Interventionen zur Vorbeugung von Delir bei schwerkranken Erwachsenen auf der Intensivstation

Hintergrund

Delir ist ein akuter Verwirrtheitszustand, der bei schwerkranken Erwachsenen auf der Intensivstation auftreten kann. Es steht mit längerer maschineller Beatmung, einem längeren Aufenthalt auf der Intensivstation und im Krankenhaus und einem höheren Sterberisiko in Verbindung. Delir auf der Intensivstation ist auch mit kognitiven Problemen wie Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsverlust, Konzentrationsschwierigkeiten und Bewusstseinseinschränkungen verbunden. Die Risikofaktoren für Delir sind unter anderem ein hohes Alter, Alkoholabhängigkeit, Einschränkungen beim Sehen/Hören und, bei schwerkranken Patienten, Fixierung, anhaltende Schmerzen sowie einige Medikamente.

Fragestellung

Unser Ziel war es, die verfügbare Evidenz zur Auswirkung von Interventionen zu untersuchen, die darauf abzielen, Delir auf der Intensivstation vorzubeugen, Todesfälle im Krankenhaus zu verringern, die Dauer von Koma/Delir und des Aufenthalts auf der Intensivstation zu verkürzen, den Bedarf an maschineller Beatmung zu vermindern und psychische Probleme zu lindern

Studienmerkmale

Wir schlossen 12 randomisierte kontrollierte Studien (3885 Teilnehmer) in unseren Review ein. Die Studien schlossen Erwachsene im Alter von 48 bis 70 Jahren auf operativen und nicht-operativen Intensivstationen ein. Die Studien verglichen verschiedene Medikamente (drei Studien), verschiedene Sedierungsansätze (fünf Studien), Physio- oder kognitive Therapie oder beides (eine Studie), Lärm- und Lichtminderung auf der Intensivstation (zwei Studien) und vorbeugende Pflege (eine Studie). Die meisten Studien hatten wenige Teilnehmer und führten keine Verblindung der Forscher, welche die Auswirkungen auf Endpunkte beurteilten, durch. Wir berichten die Ergebnisse zur Wirkung der zwei häufigsten Ansätze, medikamentöse und nicht-medikamentöse Interventionen, um Delir vorzubeugen: Haloperidol verglichen mit einem Scheinmedikament und frühe Physio- und kognitive Therapie verglichen mit der Regelversorgung.

Hauptergebnisse

Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass ein kleiner oder kein Unterschied zwischen Haloperidol und einem Placebo zur Vorbeugung von Delir auf der Intensivstation bestehen könnte. Allerdings werden weitere Studien benötigt, um die unzureichende Präzision zu vermindern und um unser Vertrauen in die Ergebnisse zu stärken. Ebenso werden mehr Studien zu Physio- und kognitiver Therapie benötigt, da momentan keine ausreichende Evidenz vorliegt, um feststellen zu können, ob diese nicht-medikamentösen Ansätze Delir auf der Intensivstation vorbeugen können. Zusätzliche Forschung ist notwendig, um den Nutzen und Schäden anderer Ansätze zur Vorbeugung von Delir auf der Intensivstation zu untersuchen, wie beispielsweise Sedierung und Veränderungen der Intensivstationsumgebung und Pflege, die darauf ausgerichtet ist, Delir vorzubeugen.

Qualität der Evidenz

Wir bewerteten die Qualität der Evidenz als moderat bis sehr niedrig. Mehrere Studien wiesen Qualitätsmängel auf, unter anderem eine kleine Anzahl an Teilnehmern und die fehlende Verblindung von jenen, die die Wirkungen der Interventionen zur Vorbeugung von Delir und anderen Endpunkten beurteilten. Für die Interventionen, die Sedierungsansätze, Physio- und kognitive Therapie und Änderungen der Umgebung untersuchen, wird zusätzliche Forschung benötigt, um ihre Wirksamkeit zu klären. Die fünf Studien, deren Einschlussfähigkeit für den Review im Moment noch unklar ist, und die 15 noch nicht abgeschlossenen Studien, könnten die Schlussfolgerungen des Reviews verändern, sobald sie abgeschlossen und bewertet sind.

Übersetzung: 

A. Wenzel, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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