Einsatz von Point-of-Care-Schnelltests auf Infektionen als Entscheidungshilfe für Ärzte, die in der Grundversorgung Antibiotika für akute Atemwegsinfektionen verschreiben

Fragestellung Wir sichteten die Evidenz zur Wirkung und Sicherheit von Schnelltests auf Infektionen, die in der Grundversorgung bei Personen mit Atemwegsinfektionen wie z.B. Erkältungen, direkt in der Praxis (Point-of-Care) eingesetzt werden.

Hintergrund Atemwegsinfektionen (AWI) werden häufig mit Antibiotika behandelt, obwohl die meisten von Viren verursacht werden, bei denen Antibiotika unwirksam und unnötig sind. Bedenklich ist dabei, dass Antibiotika Nebenwirkungen haben können und bei häufigen Bakterien mit Antibiotikaresistenzen in Verbindung gebracht werden, die zu Therapieversagen und Komplikationen bis hin zum Tod führen können. Antibiotika haben, wenn überhaupt, bei den meisten AWI nur eine geringe Wirkung. Ihr Einsatz muss abgewogen werden gegen das Risiko von mehr Antibiotikaresistenzen, Nebenwirkungen und Kosten. Biomarker für Infektionen sind Eiweisse oder Bestandteile des Immunsystems, die an der akuten Antwort des Körpers auf eine Infektion beteiligt sind. Derzeit kann kein Test Infektionen perfekt diagnostizieren. Dies kann dazu führen, dass Fälle nicht erkannt oder fälschlich diagnostiziert werden. Einige der entwickelten Tests weisen das Vorliegen einer Infektion durch bestimmte Biomarker nach. Solche Schnelltests können von Ärzten/innen in der Grundversorgung während der Sprechstunde verwendet werden, wenn Patienten sie mit Beschwerden einer AWI aufsuchen. Richtig eingesetzt, können solche Point-of-Care-Tests Grundversorgern helfen, diejenigen Personen ausfindig zu machen, die am wahrscheinlichsten auf Antibiotika ansprechen. Wir untersuchten die Evidenz für solche Tests, um den möglichen Schaden und Nutzen einer solchen Herangehensweise in der Grundversorgung zu bewerten.

Studienmerkmale Wir schlossen sechs Studien ein, an denen insgesamt 3284 Patienten in der Grundversorgung mit AWI teilnahmen (Point-of-Care-Test: C-reaktives Protein). Zwei der Studien wurden von den Herstellern direkt finanziell unterstützt. Die Evidenz ist auf dem Stand von Januar 2014.

Wesentliche Ergebnisse C-reaktives Protein war der einzige Point-of-Care Biomarker für Infektion, der derzeit in der Grundversorgung verfügbar ist. Durch einen Point-of-Care-Test auf C-reaktives Protein kann der Einsatz von Antibiotika wahrscheinlich vermindert werden. Jedoch war es aufgrund der Unterschiede im Aufbau der eingeschlossenen Studien nicht möglich, die Verminderung genau zu schätzen. In den Studien traten keine Todesfälle auf. Wir fanden weder Evidenz dafür, dass die Zeit bis zum Ausheilen der AWI oder ihre Dauer länger gewesen wäre, noch dass die Zufriedenheit der Patienten oder Zahl von erneuten Arztbesuchen in der Gruppe mit Test auf C-reaktives Protein unterschiedlich gewesen wäre. Eine mögliche Zunahme an Krankenhausaufnahmen kann jedoch nicht ausgeschlossen werden

Qualität der Evidenz Bedingt durch die ungenaue Schätzung der Wirkung, stuften wir die Evidenz als von mittlerer Qualität (gemäss GRADE-Einteilung) ein.

Schlussfolgerung Point-of-Care-Tests (z.B. auf C-reaktives Protein) können, wenn zusätzlich zur Untersuchung durch den Arzt eingesetzt, den Einsatz von Antibiotika bei AWI in der Grundversorgung vermindern. Die Möglichkeit vermehrter Krankenhausaufnahmen legt nahe, dass beim Einsatz der Tests vorsichtig vorgegangen werden muss. Es ist notwendig, die Wirkung noch genauer zu schätzen, um die Kosten dieser Massnahme bewerten und den Einsatz von Point-of-Care-Biomarkern mit anderen Strategien zur Verminderung des Antibiotika-Einsatzes vergleichen zu können.

Übersetzung: 

Cochrane Schweiz

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