Welches Medikament hilft am besten, um einem zu hohen Blutverlust nach der Geburt entgegenzuwirken?

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Worum geht es?

Das Ziel dieses Cochrane-Reviews war es herauszufinden, welches Medikament am wirksamsten bei der Vorbeugung von übermäßigem Blutverlust bei der Geburt ist und gleichzeitig die wenigsten Nebenwirkungen hat. Wir suchten und analysierten alle relevanten Studien, um diese Frage zu beantworten.

Warum ist das wichtig?

Blutungen nach der Geburt sind der häufigste Grund weltweit, warum Mütter bei der Geburt sterben. Obwohl die meisten gesunden Frauen die Blutungen bei der Geburt gut bewältigen können, trifft dies nicht auf alle zu. Sie können eine ernste Gefahr für Gesundheit und sogar das Leben der Frauen darstellen. Um übermäßigen Blutungen bei der Geburt entgegenzuwirken, ist die routinemäßige Verabreichung eines Medikaments zum Zusammenziehen der Gebärmutter (uterotonische Wirkung) weltweit gängige Praxis geworden. Das Ziel dieses Cochrane-Reviews war, das Medikament zu identifizieren, das am wirksamsten bei der Vorbeugung von übermäßigem Blutverlust nach der Geburt ist und gleichzeitig die wenigsten Nebenwirkungen hat.

Es gibt verschiedene Medikamente, die routinemäßig bei der Geburt zur Vorbeugung von übermäßigen Blutungen verwendet werden. Dazu gehören Oxytocin, Misoprostol, Ergometrin, Carbetocin und Kombinationen dieser Medikamente, jeweils mit unterschiedlicher Wirksamkeit und Nebenwirkungen. Einige der bekannten Nebenwirkungen sind: Erbrechen, hoher Blutdruck und Fieber. Wir analysierten die verfügbare Evidenz, um all diese Medikamente vergleichen zu können und berechneten eine Hierarchie, die robuste Wirksamkeit und Nebenwirkungsprofile für jedes Medikament angibt.

Welche Evidenz haben wir gefunden?

Wir suchten im Juni 2015 nach Evidenz und fanden 140 Studien mit insgesamt 88.947 Frauen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Kombination von Ergometrin plus Oxytocin, Carbetocin und eine Kombination von Misoprostol plus Oxytocin am wirksamsten bei der Vorbeugung von übermäßigen Blutungen nach der Geburt sind. Außerdem sind sie wirksamer als Oxytocin, das aktuell von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen wird. Ergometrin plus Oxytocin und Misoprostol plus Oxytocin waren jedoch die schlechtesten Medikamente im Hinblick auf Nebenwirkungen, während Carbetocin das günstigste Nebenwirkungsprofil hatte (weniger Erbrechen, hoher Blutdruck und Fieber). Wirksamere Medikamente könnten im Vergleich mit Oxytocin wohl verhindern, dass eine von drei Frauen nach der Geburt übermäßige Blutungen erleidet. Vorhandene Carbetocin-Studien waren jedoch klein und von niedriger Qualität.

Was bedeutet das?

Wir fanden, dass Ergometrin plus Oxytocin, Misoprostol plus Oxytocin und Carbetocin wirksamer zur Vorbeugung von übermäßigen Blutungen bei der Geburt als Oxytocin waren, was das aktuelle Standardmedikament ist, um diesem Leiden vorzubeugen. Carbetocin hat die wenigsten Nebenwirkungen von diesen Top-3-Arzneimittel-Optionen, aber bis jetzt waren die Studien mit Carbetocin klein und von niedriger Qualität.

Es gibt einige laufende Studien, die noch nicht abgeschlossen sind, darunter zwei wichtige Studien. Eine ist eine große Studie (mit rund 30.000 Frauen in 10 verschiedenen Ländern), die die Wirksamkeit von Carbetocin mit Oxytocin zur Vorbeugung von postpartalen Blutungen bei Frauen mit vaginaler Entbindung vergleicht. Die andere ist eine britische Studie (mit mehr als 6000 Frauen), die Carbetocin, Oxytocin und Ergometrin plus Oxytocin vergleicht. Beide Studien dürften im Jahr 2018 ihre Ergebnisse publizieren und diese Ergebnisse werden einfließen, wenn dieser Review aktualisiert wird.

Die Rücksprache mit unserer Consumer Group hat gezeigt, dass weiterer Forschungsbedarf bezüglich Endpunkten zu postpartaler Blutung, die für Frauen und ihre Familien als wichtig angesehen werden, besteht. Dazu gehören die Ansichten der Frauen in Bezug auf die verwendeten Medikamente, klinische Anzeichen eines übermäßigen Blutverlusts, Aufnahme auf die Neugeborenenstation und Stillen bei der Entlassung. Studien haben diese Endpunkte bis jetzt nur selten untersucht. Consumer sahen auch die Nebenwirkungen von uterotonisch wirkenden Medikamenten als wichtig an und diese wurde oft nicht berichtet. Ein Satz an standardisierten Endpunkte zu postpartalen Blutungen wird derzeit entwickelt und wird in zukünftige Aktualisierungen dieses Reviews aufgenommen. Wir hoffen, dass zukünftige Studien auch in Erwägung ziehen, diese Endpunkte zu verwenden. Zukünftige, systematische Reviews könnten schließlich die Auswirkungen der verschiedenen Dosierungen und Administrationswege der wirksamsten Medikamente vergleichen.

Übersetzung: 

N. Tittlbach, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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