Antenatale Kortikosteroide bei Frauen mit Risiko für eine Frühgeburt zur Förderung des Reifungsprozesses der fetalen Lungen

Worum geht es?

Für sehr früh bzw. stark vorzeitig geborene Säuglinge besteht ein Risiko für Atemschwierigkeiten und andere schwerwiegende Gesundheitsprobleme bei der Geburt, in der Kindheit und im späteren Leben. Manche sehr früh geborene Säuglinge überleben diese Schwierigkeiten nicht. Manche Säuglinge haben Gesundheitsprobleme, die ihre normale Entwicklung beeinträchtigen und zu Schwierigkeiten in der Bewegung und beim Lernen führen können. Kortikosteroide sind Medikamente, die Frauen in der frühen Wehenphase verabreicht werden, damit die Lunge des Kindes schneller reift, und so die Anzahl der Säuglinge verringern, die bei der Geburt sterben oder unter Atemproblemen leiden.

Warum ist das wichtig?

Atemprobleme sind die Hauptursache für Tod und schwerwiegende Gesundheitsprobleme bei sehr früh geborenen Säuglingen. Schwangere mit einem Blasensprung oder spontanen vorzeitigen Wehen können Kortikosteroide einnehmen, um die Reifung der Säuglingslunge zu unterstützen. In diesem Review verglichen wir Frauen und Säuglinge, die diese Medikamente erhielten, mit Frauen und Säuglingen, die sie nicht erhielten.

Welche Evidenz haben wir gefunden?

Wir durchsuchten das Cochrane Pregnancy and Childbirth's Trials Register (17. Februar 2016).

Wir untersuchten 30 Studien, in denen Kortikosteroide an Frauen verabreicht wurden, bei denen ein Risiko für eine Frühgeburt bestand (7774 Frauen und 8158 Säuglinge). Alle Studien wurden in Krankenhäusern in Ländern mit hohem Einkommen durchgeführt. Unser Review zeigt, dass eine einzige Gabe eines Kortikosteroids, die der Mutter bei vorzeitigen Wehen vor der Geburt des Babys verabreicht wird, die Entfaltung der Säuglingslunge unterstützt und Komplikationen wie Atemprobleme verringert. Darüber hinaus führt diese Behandlung dazu, dass weniger Säuglinge bei der Geburt sterben oder unter schwerwiegenden Gesundheitsproblemen leiden, die bei sehr früh geborenen Säuglingen häufig auftreten (zum Beispiel Hirnblutungen oder Darmschäden).

Eine Einzeldosis eines Kortikosteroids schien keinen Einfluss auf die Anzahl der Frauen zu haben, die unter einer Infektion in der Gebärmutter litten (Amnioninfektionssyndrom (Chorioamnionitis) oder Gebärmutterschleimhautentzündung (Endometritis)). Es lagen zu wenige Daten vor, um den Endpunkt „Tod der Mutter“ vollständig auszuwerten.

Die Qualität der Studienevidenz war moderat; das bedeutet, wir können recht sicher sein, dass zukünftige Studien zu Kortikosteroiden in ähnlichen Krankenhausumgebungen zu den gleichen Schlussfolgerungen über Nutzen und Behandlungssicherheit für Frauen und Kinder kommen werden.

Was bedeutet das?

Die meisten Schwangeren, bei denen das Risiko einer sehr frühen oder stark vorzeitigen Geburt besteht, profitieren von der Gabe eines Kortikosteroids. Diese Medikamente scheinen unbedenklich für Schwangere und Neugeborene zu sein, wenn sie in Krankenhäusern in Ländern mit hohem Einkommen verabreicht werden, und sie erhöhen die Chance, dass der frühgeborene Säugling überlebt und keine unmittelbaren Gesundheitsprobleme entwickelt. Wir haben weniger Informationen über die Auswirkungen von Steroiden auf Frauen in Mehrlingsschwangerschaften und auf Frauen mit anderen Problemen während der Schwangerschaft wie hohem Blutdruck oder Blasensprung. Wir sind nicht sicher, ob ein bestimmtes Steroid oder eine bestimmte Dosis für Frauen und Säuglinge am besten ist.

Die Evidenz in diesem Review stammt aus Krankenhäusern in Ländern mit hohem Einkommen; die Ergebnisse sind daher möglicherweise nicht übertragbar auf Umgebungen mit begrenzten Ressourcen und hohen Infektionsraten.

Übersetzung: 

S. Schmidt-Wussow, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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