Hydroxyurea (auch bekannt als Hydroxycarbamid) für Personen mit Sichelzellerkrankung

Fragestellung

Welche Wirkung hat Hydroxyurea auf klinische Endpunkte (Veränderung in Schmerzkrisen, lebensbedrohliche Erkrankungen, Überleben, Hämoglobin Level, Lebensqualität und Nebenwirkungen) bei Personen mit Sichelzellerkrankung, unabhängig vom Genotyp.

Hintergrund

Sichelzellerkrankung ist eine vererbte genetische Erkrankung, die Probleme mit dem Hämoglobin verursacht (Hämoglobin ist die Substanz in den roten Blutzellen, die den Sauerstoff durch den Körper transportiert). Diese Erkrankung kann auf unterschiedliche Weise vererbt werden. Personen können entweder zwei Sichelgene (HbSS Genotyp) erben oder sie können das Sichelgen von nur einem Elternteil erben und ein anderes Hämoglobingen vom anderen Elternteil (wie Hämoglobin C (HbSC Genotyp) oder ein Beta-Thalassämiegen (HbSß+ oder HbSß°Thal Genotyp)).

Bei Personen mit Sicherzellkrankheit bildet das abnormale Sichelhämoglobin ein langes Polymer (Kette) innerhalb der roten Blutzelle, wenn sie ihren Sauerstoff abgibt. Dies beschädigt die rote Blutzelle und macht sie klebriger. Dies führt zu Blockierungen und reduziertem Blutfluss, was Schmerzen und Organschäden verursacht. Fetales Hämoglobin stoppt das Entstehen dieser Polymere im Sichelhämoglobin innerhalb der roten Blutkörperchen. Das Medikament Hydroxyurea wird verwendet, um fetales Hämoglobin zu erhöhen und dadurch die Auswirkungen der Erkrankung zu reduzieren. Dies ist eine Aktualisierung eines zuvor veröffentlichten Cochrane Review.

Datum der Suche

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 16. Januar 2017.

Studienmerkmale

Wir schlossen acht Studien (899 Erwachsene und Kinder mit Sichelzellerkrankung (HbSS, HbSC oder HbSß°thal Genotyp)) ein. Die Studiendauer lag zwischen sechs und 30 Monaten.

Hauptergebnisse und Qualität der Evidenz

In vier Studien erhielten 577 Erwachsene und Kinder mit Sichelzellkrankheit, zufällig ausgewählt, eine Behandlung mit Hydroxyurea oder einem Placebo. In zwei Studien wurden 254 Kinder mit Sichelzellkrankheit, die zudem unter einem erhöhten Risiko für einen ersten oder zweiten Schlaganfall stehen, zufällig ausgewählt, um entweder Hydroxyurea oder Phlebotomie (Aderlass) zu erhalten oder eine Bluttransfusion einschließlich Chelation (Zuführung von Wirkstoffen, um überschüssiges Eisen aus dem Körper zu entfernen). Diese sechs Studien schlossen nur Personen mit HbSS oder HbSß°thal Genotypen ein. Somit gelten die Ergebnisse nicht für Personen mit dem HbSC Genotyp.

Es gibt Evidenz von moderater Qualität aus diesen sechs Studien, dass diejenigen, die Hydroxyurea erhielten, eine signifikante Reduktion in der Häufigkeit von Schmerzkrisen erlebten, sowie einen Anstieg im fetalen Hämoglobin und eine Senkung der Neutrophilwerte (weiße Blutkörperchen) verglichen mit den Kontrollbehandlungen. Es gab keine Unterschiede zwischen Personen, die Hydroxyurea oder eine andere Behandlung erhielten, bezüglich Lebensqualität, Tod während der Studie und Nebenwirkungen (einschließlich schweren und lebensbedrohlichen Nebenwirkungen). Jedoch gibt es bezüglich dieser Endpunkte weniger Informationen aus den Studien, sodass die diesbezügliche Qualität der Evidenz niedrig ist.

Zwei weitere Studien wurden in den Review eingeschlossen. In einer der Studien wurden 22 Kinder mit Sichelzellkrankheit, die ebenfalls unter Risiko standen einen Schlaganfall zu bekommen, zufällig ausgewählt um entweder Hydroxyurea oder keine Behandlung (nur Beobachtung) zu erhalten. Und in der anderen Studie wurden 44 Erwachsene und Kinder zufällig ausgewählt, um Behandlungen mit oder ohne zusätzlichem Hydroxyurea zu erhalten. Beide Studien zeigten eine Steigerung im fetalen Hämaglobin unter den Personen, die Hydroxyurea erhielten, verglichen mit den Kontrollbehandlungen. Es kam zu keinen Sterbefällen während der Studie. Es gab keine Unterschiede zwischen Personen die Hydroxyurea oder eine andere Behandlung erhielten bezüglich Schmerzkrisen und Nebenwirkungen (einschließlich schweren oder lebensbedrohlichen Nebenwirkungen). Die Lebensqualität wurde in den Studien nicht gemessen. Die Qualität der Evidenz aus diesen Studien ist sehr niedrig. Dies lag an der relativ kleinen Studiengröße, da nur ungefähr 20% der vorgesehenen Teilnehmerzahl rekrutiert wurden und daran, dass die Ergebnisse nicht auf alle Personen mit Sichelzellerkrankung zutreffen (unterschiedliche Genotypen).

Schlussfolgerungen

Die Evidenz zeigt, dass Hydroxyurea wahrscheinlich kurzfristig wirksam ist, um die Häufigkeit von schmerzhaften Phasen zu reduzieren, und dass es bei Personen mit Sichelzellerkrankung das Level an fetalem Hämoglobin im Blut steigern kann. Hydroxyurea ist wahrscheinlich auch bei Personen mit Risiko für einen Schlaganfall wirksam, bezüglich der Prävention des Auftretens eines ersten Schlaganfalls, und scheint nicht mit einer Steigung an Nebenwirkungen verbunden zu sein (einschließlich schweren und lebensbedrohlichen Nebenwirkungen).

Derzeit gibt es nicht genügend Evidenz darüber, ob Hydroxyurea langfristig nutzbringend ist, was die beste Einnahmedosis ist oder ob die Behandlung irgendwelche langfristigen oder schwerwiegenden Nebenwirkungen verursacht. Zusätzliche Studien sind nötig, um diese Fragen zu beantworten.

Übersetzung: 

I. Nolle, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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