Techniken zur Medikamentengabe unter Verwendung elektrischen Stroms zur Behandlung von nicht muskelinvasivem Blasenkrebs

Fragestellung

Was ergibt ein Vergleich zwischen Methoden zur Medikamentengabe unter Verwendung elektrischen Stroms und Methoden ohne elektrischen Strom bei Menschen mit nicht muskelinvasivem Blasenkrebs ?

Hintergrund

Nicht muskelinvasiver Blasenkrebs ist ein Krebs (Tumor) der Innenwände der Blase, der in einer sogenannten endoskopischen Operation mithilfe kleiner Instrumente und einer Lichtquelle entfernt werden kann. Diese Tumore können mit der Zeit zurückkommen und sich auf die tieferen Schichten der Blasenwand ausdehnen. Wir wissen, dass verschiedene Arten von Medikamenten, die wir in die Blase einbringen können, helfen, dem vorzubeugen. Forscher betrachteten die Verwendung von elektrischem Strom, um die Wirksamkeit dieser Medikamente zu verbessern. In diesem Review wollten wir herausfinden, ob die Verwendung von elektrischem Strom besser oder schlechter als keine Verwendung desselben war.

Studienmerkmale

Die Evidenz ist auf dem Stand vom 7. Februar 2017. Wir fanden drei Studien mit 672 Patienten, die zwischen 1994 und 2003 durchgeführt wurden und fünf verschiedene Verabreichungsmethoden dieser Behandlung verglichen. Mitomycin war das einzige Medikament, das zusammen mit elektrischem Strom verabreicht wurde. Alle drei Studien stammten von derselben Forschungsgruppe.

Hauptergebnisse

Wir sind sehr unsicher, ob die Verwendung von elektrischem Strom zur Gabe von Mitomycin nach endoskopischer Operation im Vergleich zu Bacillus Calmette-Guérin (BCG; ein Impfstoff gegen Tuberkulose) oder zur Verabreichung ohne elektrischen Strom besser oder schlechter ist. Mitomycin, verabreicht mit elektrischem Strom und zusammen mit BCG über einen längeren Zeitraum könnte besser als BCG alleine wirken, die Rückkehr des Tumors und dessen Ausdehnung auf die tieferen Schichten der Blasenwand aufzuschieben. Die Gabe einer Dosis Mitomycin mit elektrischem Strom vor einer endoskopischen Operation könnte besser sein, als eine Dosis Mitomycin ohne elektrischen Strom nach der Operation oder nur Operation ohne weitere Behandlung. Wir sind unsicher, ob die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen unerwünschte Reaktionen auf diese Behandlungen zeigen, steigt oder fällt.

Qualität der Evidenz

Die Qualität der Evidenz war für die meisten Behandlungen, die wir verglichen, niedrig oder sehr niedrig. Das bedeutet, dass wir häufig unsicher waren, ob die Ergebnisse der Wahrheit entsprechen. Weitere Forschung wird diese Ergebnisse wahrscheinlich verändern.

Schlussfolgerungen der Autoren: 

Während die Verwendung von EMDA zur Verabreichung intravesikaler MMC bei bestimmten Patientenpopulationen möglicherweise zu einer zeitlichen Verzögerung des Wiederauftretens eines Urothelkarzinoms führen kann, sind wir über die Auswirkungen auf schwerwiegende unerwünschte Ereignisse dieser Behandlungsform in allen Vergleichen unsicher. Häufige Gründe für die Herabstufung der QoE waren Studieneinschränkungen und unzureichende Präzision. Eine EMDA-basierte Verabreichung von MMC könnte künftig in einem Setting wichtig werden, in dem etabliertere Präparate (wie z.B. BCG) nicht verfügbar sind. Unser Vertrauen in den Effektschätzer ist aufgrund der niedrigen oder sehr niedrigen QoE für die meisten Vergleiche begrenzt. Daher können die tatsächlichen Effektgrößen von den hier angegebenen Werten erheblich abweichen.

Zum wissenschaftlichen Abstrakt
Hintergrund: 

Bei der elektromotorischen Verabreichung von Medikamenten (electromotive drug administration, EMDA) wird elektrischer Strom zur Verbesserung der Verabreichung von intravesikalen Wirkstoffen genutzt, um das Rezidivrisiko bei Menschen mit nicht-muskelinvasivem Blasenkrebs (non-muscle invasive bladder cancer, NMIBC) zu verringern. Es ist unklar, wie wirksam dies im Vergleich zu anderen Formen der intravesikalen Instillationstherapie ist.

Zielsetzungen: 

Das Ziel ist die Beurteilung der Wirksamkeit der intravesikalen EMDA für die Behandlung von NMIBC.

Suchstrategie: 

Wir führten eine umfassende Suche in mehreren Datenbanken (CENTRAL, MEDLINE, EMBASE), zwei Registern klinischer Studien und einer Quelle für graue Literatur durch. Referenzlisten relevanter Publikationen und Konferenzabstracts wurden miteinbezogen. Wir haben keine sprachlichen Einschränkungen vorgenommen. Die letzte Suche wurde im Februar 2017 durchgeführt.

Auswahlkriterien: 

Wir suchten nach randomisierten Studien, die EMDA eines beliebigen intravesikalen Mittels zur Reduzierung eines Blasenkrebsrezidives in Verbindung mit der transurethralen Resektion eines Blasentumors (transurethral resection of bladder tumour, TURBT) verglichen.

Datensammlung und -analyse: 

Zwei Autoren durchsuchten unabhängig voneinander die Literatur, extrahierten Daten, bewerteten das Risiko für Bias und beurteilten die Evidenzqualität (QoE) nach GRADE für jeden Endpunkt.

Hauptergebnisse: 

Drei Studien mit insgesamt 672 Teilnehmern wurden aufgenommen, die fünf verschiedene Vergleiche beschrieben. Alle drei Studien wurden von demselben Studienleiter durchgeführt. Alle Studien verwendeten Mitomycin C (MMC) als Chemotherapeutikum für die EMDA.

1. Postoperative MMC-EMDA Induktion versus postoperative Bacillus Calmette-Guérin (BCG) Induktion: Basierend auf einer Studie mit 72 Teilnehmern mit Cacinoma-in-situ (CIS) und gleichzeitigem pT1 Urothelkarzinom ist die Wirksamkeit von MMC-EMDA bezüglich der Zeit bis zum Rezidiv (Relatives Risiko (RR) 1,06, 95% Konfidenzintervall (KI) 0,64 bis 1,76; entspricht 30 mehr pro 1000 Teilnehmer, 95% KI 180 weniger bis 380 mehr) unsicher (sehr niedrige QoE). In beiden Studienarmen gab es nach drei Monaten Nachbeobachtung keine Progression der Erkrankung. Über schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (RR 0,75, 95% KI 0,18 bis 3,11) kann ebenfalls keine sichere Aussage getroffen werden (sehr niedrige QoE).

2. Postoperative MMC-EMDA Induktion versus MMC Induktion durch passive Diffusion (PD): Basierend auf einer Studie mit 72 Teilnehmern mit CIS und gleichzeitigem pT1 Urothelkarzinom kann postoperative MMC-EMDA möglicherweise (niedrige QoE) das Rezidivrisiko reduzieren (RR 0,65, 95% KI 0,44 bis 0,98; entspricht 147 weniger pro 1000 Teilnehmer, 95% KI 235 weniger bis 8 weniger). In beiden Studienarmen gab es nach drei Monaten Nachbeobachtung keine Progression der Erkrankung. Wir sind unsicher (sehr niedrige QoE) über die Wirkung von MMC-EMDA auf schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (RR 1,50, 95% KI 0,27 bis 8,45).

3. Postoperative MMC-EMDA mit sequentieller BCG Induktion inkl. Erhaltungstherapie versus postoperative BCG Induktion inkl. Erhaltungstherapie: Basierend auf einer Studie mit 212 Teilnehmern mit pT1 Urothelkarzinom der Blase mit oder ohne CIS, könnte (niedrige QoE) postoperative MMC-EMDA mit sequentieller BCG die Zeit bis zum Rezidiv ( Hazard Ratio (HR) 0.51, 95% KI 0,34 bis 0,77; entspricht 181 weniger pro 1000 Teilnehmer, 95% KI 256 weniger bis 79 weniger) und bis zur Progression (HR 0,36, 95% KI 0,17 bis 0,75; entspricht 63 weniger pro 1000 Teilnehmer, 95% KI 82 weniger bis 24 weniger) verlängern. Wir sind unsicher (sehr niedrige QoE) über die Wirkung von MMC-EMDA auf schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (RR 1,02, 95% KI 0,21 bis 4,94).

4. Präoperative MMC-EMDA als Einmalbehandlung versus postoperative MMC-PD als Einmalbehandlung: Basierend auf einer Studie mit 236 Teilnehmern mit primärem pTa und pT1 Urothelkarzinom, resultiert die präoperative MMC-EMDA als Einmalbehandlung wahrscheinlich (moderate QoE) in einer Zeitverlängerung bis zum Rezidiv (HR 0,47, 95% KI 0,32 bis 0,69; entspricht 247 weniger pro 1000 Teilnehmer, 95% KI 341 weniger bis 130 weniger) bei einer medianen Nachbeobachtungszeit von 86 Monaten. Wir sind unsicher (sehr niedrige QoE) über die Wirkung von präoperativer MMC-EMDA als Einmalbehandlung auf die Zeit bis zur Progression (HR 0,81, 95% KI 0,00 bis 259,93; entspricht 34 weniger pro 1000 Teilnehmer, 95% KI 193 weniger bis 807 mehr) und auf schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (RR 0,79, 95% KI 0,30 bis 2,05).

5. Präoperative MMC-EMDA als einmalige Gabe versus TURBT allein: Basierend auf einer Studie mit 233 Teilnehmern mit primärem pTa- und pT1-Urothelkarzinom führt präoperative MMC-EMDA als einmalige Gabe wahrscheinlich (moderate QoE) zu einer längeren Zeit bis zum Rezidiv (HR 0,40, 95% KI 0,28 bis 0,57; entspricht 304 weniger pro 1000 Teilnehmer, 95% KI 390 weniger bis 198 weniger) bei einer medianen Nachbeobachtung von 86 Monaten. Wir sind unsicher (sehr niedrige QoE) über die Wirkung von präoperativer MMC-EMDA als Einmalbehandlung auf die Zeit bis zur Progression (HR 0,74, 95% KI 0,00 bis 247,93; entspricht 49 weniger pro 1000 Teilnehmer, 95% KI 207 weniger bis 793 mehr) oder auf schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (HR 1,74, 95% KI 0,52 bis 5,77).

Übersetzung: 

PLS: A. Wenzel, Abstract: S. Schmidt, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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