Antibiotika bei starken Zahnschmerzen (irreversibler Pulpitis)

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Fragestellung des Review
Sind orale Antibiotika zur Behandlung von Schmerzen bei irreversibler Pulpitis (einer Entzündung des Nervs im Zahn / Nervenschädigung) wirksam und sicher?

Hintergrund
Eine irreversible Pulpitis tritt auf, wenn die Zahnpulpa (das Gewebe im Zahn, das den Nerv umgibt) irreparabel geschädigt ist. Sie zeichnet sich durch starke Schmerzen (Zahnschmerzen) aus, die so stark sind, dass man nachts aufwacht, und ist eine der häufigsten Gründe, weshalb sich Patienten als Notfälle in zahnärztliche Behandlung begeben. Jeder Zahn kann betroffen sein, auch ist sie nicht auf spezielle Altersgruppen beschränkt. Sie tritt normalerweise als direkte Folge von Zahnverfall, eines abgebrochenen Zahns oder einer Verletzung auf, und neigt daher dazu, bei älteren Patienten häufiger aufzutreten.

Die „Standardversorgung“ bei irreversibler Pulpitis - die umgehende Entfernung der Pulpa aus dem betroffenen Zahn - ist weitgehend akzeptiert, dennoch werden in weiten Teilen der Welt immer noch Antibiotika verschrieben.

Studienmerkmale
Die Evidenz, auf der dieser Review basiert, ist auf dem Stand vom 27. Januar 2016. Es wurde eine Studie mit 40 Personen mit irreversibler Pulpitis (Nervenschädigung) eingeschlossen. Es gab zwei Gruppen mit jeweils 20 Personen, von denen eine Gruppe über einen Zeitraum von sieben Tagen alle sechs Stunden mit Penicillin 500 mg, die andere entsprechend mit Placebo (kein Wirkstoff) behandelt wurde. Zusätzlich erhielten alle Teilnehmer Schmerzmittel (Ibuprofen; Paracetamol (Acetaminophen) in Kombination mit Codein).

Hauptergebnisse
Antibiotika scheinen von einer irreversiblen Pulpitis verursachte Zahnschmerzen nicht signifikant zu vermindern. Des Weiteren bestand zwischen beiden Gruppen kein Unterschied in der Gesamtzahl an Ibuprofen- oder Tylenol (Paracetamol in Kombination mit Codein)-Tabletten, die im Verlauf der Studie eingenommen wurden. Die Verabreichung von Penicillin bewirkt keine signifikante Verminderung des Schmerzempfindens, des Klopfschmerzes (Klopfen auf den Zahn) oder der, bei Personen mit irreversibler Pulpitis erforderlichen, Menge an Schmerzmitteln. Es wurde nicht über unerwünschte Ereignisse oder Reaktionen berichtet.

Qualität der Evidenz
Diese Studie umfasste nur eine geringe Teilnehmerzahl, und die Qualität der Evidenz für die verschiedenen Endpunkte wurde als niedrig bewertet. Die derzeit vorliegende Evidenz ist nicht hinreichend für eine Bewertung, inwiefern Antibiotika bei dieser Erkrankung hilfreich sind. Dieses Review zeigt deutlich, dass mehr und qualitativ hochwertigere Studien zur Anwendung von Antibiotika bei irreversibler Pulpitis benötigt werden.

Übersetzung: 

B. Fiess, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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