Verschiedene Hilfsmittel für das Atemwegsmanagement bei adipösen Patienten unter Vollnarkose

Da Patienten unter Vollnarkose ihre normalen Reflexe verlieren, muss ihr Atemweg gesichert werden. In der Regel wird hierfür ein Trachealtubus (TT) durch den Mund und Kehlkopf in der Luftröhre platziert, um so die Lunge zu beatmen. Supraglottische Atemwegshilfen sind dazu eine Alternative. Sie erstrecken sich zwar vom Mund bis in die Kehle, kommen dabei aber oberhalb des Kehlkopfes zum Liegen. Die Zahl der adipösen Patienten, die eine Vollnarkose benötigen, wird wahrscheinlich zunehmen, da Adipositas immer häufiger wird und zudem einen Risikofaktor für viele chronische Erkrankungen, wie Diabetes, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellt. Da adipöse Patienten ein erhöhtes Risiko für Komplikationen während der Anästhesie, wie Schwierigkeiten eine Atemwegshilfe zu platzieren oder Aspiration von Mageninhalt in die Lunge aufweisen, ist es unter Umständen schwierig, ihren Atemweg zu sichern. Obwohl supraglottische Atemwegshilfen potentielle Vorteile bieten, bestehen weiterhin Bedenken, dass sie das Risiko für die genannten schwerwiegenden Komplikationen erhöhen könnten.

Wir haben die Datenbanken bis zum September 2012 durchsucht, um kontrollierte Studien zu finden, in denen adipöse Teilnehmer (mit Body-Mass-Index (BMI) über 30 kg/m2) randomisiert der Vollnarkose mit TT oder supraglottischen Atemwegshilfen für das Atemwegsmanagement zugeordnet wurden. Wir wollten so untersuchen, welchen Einfluss die Wahl der Atemwegshilfe auf gescheiterte Platzierung; schwere Komplikationen und Tod; die Sauerstoffsättigung im Blut während und nach dem Eingriff; Husten, Halsschmerzen und Heiserkeit während und nach der Platzierung; und die Zeit und die Anzahl an benötigten Platzierungsversuchen hat.

Wir haben zwei randomisierte Studien mit insgesamt 232 adipösen Teilnehmern gefunden, die beide dasselbe Model einer supraglottischen Atemwegshilfe – die ProSeal Larynxmaske – untersucht haben. In keiner der Studien wurden relevante Endpunkte für Tod oder andere schwerwiegende Komplikationen beobachtet. Es hat sich gezeigt, dass es bei 3-5 % der adipösen Teilnehmer nicht möglich war, die Larynxmaske zu platzieren und stattdessen ein TT verwendet wurde. Hinsichtlich Platzierungserfolg beim ersten Versuch unterschieden sich die Larynxmaske und der TT nicht, wobei es im Vergleich etwa sechs Sekunden länger dauerte, eine supraglottische Atemwegshilfe zu platzieren. Wir haben eine signifikante Abnahme von fast 75% hinsichtlich postoperativer Phasen mit niedriger Sauerstoffsättigung und eine Verbesserung der Sauerstoffsättigung um durchschnittlich 2,5 % während der Regeneration bei Verwendung der Larynxmaske feststellen können. Zudem war postoperativer Husten in der Gruppe mit Larynxmaske seltener. Unsere Ergebnisse zeigen zugleich ein erhöhtes und niedrigeres Risiko für Halsschmerzen und Heiserkeit in der Gruppe mit Larynxmaske.

Eine optimale Narkosetechnik für adipöse Patienten zu finden hat in der Forschung eine hohe Priorität. Wir konnten die Sicherheit der Anwendung von supraglottischen Atemwegshilfen nicht nachweisen. Um die Frage abschließend zu klären, könnten große Datenbanken, bestehend aus medizinischen Berichten, von Nutzen sein.

Übersetzung: 

K. Eisenhardt, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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