Sind Kinder durch die Impfung gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen (MMRV) geschützt und hat sie schädliche Auswirkungen?

Hintergrund

Masern, Mumps, Röteln und Varizellen (Windpocken) sind Infektionskrankheiten, die durch Viren verursacht werden. Am häufigsten treten sie bei Kindern und jungen Erwachsenen auf. Sie sind nicht immer schwerwiegend, können aber zu schweren Einschränkungen (wie Taubheit), Komplikationen und zum Tod führen. Wenn schwangere Frauen an Röteln erkranken, kann dies zum Verlust (Fehlgeburt) oder zur Schädigung ihrer ungeborenen Babys führen.

Ein Impfstoff ist ein Medikament, der die Infektion mit einer bestimmten Krankheit verhindert. Der MMR-Impfstoff (Masern, Mumps, Röteln) schützt Menschen vor diesen drei Infektionskrankheiten (ein kombinierter Impfstoff). Ärzte können gleichzeitig gegen Windpocken (Varizellen) impfen, indem der Impfstoff gegen Windpocken mit dem MMR-Impfstoff gemischt wird (MMRV) oder er separat zur gleichen Zeit verabreicht wird (MMR+V).

Der MMR-Impfstoff hat zu einem Rückgang an Masern-, Mumps- und Rötelinfektionen geführt. Einige Menschen glauben jedoch, dass der MMR-Impfstoff unerwünschte Wirkungen wie Autismus, Hirnschwellung (Enzephalitis), Meningitis, Lernschwierigkeiten, Typ-1-Diabetes und andere Erkrankungen verursacht. Infolgedessen ist die Zahl der Kinder, die geimpft werden, zurückgegangen.

Dies ist die 2019 aktualisierte Version eines Cochrane Reviews, der erstmals 2005 veröffentlicht und zuletzt 2012 aktualisiert wurde.

Fragestellung des Reviews

Wir wollten herausfinden, wie wirksam MMR-, MMR+V- und MMRV-Impfstoffe Kinder (bis 15 Jahre alt) vor der Ansteckung mit Masern, Mumps, Röteln und Windpocken schützen. Wir wollten auch wissen, ob die Impfstoffe unerwünschte Wirkungen haben.

Studienmerkmale

Wir suchten nach Studien, welche die Verabreichung von MMR-, MMRV- oder MMR+V-Impfstoffen, in beliebiger Dosis oder beliebigem Impfschema an gesunde Kinder (im Alter von bis zu 15 Jahren), mit keiner Verabreichung des Impfstoffs oder mit der Verabreichung eines Placebo-Impfstoffs (einer Scheinbehandlung) verglichen. Die Studien sollten die Zahl der Fälle von Masern, Mumps, Röteln und Windpocken ermitteln und berichten, ob bei den Kindern unerwünschte Wirkungen in Zusammenhang mit dem Impfstoff auftraten. Wir überprüften jede Studie, um sicherzugehen, dass anerkannte Methoden verwendet wurden, damit wir beurteilen konnten, wie verlässlich deren Ergebnisse waren.

Ergebnisse
Wir fanden 138 Studien mit mehr als 23 Millionen Kindern. In 51 Studien (mit 10 Millionen Kindern) wurde untersucht, wie wirksam die Impfstoffe zur Prävention der Krankheiten waren und 87 Studien (mit 13 Millionen Kindern) untersuchten unerwünschte Wirkungen. In diese Aktualisierung von 2020 haben wir 74 neue Studien eingeschlossen, die seit 2012 veröffentlicht wurden.

Masern: Die Ergebnisse von sieben Studien (mit 12.000 Kindern) zeigten, dass die Verabreichung einer einzelnen Impfstoffdosis bei der Prävention von Masern zu 95% wirksam war. Sieben Prozent der nicht geimpften Kinder würden sich mit Masern anstecken, und diese Zahl würde auf weniger als 0,5% sinken, wenn diese Kinder eine einzelne Dosis des Impfstoffs verabreicht bekommen.

Mumps: Die Ergebnisse von sechs Studien (mit 9.915 Kindern) zeigten, dass eine einzelne Impfstoffdosis bei der Prävention von Mumps zu 72% wirksam war. Die Wirksamkeit stieg nach der Verabreichung von zwei Dosen auf 86% (3 Studien, mit 7.792 Kindern). Bei nicht geimpften Kindern würden sich 7,4% mit Mumps anstecken und dieser Anteil würde auf 1% sinken, wenn die Kinder mit zwei Dosen geimpft würden.

Die Ergebnisse für Röteln (1 Studie, mit 1.621 Kindern) und Windpocken (1 Studie, mit 2.279 Kindern) zeigten ebenfalls, dass diese Impfstoffe wirksam sind. Nach der Verabreichung einer Dosis war die Impfung zur Prävention von Röteln zu 89% wirksam und nach 10 Jahren lag die Wirksamkeit bei der Prävention einer Windpockeninfektion mit MMRV-Impfstoff bei 95%.

Unerwünschte Wirkungen
Insgesamt ergab sich aus den Studien, dass die MMR-, MMRV- und MMR+V-Impfstoffe weder Autismus (2 Studien mit 1.194.764 Kindern) noch Enzephalitis (2 Studien mit 1.071.088 Kinder) oder irgendeine andere vermutete unerwünschte Wirkung verursachten.

Unsere Analysen zeigten ein sehr geringes Risiko, etwa zwei Wochen nach der Impfung, für Krampfanfälle aufgrund von hoher Temperatur oder Fieber (Fieberkrämpfe) sowie für einen Zustand, bei dem das Blut bei geimpften Kindern nicht normal gerinnt (idiopathische thrombozytopenische Purpura).

Qualität der Evidenz

Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist durch das Design der meisten Studien leicht eingeschränkt. Trotzdem beurteilten wir die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz zur Wirksamkeit des MMR-Impfstoffs als moderat und die für den Varizellen-Impfstoff als hoch. Unsere Vertrauenswürdigkeit in die Evidenz für Autismus und Fieberkrämpfe war ebenfalls moderat.

Schlussfolgerungen

Unser Review zeigt, dass die MMR-, MMRV- und MMR+V-Impfstoffe bei Kindern zur Vorbeugung einer Infektion mit Masern, Mumps, Röteln und Windpocken wirksam sind. Es gibt keine Evidenz für ein erhöhtes Risiko für Autismus oder Enzephalitis und ein geringes Risiko für Fieberkrämpfe.

Datum der Suche

Dieser Review enthält die Evidenz, die bis zum 2. Mai 2019 veröffentlicht wurde.

Übersetzung: 

M. Zelck, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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