Der allgemein als „Liberation Treatment“ bekannte Eingriff zur Behandlung venöser Stenosen (CCSVI) im Gehirn von MS-Patienten

Multiple Sklerose (MS) ist eine Entzündungskrankheit des Nervensystems und die häufigste Ursache einer neurologisch bedingten Behinderung bei jungen Erwachsenen. Myelin, das Material, das die Nerven umhüllt und schützt, wird beschädigt. Dies führt zu Vernarbungen und zur Bildung narbenähnlicher Plaques.
MS gilt als immunvermittelte Krankheit, bei der das eigene Immunsystem der Patienten das Nervensystem angreift. Die meisten aktuell auf dem Markt befindlichen Arzneimitteltherapien basieren auf dieser Hypothese.

Dennoch wurde vor Kurzem eine neue Theorie vorgeschlagen, die davon ausgeht, dass ein eingeschränkter Blutfluss in den Venen, die als Abflusssystem für das Zentralnervensystem dienen, die so genannte chronische cerebrospinale venöse Insuffizienz (CCSVI), eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von MS spielt. CCSVI wird als angeboren betrachtet und kann zu Eisenablagerungen führen, die wiederum das Immunsystem dazu bringen, das Zentralnervensystem anzugreifen, und so das Myelin zu schädigen. Die zur Behandlung von CCSVI empfohlene Behandlung ist eine Ballon-Angioplastie, bei der die verengten (stenösen) Venen geweitet werden - ein Eingriff, der allgemein als „Liberation Treatment“ bezeichnet wird. Diese Theorie hat im Internet eine Menge Aufmerksamkeit erfahren, vor allem bei Patienten, und das zunehmende Interesse der Medien hat die Erwartungen von Personen, die an MS leiden, noch weiter gesteigert. Wir durchsuchten die einschlägige Fachliteratur, fanden jedoch keine Studien, die die Kriterien für die methodische Qualität erfüllten, die für einen Einschluss in diesen Review erforderlich ist.

Es liegt derzeit keine Evidenz dafür vor, um die Wirksamkeit und Sicherheit einer Angioplastie bei CCSVI bei Personen mit MS zu be- oder zu widerlegen. Sorgfältig konzipierte, solide Studien hierzu sind ein Desiderat.

Übersetzung: 

B. Fiess, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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