Sind nicht-absorbierbare Disaccharide mit einer nutzbringenden oder einer schädlichen Wirkung bei Personen mit Zirrhose und hepatischer Enzephalopathie assoziiert?

Hintergrund

Zirrhose ist eine chronische Erkrankung der Leber. Personen mit Zirrhose könnten eine hepatische Enzephalopathie entwickeln, ein Zustand, der zu schwachen Gehirnfunktionen führt. Hepatische Enzephalopathie kann klinisch offensichtlich sein (offensichtlich erkennbar), mit Veränderungen, die schlechte Konzentration, Zittern und Veränderungen im Bewusstsein umfassen. Andere haben keine offensichtlichen klinischen Veränderungen (minimal), aber wenn sie untersucht werden zeigt sich, dass manche Aspekte der Gehirnfunktionen, wie Aufmerksamkeit und die Fähigkeit komplexe Aufgaben auszuführen, beeinträchtigt sind.

Der Grund warum Personen hepatische Enzephalopathie entwickeln ist komplex. Eine Schlüsselrolle spielt die Ansammlung von Ammoniak. Die nicht-absorbierbaren Disaccharide, Lactulose und Lactitol sind unverdauliche Zucker, die das Ammoniaklevel im Blut reduzieren.

Fragestellung

Durch das Prüfen von randomisierten klinischen Studien (RCTs) untersuchten wir die Verwendung von nicht-absorbierbaren Disacchariden zur Vorbeugung und Behandlung von hepatischer Enzephalopathie bei Personen mit Zirrhose.

Datum der Suche

Das Datum der Suche war Oktober 2015.

Finanzierungsquellen der Studien

Sieben RCTs erhielten finanzielle Unterstützung und 11 RCTs erhielten Lactitol oder inaktive Placebo unentgeltlich von Pharmaunternehmen.

Studienmerkmale

Wir schlossen 29 RCTs ein, die nicht-absorbierbare Disaccharide mit inaktiven Placebos oder keiner Intervention verglichen und neun RCTs, die Lactulose mit Lactitol verglichen. Sieben der eingeschlossenen RCTs betrachten die Prävention von hepatischer Enzephalopathie und 31 die Behandlung von hepatischer Enzephalopathie. Sechzehn der Behandlungs-RCTs schlossen Personen mit offensichtlicher hepatischer Enzephalopathie ein, während 15 RCTs Personen mit minimaler hepatischer Enzephalopathie einschlossen. Die Dauer der Behandlung variierte, abhängig von der Art der hepatischen Enzephalopathie, von fünf Tagen bis zu einem Jahr.

Hauptergebnisse

Bei Personen, die nicht-absorbierbare Disaccharide erhielten, war es unwahrscheinlicher, dass sie sterben, verglichen mit Personen mit Placebo oder keiner Behandlung. Bei ihnen war es auch unwahrscheinlicher, dass sie schwerwiegende Komplikationen während ihrer Lebererkrankung entwickeln, wie Leberversagen, Blutungen und Infektionen. Die nicht-absorbierbaren Disaccharide waren auch wirksam in der Vorbeugung der Entwicklung einer hepatischen Enzephalopathie und steigerten die Zahl der Teilnehmer, die sich von hepatischer Enzephalopathie erholten. Wenige Studien lieferten Evidenz dafür, dass Lactulose eine nutzbringende Wirkung bezüglich der Lebensqualität hat, aber wir waren nicht in der Lage, diese Daten in einer Gesamtanalyse einzuschließen. Die nicht-absorbierbaren Disaccharide wurden mit unerwünschten Ereignissen assoziiert, wie Durchfall, Übelkeit, Blasenbildung und Flatulenz. Keine der RCTs, die Lactulose mit Lactitol verglichen, berichteten über die Lebensqualität. Die Analysen zeigten keine Unterschiede zwischen den zwei Maßnahmen bezüglich der verbleibenden Endpunkte.

Qualität der Evidenz

Im Vergleich von nicht-absorbierbaren Disacchariden versus Placebo/keine Behandlung, fanden wir moderate Qualität der Evidenz bezüglich des Nutzens für die Endpunkte Tod, hepatische Enzephalopathie und schwerwiegende Komplikationen. Die Evidenz für die verbleibenden Endpunkte war von sehr niedriger Qualität.

Übersetzung: 

I. Nolle, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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