Helfen Medikamente zur Behandlung von Depressionen Menschen dabei, mit dem Rauchen aufzuhören?

Hintergrund und Fragestellung des Reviews

Einige Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel, die zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden (Antidepressiva), werden auch untersucht, um festzustellen, ob sie Menschen helfen können, mit dem Rauchen aufzuhören. Zwei dieser Behandlungen - Bupropion (manchmal auch Zyban genannt) und Nortriptylin - werden manchmal empfohlen, um Menschen dabei zu helfen, mit dem Rauchen aufzuhören. Dieser Review untersucht, ob Antidepressiva tatsächlich dabei helfen, mit dem Rauchen aufzuhören (für sechs Monate oder länger), und betrachtet auch die Sicherheit dieser Medikamente.

Studienmerkmale

Dieser Review umfasst 115 Studien, die sich damit befassen, wie hilfreich und sicher verschiedene Antidepressiva sind, wenn sie zur Raucherentwöhnung eingesetzt werden. Die meisten Studien wurden mit Erwachsenen durchgeführt. Wir schlossen Studien von jeglicher Dauer für die Untersuchung der Sicherheit ein, aber die Studien mussten mindestens sechs Monate dauern, wenn beurteilt wurde, ob es den Menschen gelungen war, mit dem Rauchen aufzuhören. Die Evidenz ist auf dem Stand von Mai 2019.

Hauptergebnisse

Das Antidepressivum Bupropion macht es zu 52 % bis 77 % wahrscheinlicher, dass eine Person erfolgreich mit dem Rauchen aufhört. Das bedeutet, dass von hundert Personen, die versuchen mit dem Rauchen aufzuhören, fünf bis sieben Personen mehr mindestens sechs Monate lang erfolgreich mit dem Rauchen aufhören. Es gibt Evidenz dafür, dass das Antidepressivum Nortriptylin zur Raucherentwöhnung die Erfolgschancen ebenfalls verbessert. Es gibt nicht genügend Evidenz, um festzustellen, ob andere Antidepressiva Menschen helfen, mit dem Rauchen aufzuhören.

Es gibt Evidenz dafür, dass mit Bupropion mehr unerwünschte Wirkungen auftreten, insbesondere solche, die die psychische Gesundheit betreffen, und dass unerwünschte Wirkungen die Wahrscheinlichkeit erhöhen könnten, dass Menschen das Medikament absetzen. Die Evidenz deutet jedoch nicht darauf hin, dass Bupropion mit größerer Wahrscheinlichkeit zum Tod, zu Krankenhausaufenthalten oder zu lebensbedrohlichen Ereignissen, wie Krampfanfällen, führt. Es gibt nicht genügend Informationen, um klare Schlussfolgerungen über die Sicherheit von Nortriptylin für die Raucherentwöhnung zu ziehen.

Die Evidenz deutet nicht darauf hin, dass die gleichzeitige Anwendung von Bupropion mit anderen Mitteln zur Raucherentwöhnung wie Vareniclin (manchmal auch als Champix oder Chantix bekannt) oder einer Nikotinersatztherapie die Wahrscheinlichkeit erhöht, mit dem Rauchen aufzuhören. Die Wahrscheinlichkeit, mit dem Rauchen aufzuhören, ist mit Bupropion ebenso hoch wie mit Nortriptylin oder einer Nikotinersatztherapie, jedoch ist die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Raucherentwöhnung mit Vareniclin höher als mit Bupropion.

Vertrauenswürdigkeit der Evidenz

Es gibt Evidenz von hoher Vertrauenswürdigkeit dafür, dass Bupropion Menschen hilft, mit dem Rauchen aufzuhören, so dass weitere Forschungen an dieser Schlussfolgerung kaum etwas ändern dürften. Es gibt jedoch auch Evidenz von hoher Vertrauenswürdigkeit dafür, die nahelegt, dass Menschen Bupropion wegen unangenehmer Wirkungen eher absetzen als Menschen, die eine Tablette ohne Arzneimittel (ein Placebo) einnehmen. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz war für alle anderen Fragestellungen, die wir untersucht haben moderat, niedrig oder sehr niedrig. Das bedeutet, dass sich die Ergebnisse dieser Fragestellungen ändern könnten, wenn mehr Forschung durchgeführt wird. In den meisten Fällen lag dies daran, dass es nicht genügend Studien gab oder die Studien zu klein waren.

Übersetzung: 

M. Zelck, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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