Laufbandtraining für Kinder im Alter von unter sechs Jahren mit einem Risiko für eine motorische Entwicklungsverzögerung

Reviewfrage

Dies ist eine Aktualisierung des 2011 veröffentlichten Reviews, der die Wirkung von Laufbandtraining für Kinder im Alter von unter sechs Jahren mit einem Risiko für eine Verzögerung der Entwicklung motorischer (bewegungsbezogener) Fertigkeiten untersuchte.

Hintergrund

Hilfestellung beim Laufen lernen ist häufig der Schwerpunkt therapeutischer Maßnahmen bei Kindern mit motorischen Entwicklungsverzögerungen. In der Literatur gibt es Hinweise darauf, dass ein Laufbandtraining den betroffenen Kindern eine Möglichkeit bieten könnte, mit Unterstützung über ausreichend lange Zeiträume zu laufen, um hierüber das motorische Lernen zu fördern. In diesem Review wurde die verfügbare Evidenz (der wissenschaftliche Beleg) für ein Laufbandtraining bei Kleinkindern mit neuromotorischen Störungen (neurologisch bedingten Störungen der Motorik bzw. Bewegungsfähigkeit) begutachtet.

Recherchedatum

Die Evidenz ist auf dem Stand von Mai 2017.

Studienmerkmale

Wir schlossen sieben Studien ein, in denen ein Laufbandtraining bei insgesamt 175 Kindern mit Down-Syndrom, Zerebralparese, allgemeiner Entwicklungsverzögerung oder bei Kindern mit einem moderaten Risiko für eine Entwicklungsverzögerung untersucht wurde. Das in den Studien untersuchte Laufbandtraining wurde im häuslichen Umfeld oder in therapeutischen Einrichtungen durchgeführt; die Dauer reichte von sechs Wochen bis zu mehreren Monaten, bzw. bis die Kinder ohne Hilfe laufen konnten.

In fünf Studien wurde ein Laufbandtraining mit keinem Laufbandtraining bei 117 Kindern mit den zuvor genannten Risiken verglichen. Ein Laufbandtraining mit oder ohne Orthesen (Schienen) wurde bei 22 Kindern mit Down-Syndrom untersucht. Ein hochintensives verglichen mit einem niedrigintensiven Laufbandtraining wurde bei 36 Kindern mit Down-Syndrom untersucht.

Hauptergebnisse

Verglichen mit keinem Laufbandtraining konnten 30 Kinder mit Down-Syndrom durch ein Laufbandtraining früher laufen; bei 28 Kindern mit einem moderaten Risiko für eine Entwicklungsverzögerung trat diese Wirkung jedoch nicht auf.

Insgesamt bewirkte ein Laufbandtraining keine Verbesserung der allgemeinen grobmotorischen Funktionsfähigkeit oder grobmotorischer Fertigkeiten mit Bezug zum Stehen. Eine Studie, in der ein Laufbandtraining mit Orthesen mit einem Laufbandtraining ohne Orthesen bei 17 Kindern mit Down-Syndrom verglichen wurde, erbrachte Hinweise darauf, dass die Verwendung von Orthesen Fortschritte in der grobmotorischen Funktionsfähigkeit hemmen könnte. Ein in der Vorschule durchgeführtes Laufbandtraining verbesserte jedoch die Gehfähigkeit bei 20 gehfähigen Kindern mit einer Entwicklungsverzögerung. Zwölf Kinder mit Zerebralparese, die ein intensives Laufbandtraining absolvierten, erreichten motorische Meilensteine schneller als Kinder, die kein Laufbandtraining durchführten.

Keine der Studien berichtete über Probleme oder Verletzungen durch das Laufbandtraining.

Insgesamt ist der wissenschaftliche Rückhalt für ein Laufbandtraining begrenzt. Es bedarf der Bestätigung durch größere Studien. Wenn der Nutzen der Intervention bewiesen ist, sind Untersuchungen zur optimalen Dosierung notwendig.

Statistische Berechnungen

Statistische Analysen (rechnerische Zusammenfassungen der Ergebnisse mehrerer Studien) wurden nur bei Verwendung vergleichbarer Endpunkte (Ergebniskriterien) in mehreren Studien durchgeführt.

Qualität der Evidenz

Die standardisierte Bewertung der Qualität der Evidenz reichte von hoch bis sehr niedrig. Die Qualität wurde anhand der Anzahl der in den Studien eingeschlossenen Kinder, der Vollständigkeit der Daten und der zufälligen (randomisierten) Zuteilung der Kinder zu den Studiengruppen bewertet.

Übersetzung: 

J. Heinisch, C. Braun, Koordination durch Cochrane Schweiz

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