Es gibt keine Evidenz, dass die stufenweise Einführung von ansteigenden Mengen enteraler Ernährung eine nekrotisierende Enterokolitis (Erkrankung des Darms) bei Säuglingen mit sehr geringem Geburtsgewicht verhindert

Hintergrund

Sehr früh geborene Säuglinge (weniger als 32 Wochen Schwangerschaft) oder Säuglinge mit sehr geringem Geburtsgewicht (weniger als 1500 g) sind gefährdet, eine schwere Darmerkrankung zu entwickeln, die als nekrotisierende Enterokolitis bezeichnet wird. Dabei entzünden sich Teile des Darms und beginnen abzusterben. Eine Möglichkeit, diese Erkrankung zu verhindern, besteht darin, die Einführung von Milchnahrung auf mehrere Tage (oder länger) nach der Geburt zu verschieben.

Studienmerkmale

Wir durchsuchten wissenschaftliche Datenbanken nach klinischen Studien, in denen die Wirkung von verzögerter (mehr als vier Tage nach der Geburt) im Vergleich zur früheren Einführung stufenweiser enteraler Nahrungsgabe (bei denen Mutter- oder Säuglingsfertigmilch direkt durch einen Schlauch in den Magen gespeist wird) auf die Häufigkeit von nekrotisierender Enterokolitis, Tod und allgemeine Gesundheit bei Säuglingen mit sehr geringem Geburtsgewicht untersucht wurde. Die Evidenz ist auf dem Stand von September 2014.

Hauptergebnisse

Wir fanden neun Studien mit 1106 Säuglingen, die die Wirkung einer verzögerten im Gegensatz zu einer frühen Einführung von Milchnahrung bei sehr früh geborenen Säuglingen oder Säuglingen mit sehr niedrigem Geburtsgewichten untersuchten. Die Daten aus diesen Studien lieferten keine Evidenz dafür, dass eine Verzögerung der enteralen Ernährung das Risiko einer nekrotisierenden Enterokolitis reduziert.

Qualität der Evidenz

Die eingeschlossenen Studien waren im Allgemeinen von angemessener methodischer Qualität, aber wie auch bei anderen Studien zu Ernährungseingriffen bei Säuglingen, war es nicht möglich, Pflegepersonal und klinisches Personal für die verabreichte Behandlung zu verblinden.

Übersetzung: 

J. Gauch, freigegeben für Cochrane Schweiz. Unterstützt von Fondation SANA.

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