Anti-D Gabe in der Schwangerschaft zur Prävention von Rhesus Alloimmunisierung

Frauen, deren Blutgruppe Rh-negativ ist und die mit einem Rh-positiven Baby schwanger sind, bilden manchmal Rh-Antikörper als Antwort auf die abweichende Struktur der roten Blutkörperchen des Babys. Diese Sensibilisierung passiert häufiger während der Geburt, tritt aber gelegentlich in der späten Schwangerschaft auf. Diese Antikörper können Blutarmut und manchmal den Tod für ein Rh-positives Baby in einer Folgeschwangerschaft verursachen. Es ist erwiesen, dass die Gabe von Anti-D nach der ersten Geburt dieses Problem reduziert. Dieser Review beurteilte zwei Studien mit moderatem bis hohem Risiko für Bias und befand, dass die Gabe von Anti-D während der Schwangerschaft ebenfalls hilfreich sein könnte, obwohl mehr Forschung benötigt wird, um den möglichen Nutzen zu bestätigen und etwaige Schäden zu identifizieren.

Schlussfolgerungen der Autoren: 

Bestehende Studien bieten keine eindeutige Evidenz über den Nutzen des Einsatzes von Anti-D während der Schwangerschaft für die Mutter oder das Neugeborene im Hinblick auf die Häufigkeit von Rhesus-D Alloimmunisierung während der Schwangerschaft oder nach der Geburt, oder die Häufigkeit von neonataler Morbidität (Gelbsucht)niedrige bis sehr niedrige Qualität der Evidenz). Jedoch verringert sich die Wahrscheinlichkeit für Frauen, die eine Anti-D-Gabe erhalten, einen positiven Kleihauer Test in der Schwangerschaft oder bei der Geburt eines Rh-positiven Säuglings zu habenniedrige Qualität der Evidenz). Es könnte sein, dass weniger Frauen, die eine Anti-D Gabe während der Schwangerschaft erhalten, Anti-D Antikörper in einer Folgeschwangerschaft haben. Dies wäre von Nutzen für das Neugeborene, jedoch bedarf dies der Untersuchung in Studien mit solidem Aufbau.

Zum wissenschaftlichen Abstrakt
Hintergrund: 

Eine Rhesus-negative (Rh-negative) Frau kann während der Schwangerschaft Antikörper entwickeln, wenn ihr Fetus Rhesus-positiv (Rh-positiv) ist. Diese Antikörper können Rh-positiven Neugeborenen schaden.

Zielsetzungen: 

Die Erfassung der Auswirkungen der pränatalen Anti-D Immunglobulin-Gabe auf die Häufigkeit von Rhesus-D Alloimmunisierung bei Rh-negativen Frauen ohne Anti-D Antikörper.

Suchstrategie: 

Wir suchten im Cochrance Pregnancy and Childbirth Group’s Trials Register (31. Mai 2015) und in den Referenzlisten der identifizierten Studien.

Auswahlkriterien: 

Randomisierte Studien bei Rh-negativen Frauen ohne Anti-D Antikörper mit Anti-D-Gabe nach 28 Schwangerschaftswochen, verglichen mit keiner Behandlung, Placebo oder einem anderen Behandlungskonzept mit Anti-D.

Datensammlung und -analyse: 

Zwei Review-Autoren beurteilten unabhängig voneinander die Studien auf Einschluss und das Risiko für Bias, extrahierten Daten und überprüften deren Richtigkeit.

Hauptergebnisse: 

Wir schlossen in diesem Review zwei Studien mit über 4500 Frauen ein, die Anti-D Prophylaxe mit keinem Anti-D während der Schwangerschaft vergleichen. Insgesamt wurden die Studien mit moderatem bis hohem Risiko für Bias bewertet. Die Qualität der Evidenz für vorgegebene Endpunkte wurde außerdem nach dem GRADE (Grades of Recommendation, Assessment, Developement and Evaluation)-Ansatz beurteilt.

Im Hinblick auf die primären Review Endpunkte gab es keine klaren Unterschiede im Risiko der Immunisierung, wenn Frauen, die eine Anti-D-Gabe nach 28 und 34 Schwangerschaftswochen erhielten mit Frauen verglichen wurden, die keine pränatale Anti-D-Gabe erhielten: Risiko-Verhältnis (RR) für die Häufigkeit von Rhesus-D Alloimmunisierung während der Schwangerschaft war 0,42 (95% Konfidenzintervall (KI) 0,15 bis 1,17, zwei Studien, 3902 Frauen, GRADE: niedrige Qualität der Evidenz); bei der Geburt eines Rh-positiven Säuglings lag das RR bei 0,42 (95% KI 0,15 bis 1,17, zwei Studien, 2297 Frauen); und innerhalb von 12 Monaten nach der Geburt eines Rh-positiven Säuglings lag das durchschnittliche RR bei 0,39 (95% KI 0,10 bis 1,62, zwei Studien, 2048 Frauen; T²: 0,47, I²: 39%; GRADE: niedrige Qualität der Evidenz). Keine der Studien berichtete über die Häufigkeit der Rhesus-D Alloimmunisierung in Folgeschwangerschaften.

Unter Berücksichtigung der sekundären Endpunkte konnte in einer Studie gezeigt werden, dass Frauen, die Anti-D während der Schwangerschaft erhielten, eine geringere Wahrscheinlichkeit für einen positiven Kleihauer Test (welcher fetale Zellen in mütterlichem Blut erkennt) in der Schwangerschaft (bei 32 bis 35 Wochen) (RR 0,60, 95% KI 0,41 bis 0,88; 1884 Frauen; GRADE: niedrige Qualität der Evidenzund nach der Geburt eines Rh-positiven Säuglings hatten (RR 0,60, 95% KI 0,46 bis 0,79; 1189 Frauen; GRADE: niedrige Qualität der Evidenz). Keine eindeutigen Unterschiede konnten für neonatale Gelbsucht erkannt werden (RR 0,26, 95% KI 0,03 bis 2,30; 1882 Säuglinge; GRADE: sehr niedrige Qualität der Evidenz). Keine der Studien berichteten über negative Auswirkungen in Verbindung mit Anti-D Behandlung.

Übersetzung: 

C. Eidt, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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