Nicht-operative Maßnahmen zur Behandlung von Schlüsselbeinbrüchen bei Jugendlichen und Erwachsenen

Hintergrund und Ziele

Ein gebrochenes Schlüsselbein (eine Klavikulafraktur) ist eine häufige Verletzung, insbesondere bei Jugendlichen, und macht bis zu 4% aller Knochenbrüche aus. Die meisten Schlüsselbeinbrüche treten im mittleren Drittel auf. Diese Brüche werden oftmals mit konservativen Maßnahmen (ohne Operation) behandelt. Häufig angewandte konservative Behandlungsformen sind Armschlingen, Pflasterverbände und Rucksackverbände.

Ziel dieses Reviews war es, die Wirkungen verschiedener nicht-operativer Maßnahmen zur Behandlung von Schlüsselbeinbrüchen bei Jugendlichen und Erwachsenen zu ermitteln. Die wichtigsten uns interessierenden Zielgrößen waren die langfristige Funktion und Schmerzen.

Suchergebnisse

Wir durchsuchten die wissenschaftliche Literatur bis Januar 2016 und fanden vier auf die Fragestellung des Reviews passende Studien mit insgesamt 416 Teilnehmern. Die vier kleinen Studien hatten methodische Einschränkungen, die die Zuverlässigkeit ihrer Ergebnisse möglicherweise beeinflussen. Die untersuchten konservativen Behandlungsformen waren in drei Studien ein Rucksackverband verglichen mit einer Armschlinge und in einer Studie therapeutischer Ultraschall verglichen mit einer Scheinbehandlung (Plazebobehandlung).

Hauptergebnisse

Die drei Studien (296 Teilnehmer), die den Rucksackverband mit einer Armschlinge verglichen, ergaben eine ähnliche Schulterfunktion in den beiden Gruppen am Ende der Nachbeobachtungsphase. Während die Daten zweier Studien keinen Unterschied in den Schmerzen zwei Wochen nach der Verletzung zeigten, wurde in der dritten Studie von stärkeren Schmerzen und Beschwerden bei den Teilnehmern in der Rucksackverband-Gruppe berichtet. Ein Teilnehmer wurde aufgrund einer Komplikation operiert. In keiner der drei Studien wurde ein Unterschied in der Heilungsdauer des Bruchs, unerwünschter Wirkungen oder der Dauer bis zur Rückkehr in die Schule oder berufliche Tätigkeit gefunden.

Die vierte Studie verglich therapeutischen Ultraschall mit einer Scheinbehandlung bei 120 Patienten mit Schlüsselbeinbrüchen. Es wurde kein Unterschied im Ergebnis, einschließlich der Heilungsdauer des Bruchs, zwischen den beiden Gruppen gefunden.

Schlussfolgerungen und Qualität der Evidenz (des wissenschaftlichen Belegs)

Die Evidenz der drei Studien, die einen Rucksackverband mit einer Armschlinge verglichen, war von sehr niedriger Qualität, sodass wir uns für die Formulierung von Schlussfolgerungen bezüglich der Behandlung von Schlüsselbeinbrüchen nicht auf sie verlassen können. Wir erachteten die Evidenz der einen Studie, die therapeutischen Ultraschall mit einer Scheinbehandlung verglich, als von moderater Qualität, weil die Studie gut durchgeführt wurde, für das Ableiten von Schlussfolgerungen jedoch nicht groß genug war.

Insgesamt gab es nicht genügend Evidenz, um klare Schlussfolgerungen bezüglich der besten Methode der konservativen Behandlung für diese Brüche formulieren zu können.

Übersetzung: 

C. Braun, M. Lohkamp, Koordination durch Cochrane Schweiz

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