rhinosinusitis) leiden unter einer verstopften Nase und dickflüssigem, gelbem Auswurf aus der Nase. Menschen mit einer Nasennebenhöhleninfektion können Schleim im Rachenbereich, Gesichtsschmerzen, Schmerzen beim Vorbeugen und Schmerzen in den oberen Zähnen oder beim Kauen verspüren. Nach einer körperlichen Untersuchung und einer Befragung zu den Symptomen kann eine kurz andauernde Nasennebenhöhleninfektion vermutet werden. Blutuntersuchungen oder Bilder der Nasennebenhöhlen können die Diagnose untermauern, werden aber von den meisten Ländern nicht routinemäßig empfohlen. Kurz andauernde Nasennebenhöhleninfektionen werden in der Regel durch Viren verursacht. Dennoch neigen Ärzte dazu, Antibiotika, die nur zur Behandlung von bakteriellen Infektionen genutzt werden sollten, zu verschreiben. Antibiotika unnötigerweise einzunehmen führt zu Antibiotika-Resistenz gegenüber bakteriellen Infektionen. Wir haben untersucht,ob eine kurz andauernde Nasennebenhöhleninfektion bei Erwachsenen schneller mit Antibiotika als mit einem Scheinmedikament (Placebo) oder keiner Behandlung heilt.

Recherchedatum

18. Januar 2018.

Studienmerkmale

Wir haben 15 Studien eingeschlossen, bei denen Erwachsene mit kurz andauernder Nasennebenhöhleninfektion, mit oder ohne Bestätigung durch Bildgebung, zufallsbedingt Antibiotika, ein Scheinmedikament oder keine Behandlung im Rahmen der ambulanten Versorgung erhalten haben. Die Studien umfassten insgesamt 3057 Erwachsene mit einem durchschnittlichen Alter von 36 Jahren; etwa 60 % waren weiblich. Die Teilnehmer wurden bis zu ihrer Heilung beobachtet. Die Studiendauer variierte zwischen 8 und 28 Tagen.

Quellen der Studienfinanzierung

Sieben Studien erhielten finanzielle Unterstützung durch die Regierung oder akademische Institutionen, sechs Studien erhielten Zuschüsse von der pharmazeutischen Industrie und fünf Studien gaben keine Quellen der Unterstützung an.

Hauptergebnisse

Ohne Antibiotika waren fast die Hälfte der Teilnehmer nach einer Woche und zwei von drei Teilnehmern nach 14 Tagen geheilt. Fünf (mit Diagnose basierend auf dem Arzt beschriebenen Symptomen) bis 11 (mit durch Röntgen-Untersuchung bestätigter Diagnose) zusätzliche Personen von 100 wurden durch Antibiotika schneller geheilt. Ein Computertomographie (CT)-Scan könnte besser voraussagen, wer von Antibiotika profitieren würde, würde aber bei routinemäßiger Anwendung gesundheitliche Probleme aufgrund der Strahlenbelastung verursachen. 10 Personen mehr von 100 wurden schneller durch Antibiotika von dickem, gelben Ausfluss aus der Nase entlastet verglichen mit einer Scheinbehandlung oder keiner Behandlung. 13 Personen mehr von 100 Personen erlitten Nebenwirkungen (meistens den Magen oder Darm betreffend) durch Antibiotika verglichen mit einer Scheinbehandlung oder keiner Behandlung. Im Vergleich zu Personen, die zu Beginn mit Antibiotika behandelt wurden, mussten 5 Personen mehr von 100 in der Gruppe mit Scheinmedikament oder keiner Behandlung anfangen, Antibiotika zu nehmen, da sich ihr Zustand verschlechterte. Schwerwiegende Komplikationen (z. B. Gehirnabszesse) waren selten.

Wir haben festgestellt, dass Antibiotika kein Mittel der ersten Wahl für die Behandlung von Erwachsenen mit einer kurzzeitigen Nasennebenhöhleninfektion sind. Wir fanden keine Evidenz zu Erwachsenen mit schwerer Nasennebenhöhleninfektion oder mit reduzierter Immunabwehr oder zu Kindern.

Qualität der Evidenz

Wir haben Evidenz von hoher Qualität gefunden wenn die Diagnose aufgrund der dem Arzt mitgeteilten Symptomen gestellt wurde. Da die Anzahl der Teilnehmer klein und daher die Einschätzung weniger verlässlich war, mussten wir die Qualität der Evidenz auf moderat herabstufen wenn die Diagnose durch eine Röntgenuntersuchung oder einen CT-Scan untermauert wurde.

Übersetzung: 

J. Metzing, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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