Nadelgröße für Impfverfahren bei Kindern und Jugendlichen

Hintergrund

Impfstoffe enthalten Antigene, die unser Immunsystem dazu veranlassen, Antikörper zum Schutz gegen Krankheiten zu produzieren. Antigene sind veränderte oder unvollständige Formen des Virus, Bakteriums oder Toxins, das die Krankheit auslöst, gegen die die Impfung Schutz bietet. Dadurch, dass die ursprüngliche Form in dem Antigen verändert ist, kann es die Krankheit nicht auslösen, aber eine Immunantwort hervorrufen.

Impfstoffe können mit Hilfe von Nadeln verschiedener Länge und Dicke injiziert werden. Die Dicke, bzw. der Durchmesser der Nadel wird in der Einheit G (Englisch: gauge) angegeben. Je höher der G-Wert, desto dünner ist die Nadel. Eine Nadel mit 25 G hat beispielsweise einen Durchmesser von ca. 0,5 Millimetern (mm) und ist damit dünner als eine 23 G-Nadel mit einem Durchmesser von 0,6 mm. Es gibt einige widersprüchliche Richtlinien zu Nadellängen und -dicken, die bei der Impfung von Kindern und Jugendlichen beachtet werden sollen.

Fragestellung

In diesem Review sollte herausgefunden werden, ob die Länge und Dicke von Nadeln zur Impfung von Kindern und Jugendlichen einen Einfluss hat auf:

1) die Immunantwort auf den injizierten Impfstoff;

2) den Schmerz während des Impfvorgangs;

3) das Auftreten von Reaktionen, wie Schwellung, Berührungsempfindlichkeit und Rötung an der Impfstelle; Fieber (erhöhte Temperatur); und von weiteren Nebenwirkungen, die in Folge einer Impfung auftreten können.

Qualität der Evidenz

Es wurden fünf Studien mit 1350 Teilnehmern in diesen Review eingeschlossen. Die Qualität der Evidenz in den Studien wurde anhand von vier Stufen bewertet: sehr niedrig, niedrig, moderat und hoch. Evidenz von sehr niedriger Qualität bedeutet, dass die Ergebnisse sehr unsicher waren. Evidenz von hoher Qualität bedeutet, dass die Ergebnisse als sehr verlässlich erachtet wurden. Es traten Probleme mit dem Design mancher Studien auf und die Daten waren zur Beantwortung einiger Punkte der Fragestellung nicht ausreichend. In zwei Studien war die Qualität der Evidenz zu niedrig, um daraus jegliche Schlussfolgerungen zur Wirkung der Nadeln, die in den Studien verglichen wurden, abzuleiten. Die übrigen drei Studien lieferten jedoch ausreichende Evidenz, um einige Schlüsse ziehen zu können.

Studienmerkmale

An den drei Studien nahmen 1135 gesunde Kinder, vorwiegend im Alter von zwei bis sechs Monaten, teil. Die Kinder wurden entweder mit 25 G 25 mm (schmalen und langen) Nadeln, 23 G 25 mm (breiten und langen) Nadeln oder 25 G 16 mm (schmalen und kurzen) Nadeln in den Oberschenkel geimpft. Die Nadeln wurden im rechten Winkel (90°-Winkel) durch die Haut in den Oberschenkelmuskel eingeführt. Bei den verabreichten Impfstoffen handelte es sich um Kombinationsimpfstoffe zum Schutz gegen mehrere Krankheiten, einschließlich Diphterie (D), Tetanus (T), Keuchhusten (Pertussis) und Haemophilus influenza Typ B (Hib). Alle Impfstoffe enthielten Ganzkeim-Pertussis-Antigene (wP, Englisch: whole cell pertussis). Diese Art von Impfstoffen wird in der Regel in Entwicklungsländern, aber nicht in den entwickelten Ländern verwendet. Die Ergebnisse dieses Reviews sind folglich vorwiegend für Entwicklungsländer relevant.

Hauptergebnisse

Der Review ergab Evidenz von moderater Qualität, dass Kinder, die mit einer 25 mm-Nadel eine DTwP-Hib-Impfung in den Oberschenkel erhalten, vermutlich weniger schwere Reaktionen (starke Rötung und Schwellung am Oberschenkel) nach der Impfung aufweisen als Kinder, die mit 16 mm-Nadeln geimpft werden. Darüber hinaus zeigte sich, dass längere Nadeln nach der Impfung vermutlich zu weniger leichten Reaktionen, wie leichter Schwellung, Berührungsempfindlichkeit und Rötung führen. Durch lange und kurze Nadeln wird wahrscheinlich eine ähnliche Immunantwort auf den Impfstoff ausgelöst.

Wir fanden Evidenz von niedriger Qualität, dass der Impfvorgang durch den Einsatz einer breiten, langen Nadel im Vergleich zu einer schmalen, langen Nadel geringfügig weniger schmerzhaft verlaufen könnte. Es lag Evidenz von moderater Qualität vor, dass die Schreidauer der Kinder direkt nach erfolgter Impfung durch den Einsatz einer breiten, langen Nadel vermutlich geringfügig kürzer ist als bei der Verwendung schmaler, langer Nadeln. Die Unterschiede des Schmerzempfindens und der Schreidauer zwischen breiten und schmalen Nadeln sind vermutlich zu gering, um einen praktischen Nutzen zu haben.

Der Review ergab Evidenz von niedriger Qualität, dass bei Kindern, die mit einer schmalen, langen Nadel geimpft werden, geringfügig weniger leichte Reaktionen auftreten als bei Kindern, die mit einer breiten, langen Nadel geimpft werden.

Es bleibt unklar, ob die Nadelgröße einen Einfluss auf Fieber oder weitere Reaktionen hat, die nach einer Impfung auftreten können, beispielsweise Benommenheit, Appetitlosigkeit und Erbrechen. Für die Beantwortung dieser Frage war die Qualität der Evidenz zu niedrig.

Die Evidenz in diesem Review ist auf dem Stand von November 2014.

Übersetzung: 

I. Noack, freigegeben durch Cochrane Schweiz.

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