Vermindert eine tägliche Unterbrechung der Sedierung im Vergleich zu anderen Sedierungsstrategien die Dauer, die kritisch Kranke unter künstlicher Beatmung verbringen müssen?

Hintergrund: kritisch kranke Patienten benötigen lebenserhaltende Technologien, wie zum Beispiel künstliche Beatmung (Atemgeräte) und sie können Schmerzen, Angstgefühle und Schlafstörungen haben, die mit ihrer Krankheit zusammenhängen. Gute Schmerztherapie und ausreichende Sedierung sind wichtig, aber zu starke Medikamente können die Dauer der künstlichen Beatmung verlängern und die Wahrscheinlichkeit für gesundheitsschädliche Wirkungen, wie eine Pneumonie, erhöhen.

Verfügbare Medikamente haben viele Eigenschaften, die ihre Anwendung bei kritisch kranken Patienten erschweren. Ohne vorsichtige Anpassungen können diese Eigenschaften dazu führen, dass sich das Medikament im Körper ansammelt. Diese Medikamente werden als Dauerinfusion verabreicht, sodass ihre Konzentration im Blut stabil bleibt. Änderungen in der Dosierung unterliegen dem Ermessen des Klinikers. Um das Ansammeln des Medikamentes zu vermeiden, können verschiedene Methoden angewandt werden, um die Dosis anzupassen. Einige Studien behaupten, dass ein tägliches Unterbrechen oder Absetzen des Medikamentes über einen Zeitraum, es dem Körper erleichtert, das Medikament abzubauen und dazu führt, dass Patienten wacher und bereit für eine frühere Entwöhnung der künstlichen Beatmung sind.

Datum der letzten Suche: auf dem Stand von Februar 2014.

Studienmerkmale: wir schlossen neun Studien mit 1282 kritisch kranken Patienten ein, die künstliche Beatmung erhielten. Die Studien verglichen eine tägliche Unterbrechung der Sedierung mit Strategien, die keine Unterbrechung umfassten. Die Studien wurden weltweit durchgeführt und schlossen sowohl medizinisch als auch chirurgisch kritisch kranke Patienten ein.

Hauptergebnisse: Wir fanden keine starke Evidenz dafür, dass eine tägliche Unterbrechung der Sedierung die Dauer der künstlichen Beatmung, des Aufenthaltes auf der Intensivstation oder im Krankenhaus verkürzt und Todesfälle oder die Menge der gebrauchten Medikamente vermindert. Die Wirkung auf unerwünschte Ereignisse, wie beispielsweise die unbeabsichtigte Entfernung des Trachealtubus oder Katheters, oder die Rate der Delirien war unklar. Jedoch wurde eine Tracheotomie seltener bei Patienten durchgeführt, die mit täglichen Unterbrechungen sediert wurden. Es ist bekannt, dass Sedierungspraktiken weltweit variieren, und als solche zeigte eine Analyse der Studien, die in Nordamerika durchgeführt wurden, eine Verminderung der Dauer der künstlichen Beatmung bei allen, die mit täglichen Unterbrechungen sediert wurden, im Vergleich zu denen, deren Sedierung nicht täglich unterbrochen wurde.

Qualität der Evidenz: Wir raten zur Vorsicht in der Interpretation und Anwendung unserer Studienergebnisse. Die Ergebnisse basieren auf einer geringen Anzahl von Studien, die heterogen oder nicht einheitlich in Bezug auf ihre Methoden, Patienten, und die klinische Behandlung waren und unser Gesamtergebnis schnitt nur geringfügig die Keinen-Effekt-Linie.

Übersetzung: 

K. Kunzweiler und I.Töws, Koordination durch Cochrane Schweiz.

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