Eisenbehandlung bei niedriger Zahl an roten Blutkörperchen vor einer Operation

Reviewfrage: Wir untersuchten die Evidenz zu Eisenbehandlungen vor einem großen operativen Eingriff, um den Bedarf an Bluttransfusionen bei den Patienten im Operationszeitraum zu senken. Wir haben drei Studien gefunden, die diese Frage untersuchten.

Hintergrund: Eine niedrige Zahl an roten Blutkörperchen (Anämie) vor Operationen tritt häufig auf. Es kann zu Schwindelgefühl, Kurzatmigkeit und Energielosigkeit, sowie zu einem erhöhten Risiko für einen operativen Eingriff und zu der Notwendigkeit von Bluttransfusionen führen. Eine Anämie ist häufig durch Eisenmangel bedingt und eine Eisenbehandlung (mit Tabletten oder Injektionen) hat sich bereits unter anderen Bedingungen als wirksam erwiesen, um Anämie zu behandeln. Nur wenige Forschungsarbeiten haben untersucht, ob Eisenbehandlungen vor Operationen wirksam sind.

Datum der Suche: 25. März 2015

Studiencharakteristika: Wir betrachteten alle erwachsenen Patienten mit einer Anämie, die sich einer Operation unterzogen und die vor der Operation eine Eisenbehandlung erhielten. Wir konnten drei Studien mit insgesamt 114 Teilnehmern in den Review einschließen.

Hauptergebnisse: Eisenbehandlungen haben, verglichen zu keiner Behandlung, weder die Anzahl an Bluttransfusionen reduziert, noch die Zahl der roten Blutkörperchen verbessert. Gegenwärtig gibt es nicht genug Evidenz dafür, dass Eisenbehandlungen vor Operationen wirksam sind. Bis heute wurden zu wenige Studien mit zu wenigen Teilnehmern durchgeführt, wodurch es nicht möglich ist, ein verlässliches Ergebnis über die Wirkung dieser Behandlung zu erhalten.

Qualität der Evidenz Die größte Limitation der Studiendesigns waren die zu geringen Teilnehmerzahlen in allen Studien. Weitere Forschung im Rahmen größerer und besser geplanter Studien ist nötig, bevor eine definitive Aussage zur Alltagswirksamkeit von Eisenbehandlungen vor Operationen gemacht werden kann. Zwei der drei ins Review eingeschlossenen Studien wurden mit einem geringen Risiko für Bias eingestuft. Diese Bewertung bleibt bestehen, obwohl in beiden Studien in denen das Eisen oral verabreicht wurde keine Teilnehmerverblindung vorgenommen wurde, da es unwahrscheinlich ist, dass sich durch die objektive Messung des Hämoglobins das Ergebnis durch die Teilnehmenden oder Untersuchenden beeinflussen lässt. Die Ergebnisse von einer der Studien wurden mit einem hohen Risiko für Bias bewertet, weil Patienten, die nicht alle verschriebenen Medikamente genommen haben, nicht in die Analyse eingeschlossen wurden. Nach dem GRADE-Ansatz ist die Qualität der Evidenz insgesamt niedrig. Wird in Zukunft neue Forschung mit einbezogen, werden sich die Ergebnisse verändern.

Übersetzung: 

I. Nolle, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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