Operative Behandlung von Eileiter-Verschlüssen bei Frauen, bei denen eine In-vitro-Fertilisation vorgesehen ist

Fragestellung des Reviews

Wir begutachteten die Wirksamkeit und Sicherheit der Durchführung von operativen Eingriffen bei Frauen mit Eileiterverschlüssen, insbesondere mit Hydrosalpinx (Ansammlung von Flüssigkeit in einem Eileiter oder beiden Eileitern, die den Fortpflanzungserfolg beeinträchtigt), vor einer in-vitro-Fertilisation (IVF, künstliche Befruchtung) und intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI, Methode der künstlichen Befruchtung). Unser Ziel war es, alle Arten von Operationen am Eileiter mit keiner Operation vor einer IVF zu vergleichen. Zu diesen Arten von Operationen zählen die Salpingektomie, bei der ein Eileiter oder beide entfernt werden; die Unterbindung der Eileiter, bei der diese mit Metallklammern verschlossen oder mittels Schere und Elektrokauterisation (einem elektrischen Verfahren) durchtrennt werden, so dass die vorhandene Flüssigkeit (Hydrosalpinx) nicht in die Gebärmutterhöhle gelangt; und die ultraschallgesteuerte Absaugung der Flüssigkeit über die Scheide. Unser weiteres Ziel war es, sofern Evidenz verfügbar war, jegliche Art von Eileiter-Operation mit einer jeglichen anderen Art von Eileiter-Operation zu vergleichen.

Hintergrund

Bei bis zu einer von fünf Frauen, die an Unfruchtbarkeit leiden, wird ein Verschluss eines Eileiters oder beider Eileiter diagnostiziert. Bei Frauen mit Eileiter-Verschlüssen kommt die IVF zum Einsatz, weil die Eizellen außerhalb des Körpers mit den Spermien befruchtet werden. Die sich hieraus entwickelnden Embryonen werden in die Gebärmutterhöhle eingesetzt, ohne dass die Eileiter dazu durchgängig sein müssen. Studien haben jedoch gezeigt, dass sich bei Frauen mit Eileiter-Verschluss ein Zustand entwickeln kann, der als Hydrosalpinx bezeichnet wird. Dabei sammelt sich Flüssigkeit in den Eileitern an, die möglicherweise die erfolgreiche Einnistung von den künstlich erzeugten Embryonen verhindert. Zur Behandlung einer Hydrosalpinx sind daher operative Eingriffe an den Eileitern empfohlen worden, da diese möglicherweise verhindern können, dass die Flüssigkeit in die Gebärmutterhöhle gelangt. Wenn die Flüssigkeit in die Gebärmutterhöhle gelangt, kann sie den Erfolg einer unterstützten Empfängnis möglicherweise negativ beeinflussen.

Studienmerkmale

Wir fanden 11 randomisierte kontrollierte Studien, in denen eine Eileiter-Operation mit keiner Eileiter-Operation bei insgesamt 1386 Frauen mit Hydrosalpinx vor einer IVF verglichen wurde. Die Evidenz ist auf dem Stand von Januar 2020.

Hauptergebnisse

Es gab keine Studien, in denen für den Hauptvergleich, Eileiter-Operation mit keiner Eileiter-Operation, über die Anzahl der lebend geborenen Kinder berichtet wurde. Im Vergleich zu keiner Eileiter-Operation erhöht eine Salpingektomie wahrscheinlich die Chance auf eine klinische Schwangerschaft. Die Evidenz deutet darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit für eine klinische Schwangerschaft nach einer Salpingektomie zwischen 27 % und 52 % liegen würde, wenn von einer Wahrscheinlichkeit von 19% für eine klinische Schwangerschaft bei keiner Salpingektomie ausgegangen wird. Es gab nicht genügend Daten, um eine Wirkung der verschiedenen Arten von Eileiter-Operationen auf unerwünschte Ereignisse, wie chirurgische Komplikationen, Fehlgeburten und ektopische Schwangerschaften (Schwangerschaften mit einem Embryo, der außerhalb der Gebärmutter verbleibt), zu ermitteln.

Qualität der Evidenz

Abgesehen von einem Ergebnis von moderater Qualität in einem der Vergleiche innerhalb des Reviews, war die Evidenz aus den 11 Studien von sehr niedriger bis niedriger Qualität. Die wesentlichen Einschränkungen dieser wissenschaftlichen Arbeit waren fehlende Verblindung (Vorgehensweise, bei der weder die teilnehmenden Frauen noch das Studienpersonal Kenntnis über die untersuchten Behandlungen haben), Inkonsistenz (Uneinheitlichkeit, Unterschiede in den Ergebnissen zwischen den Studien) und unzureichende Präzision (Ungenauigkeit durch Zufallsfehler und die geringe Größe der Studien) der Ergebnisse.

Übersetzung: 

M. Zelck, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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