Laparoskopische Kolposuspension gegen Harninkontinenz bei Frauen



Schlussfolgerungen der Autoren: 

Die gegenwärtig verfügbare Evidenz deutet darauf hin, dass die laparoskopische Kolposuspension bei einer Nachbeobachtung von zwei Jahren postoperativ so gut wie eine offene Kolposuspension sein könnte. Jedoch scheinen die neueren vaginalen Schlingenoperationen noch größeren Nutzen, bessere objektive Resultate auf kurze Sicht und ähnliche subjektive Ergebnisse auf längere Sicht zu bieten. Wenn eine laparoskopische Kolposuspension durchgeführt wird, erscheint die Verwendung von zwei paravaginalen Nähten am wirksamsten zu sein. Der Stellenwert der laparoskopischen Kolposuspension in der klinischen Praxis sollte deutlicher werden, wenn mehr Daten zu Langzeit-Resultaten verfügbar sind. Ein brief economic commentary (BEC) identifizierte drei Studien, die darauf hindeuten, dass spannungsfreie retropubische Schlingen (TVT) im Vergleich zur laparoskopischen Kolposuspension kosteneffektiver sein könnten, die laparoskopische Kolposuspension im Vergleich zur offenen Kolposuspension nach 24-monatiger Nachbeobachtung jedoch etwas kostengünstiger sein könnte.

Zum wissenschaftlichen Abstrakt
Hintergrund: 

Die Belastungsinkontinenz (SUI) bedeutet eine erhebliche gesundheitliche und wirtschaftliche Belastung für die Gesellschaft und die betroffenen Frauen. Die laparoskopische Kolposuspension war eine der ersten minimal-invasiven Operationen für die Behandlung von Frauen mit SUI, mit den erhofften Vorteilen der Vermeidung größerer Inzisionen, kürzerer Krankenhausaufenthalte und schnellerer Rückkehr zu normalen Aktivitäten.

Zielsetzungen: 

Ziel des Reviews ist die Untersuchung der Wirksamkeit der laparoskopischen Kolposuspension bei Frauen mit Harninkontinenz.

Suchstrategie: 

Wir durchsuchten das Cochrane Incontinence Group Trials Register (Suche am 2. Juli 2009), suchten weitere Studien aus anderen Quellen und kontaktierten Studienautoren bezüglich unveröffentlichter Daten und Studien.

Auswahlkriterien: 

Wir schlossen randomisierte oder quasi-randomisierte kontrollierte Studien an Frauen mit symptomatischer oder urodynamischer Diagnose einer Stress- oder Mischinkontinenz ein, die eine laparoskopische Chirurgie als Intervention in mindestens einem Studienarm erhielten.

Datensammlung und -analyse: 

Die Review-Autoren bewerteten die Studien auf methodische Qualität und ihre Eignung für die Aufnahme in den Review. Zwei Autoren extrahierten die Daten und ein weiterer überprüfte diese. Eine Meta-Analyse wurde berechnet, sofern es sinnvoll war.

Hauptergebnisse: 

Wir haben 22 einschlussfähige Studien identifiziert. Zehn davon umfassten den Vergleich von laparoskopischer versus offener Kolposuspension. Während der subjektive Heilungserfolg der Frauen bei beiden Verfahren ähnlich zu sein schien, gab es Evidenz dafür, dass die laparoskopische Kolposuspension in der kurz- und mittelfristigen Nachuntersuchung zu schlechteren Ergebnissen bei objektiven Endpunkten führt. Die Ergebnisse zeigten Tendenzen zu weniger perioperativen Komplikationen, weniger postoperativen Schmerzen und einem kürzeren Krankenhausaufenthalt bei der laparoskopischen Kolposuspension im Vergleich zur offenen, jedoch war die laparoskopische Kolposuspension kostenintensiver.

Acht Studien verglichen die laparoskopische Kolposuspension mit neueren "selbstfixierenden" Vaginalschlingen. Es gab keine signifikanten Unterschiede in den beschriebenen kurz- und langfristigen subjektiven Heilungsraten beider Verfahren, jedoch sprach die objektive Heilungsrate nach 18 Monaten für die Schlingen. Wir beobachteten keine signifikanten Unterschiede für postoperative Blasenentleerungsstörungen und perioperative Komplikationen. Die laparoskopische Kolposuspension hatte sowohl eine signifikant längere Operationszeit als auch einen längeren Krankenhausaufenthalt.

In einer Studie fanden wir signifikant höhere subjektive und objektive Heilungsraten nach einem Jahr bei Frauen, die randomisiert entweder zwei paravaginalen Nähten oder im Vergleich einer Naht zugeteilt wurden. Drei Studien verglichen Nähte mit Netz und Klammern für die laparoskopische Kolposuspension und zeigten einen Trend zur Bevorzugung von Nähten.

Übersetzung: 

S. Schmidt, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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