Faktoren, die beeinflussen, ob Beschäftigte im Gesundheitswesen die Leitlinien zur Vorbeugung und Kontrolle von Infektionen bei Infektionskrankheiten der Atemwege befolgen

Was ist das Ziel dieses Reviews?

Dieser Review gehört zu einer Reihe von schnellen Evidenzsynthesen (Rapid Reviews), die erstellt wurden, um Informationen für die COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 bereitzustellen. Ziel dieses Cochrane Reviews zu qualitativer Forschung ("qualitative Evidenzsynthese") ist es zu untersuchen, welche Faktoren beeinflussen, ob Beschäftigte im Gesundheitswesen die Leitlinien zur Prävention und Kontrolle von Infektionen (engl. infection prevention and control (IPC) guidelines) bei Infektionskrankheiten der Atemwege befolgen. Um diese Frage zu beantworten, suchten und analysierten wir qualitative Studien zu diesem Thema.

Hauptergebnisse

Beschäftigte im Gesundheitswesen verweisen auf mehrere Faktoren, die ihre Fähigkeit und Bereitschaft zur Einhaltung der IPC-Leitlinien im Umgang mit Infektionskrankheiten der Atemwege beeinflussen. Dazu gehören Faktoren im Zusammenhang mit der Leitlinie selbst und der Art und Weise, wie sie kommuniziert wird, Unterstützung durch Führungskräfte, Arbeitsplatzkultur, Schulung, der verfügbare Platz, Zugang zu und Vertrauen in die persönliche Schutzausrüstung (PSA) sowie der Wunsch, eine gute Patientenversorgung zu leisten. Der Review unterstreicht auch die Bedeutung der Einbeziehung aller Beschäftigten einer Einrichtung, einschließlich des Hilfspersonals, bei der Umsetzung der IPC-Leitlinien.

Was wurde in diesem Review untersucht?

Wenn sich Infektionskrankheiten der Atemwege ausbreiten, wie z.B. während der COVID-19-Pandemie, wird die Anwendung der IPC-Strategien durch Beschäftigte im Gesundheitswesen noch wichtiger. Zu diesen Strategien gehören die Verwendung von PSA wie Masken, Gesichtsschutz, Handschuhen und Kitteln, die Trennung von Patienten mit Atemwegsinfektionen von anderen und strengere Reinigungsroutinen. Indem erforscht wird, wie Beschäftigte im Gesundheitswesen diese Strategien sehen und erleben, können Behörden und Gesundheitseinrichtungen mehr darüber erfahren, wie sie Beschäftigte im Gesundheitswesen bei der Umsetzung dieser Strategien am besten unterstützen können.

Was sind die Hauptergebnisse dieses Reviews?

Wir fanden 36 relevante Studien und zogen 20 dieser Studien zur Analyse heran. Zehn Studien wurden in Asien, vier in Afrika, vier in Nordamerika und zwei in Australien durchgeführt. Die Studien erforschten die Ansichten und Erfahrungen von Krankenschwestern, Ärzten und anderen Beschäftigten im Gesundheitswesen im Umgang mit SARS, H1N1, MERS, Tuberkulose oder saisonaler Grippe. Die meisten dieser Beschäftigten arbeiteten in Krankenhäusern.

Unser Review wies auf mehrere Faktoren hin, die Beschäftigte im Gesundheitswesen in der Einhaltung der IPC-Leitlinien beeinflussten. Die folgenden Faktoren basieren auf Evidenz, die mit moderater bis hoher Vertrauenswürdigkeit bewertet wurde.

Beschäftigte im Gesundheitswesen fühlten sich unsicher, wenn lokale Leitlinien lang und unklar waren oder nicht mit den nationalen oder internationalen Leitlinien übereinstimmten. Sie konnten sich überfordert fühlen, weil sich die lokalen Leitlinien ständig änderten. Sie beschrieben auch, wie die IPC-Strategien zu erhöhter Arbeitsbelastung und Ermüdung führten, z.B. weil sie PSA verwenden und zusätzliche Reinigungsarbeiten übernehmen mussten. Die Beschäftigten im Gesundheitswesen beschrieben, wie ihre Reaktionen auf die IPC-Leitlinien durch das Maß an Unterstützung beeinflusst wurden, das sie ihrer Einschätzung nach von ihren Führungskräften erhielten.

Eine klare Kommunikation der IPC-Leitlinien wurde als entscheidend angesehen. Die Beschäftigten im Gesundheitswesen wiesen jedoch auf fehlende Schulungsmaßnahmen hin, sowohl was die Infektionskrankheit selbst als auch die korrekte Anwendung von PSA betrifft. Sie hielten es auch für ein Problem, wenn diese Schulungen nicht als verpflichtend angeboten wurden.

Es wurde als unerlässlich angesehen, genug Platz zu haben, um die Patienten zu isolieren. Zu wenige Isolationsräume, Vorzimmer (kleine Räume, die von einem Flur in einen Isolationsraum führen) und Duschmöglichkeiten waren ein Problem. Zu weiteren wichtigen praktischen Maßnahmen, die die Beschäftigten im Gesundheitswesen beschrieben, zählten: Minimierung der Überbelegung, infizierte Patienten schneller zu Klinikterminen bringen (fast-tracking), Einschränkung von Besuchern und unkomplizierter Zugang zu Handwaschmöglichkeiten.

Ein Mangel an PSA oder qualitativ minderwertige PSA war ein ernstes Problem für Beschäftigte und Führungskräfte im Gesundheitswesen. Sie betonten auch die Notwendigkeit, die Menge der Vorräte bei andauernden Infektionsausbrüchen anzupassen.

Die Beschäftigten im Gesundheitswesen glaubten, dass sie die IPC-Leitlinien sorgfältiger einhielten, wenn sie den besonderen Mehrwert dieser Leitlinien erkannten. Andere Beschäftigte im Gesundheitswesen waren motiviert, den Leitlinien zu folgen, aus Angst sich selbst und ihre Familien zu infizieren, oder weil sie sich für ihre Patienten verantwortlich fühlten. Einige Beschäftigte im Gesundheitswesen fanden es schwierig, Masken und andere Ausrüstung zu benutzen, wenn sich die Patienten dadurch isoliert, verängstigt oder stigmatisiert fühlten. Zudem empfanden Beschäftigte im Gesundheitswesen die Verwendung von Masken und anderer Ausrüstung als unangenehm. Die Arbeitsplatzkultur könnte auch Einfluss darauf haben, ob Beschäftigte im Gesundheitswesen die IPC-Leitlinien befolgt oder nicht.

In vielen Untersuchungsergebnissen wiesen Beschäftigte im Gesundheitswesen darauf hin, wie wichtig es zur Umsetzung der IPC-Richtlinien ist, das gesamte Personal, einschließlich Reinigungspersonal, Pförtner, Küchenpersonal und andere Hilfskräfte, einzubeziehen.

Wie aktuell ist dieser Review?

Wir suchten nach Studien, die bis März 2020 veröffentlicht wurden.

Übersetzung: 

M. Zelck, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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