Antimykotika zur Verhinderung von Pilzinfektionen bei kritisch kranken Erwachsenen und Kindern mit einer normalen Anzahl von Neutrophilen im Blut

Fragestellung des Reviews

Wir untersuchten Evidenz zur Wirkung antimykotischer Medikamente vor der eindeutigen Diagnose einer Pilzinfektion auf die Gesamtmortalität und die Entwicklung schwerer Infektionen durch Pilzbesiedlung (invasive Pilzinfektionen). Untersucht wurden Erwachsene und Kindern, die zwar kritisch krank, aber nicht neutropenisch waren, also über eine normale Anzahl von Neutrophilen (neutrophile Granulozyten) im Blut verfügen.

Hintergrund

Kritisch kranke Erwachsene und Kinder können an invasiven Pilzinfektionen leiden, die das Blut oder andere Organe beeinträchtigen können. Wird eine solche Pilzinfektion festgestellt, so ist diese meist schwer zu behandeln und verläuft oft tödlich. Kritisch kranken Erwachsenen und Kindern, bei denen die Gefahr einer Pilzinfektion besteht oder bei Entzündungssymptome mit Verdacht auf Pilzinfekt, werden daher manchmal antimykotische Arzneimittel verabreicht.

Studienmerkmale

Wir analysierten 22 randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) (insgesamt 2761 Patienten). In elf Studien wurde die Behandlung mit Fluconazol im Vergleich zum Plazebo oder keiner antimykotischen Behandlung untersucht. Drei Studien verglichen Ketoconazol mit einem Plazebo. Eine Studie verglich Anidulafungin mit einem Plazebo. Eine Studie verglich Caspofungin mit einem Plazebo. Zwei Studien verglichen Micafungin mit einem Plazebo. Eine Studie verglich Amphotericin B mit einem Plazebo. Zwei Studien verglichen Nystatin mit einem Plazebo und eine Studie verglich die Wirkung von Clotrimazol, Ketoconazol und Nystatin gegenüber keiner Behandlung mit Antipilzmitteln. In den RCT-Studien wurden Männer und Frauen mit einer großen Altersspanne und unterschiedlichem Schweregrad einer kritischen Krankheit untersucht.

Suchdatum

Die Evidenz ist auf dem Stand von April 2015.

Quellen zur Studienfinanzierung

Bei 11 von 22 Studien stammten finanzielle Mittel von Arzneimittelherstellern. Eine weitere Studie wurde von einer Regierungsbehörde finanziert.

Hauptergebnisse

Die Ergebnisse von 19 der 22 randomisierten Studien, die sich auf 2374 Patienten bezogen, zeigten, dass vor einer endgültigen Diagnose einer Pilzinfektion verabreichte Antimykotika die Gesamtmortalität nicht senkten. Bei keinem der untersuchten Medikamente konnte eine signifikante Verminderung der Gesamtmortalität nachgewiesen werden. Jedoch ergaben 17 randomisierte Studien mit 2024 Teilnehmern, dass die Einnahme von Antimykotika das Risiko einer invasiven Pilzinfektion erheblich verringerte.

Wir analysierten auch die Evidenz aus fünf Studien (662 Teilnehmer) zur Wirksamkeit einer antimykotischen Behandlung gegen die Entwicklung oberflächlicher Pilzinfektionen, konnten hier jedoch keinen erheblichen Unterschied feststellen. Aus 12 Studien (1020 Teilnehmer) ging allerdings hervor, dass die Anzahl von Pilzen im Körper (außer im Blut), die keine Infektion verursachen, signifikant verringert wurde. Elf Studien (1691 Teilnehmer) berichteten von schweren Nebenwirkungen, die einen Abbruch der Therapie erforderlich machten. Ein Unterschied zwischen Teilnehmern, die Antimykotika erhielten bzw. nicht erhielten, konnte hinsichtlich schwerwiegender Nebenwirkungen, die einen Abbruch der Behandlung erforderlich machten, nicht festgestellt werden.

Qualität der Evidenz

Die Qualität der Evidenz für die Gesamtmortalität war aufgrund des eingeschränkten Studienaufbaus nur mäßig. Die Qualität der Evidenz bezüglich invasiver Pilzinfektionen, oberflächlicher Pilzinfektionen, Pilzbesiedlung und Nebenwirkungen, die einen Abbruch der Therapie erforderten, war aufgrund des eingeschränkten Studienaufbaus, einer nicht optimalen Gesamtzahl an untersuchten Probanden und der von Studie zu Studie variierenden Ergebnisse niedrig.

Schlussfolgerung

Es gibt mäßig zuverlässige Belege dafür, dass eine antimykotische Behandlung, die vor der definitiven Diagnose einer Pilzinfektion verabreicht wird, zu keiner signifikanten Verminderung der Gesamtmortalität bei kritisch kranken Erwachsenen und Kindern mit normaler Neutrophilenzahl im Blut führt. Eine solche Behandlung mit Antimykotika kann zu einer Verringerung invasiver Pilzinfektionen führen, aber die Qualität der Evidenz diesbezüglich ist niedrig.

Weitere Studien mit einem guten Studienaufbau sind erforderlich, um bessere wissenschaftliche Nachweise zu erbringen.

Übersetzung: 

B. Bayerlein, freigegeben durch Cochrane Schweiz.

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