Antivaskulärer endothelialer Wachstumsfaktor bei neovaskulärer altersbedingter Makuladegeneration

Hintergrund
Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist eine verbreitete Ursache für starken Sehkraftverlust bei Menschen ab 55 Jahren. Die neovaskuläre AMD, bei der ein abnormales Wachstum der Blutgefäße im Augenhintergrund auftritt, ist für die meisten Fälle von AMD-bedingtem starkem Sehkraftverlust verantwortlich. Diese Erkrankung wird hauptsächlich mit Medikamenten wie Pegaptanib, Ranibizumab und Bevacizumab behandelt, die ins Auge gespritzt werden und das abnormale Wachstum der Blutgefäße im Augenhintergrund blockieren. Diese Art von Medikamenten bezeichnet man als antivaskuläre endotheliale Wachstumsfaktoren (Anti-VEGF-Medikamente).

Review-Frage
Wir wollten Folgendes untersuchen: (1) die Wirkung von in das Auge gespritzten Anti-VEGF-Wirkstoffen zur Behandlung der neovaskulären AMD im Vergleich zu keiner Anti-VEGF-Behandlung, und (2) die relative Wirkung eines Anti-VEGF-Wirkstoffs im Vergleich zu einem anderen, wenn sie in vergleichbarer Dosierung und Anwendung verabreicht werden.

Studienmerkmale
Wir fanden 12 randomisierte kontrollierteStudien (RCTs) mit insgesamt 5496 Teilnehmern mit neovaskulärer AMD. Die Anzahl der Teilnehmer pro Studie reichte von 28 bis 1208. In einer Studie wurde Pegaptanib, in drei Studien Ranibizumab und in zwei Studien Bevacizumab mit Behandlungen ohne Anti-VEGF-Wirkstoffen verglichen; sechs Studien verglichen Bevacizumab mit Ranibizumab. Vier Studien wurden von Arzneimittelunternehmen durchgeführt, und keine der acht Studien, die Bevacizumab zum Gegenstand hatten, wurden von Arzneimittelunternehmen finanziert. Die Studien wurden in verschiedenen Zentren auf fünf Kontinenten (Nord- und Südamerika, Europa, Asien und Australien) durchgeführt. In allen Studien lief die Behandlung und Nachbeobachtung der Teilnehmer über mindestens ein Jahr. Die Evidenz ist auf dem Stand vom 27. März 2014.

Hauptergebnisse
Bei den Teilnehmern, die mit einem der drei Anti-VEGF-Wirkstoffe behandelt wurden, war nach einjähriger Behandlung das Sehvermögen häufiger verbessert, sie verloren weniger häufig an Sehvermögen, und die Wahrscheinlichkeit, offiziell als blind zu gelten, war geringer als bei Teilnehmern in den Kontrollgruppen. Ferner wiesen mit Anti-VEGF-Medikamenten behandelte Teilnehmer im Vergleich zu Teilnehmern, die nicht mit Anti-VEGF-Medikamenten behandelt wurden, Verbesserungen in den strukturellen Bereichen des Auges auf, an denen Ärzte in der Regel den Fortschritt der Krankheit und das Ansprechen auf die Behandlung überwachen.

Im Vergleich zu Behandlungen in den Kontrollgruppen erzielte die Behandlung mit Ranibizumab oder Bevacizumab grössere Verbesserungen als mit Pegaptanib. Keine der Studien verglich Pegaptanib direkt mit anderen Anti-VEGF-Medikamenten. Der Vergleich von Bevacizumab und Ranibizumab untereinander ergab keine bedeutenden Unterschiede bei den Endpunkten mit Bezug auf das Sehvermögen. Allerdings bestand zwischen den beiden Wirkstoffen ein großer Kostenunterschied.

Entzündungen und erhöhter Augeninnendruck waren die am weitesten verbreiteten unerwünschten Ereignisse mit Bezug auf das Sehvermögen bei Anti-VEGF-Medikamenten. Über Endophthalmitis (einer Entzündung des inneren Auges, die zur Erblindung führen kann) wurde bei weniger als 1% der mit Anti-VEGF-Medikamenten behandelten Teilnehmer berichtet. In den Kontrollgruppen gab es keine Fälle. Das Auftreten schwerer Nebenwirkungen wie Bluthochdruck oder innerer Blutungen war in den mit Anti-VEGF-Medikamenten behandelten Gruppen und Kontrollgruppen vergleichbar. Allerdings war die Anzahl der Ereignisse im Verhältnis zur Anzahl Studienteilnehmer klein, so dass es schwierig war, aussagekräftige Unterschiede zwischen den Gruppen auszumachen. Zur Sehleistung (z. B. Lesegeschwindigkeit und kritische Buchstabengröße), Lebensqualität und zu wirtschaftlichen Endpunkten standen nur wenige Daten zur Verfügung.

Qualität der Evidenz
Insgesamt war die Qualität der Evidenz sehr gut, da bei den meisten Studien ein insgesamt geringes Biasrisiko bestand (d. h. sie waren von guter methodischer Qualität).

Übersetzung: 

Freigegeben durch Cochrane Schweiz

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