Antibiotika-Prophylaxe bei Hysterektomie als Elektiveingriff (Wahleingriff)

Fragestellung

Sind Antibiotika wirksam und sicher zur Vorbeugung postoperativer Infektionen bei Frauen, bei denen eine Hysterektomie als elektiver Eingriff (Wahleingriff) durchgeführt wird?

Hintergrund

Ein chirurgischer Eingriff zur Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) ist eine häufig durchgeführte Operation. In den meisten Fällen handelt es sich um nicht akut notwendige Operationen, sondern um Wahleingriffe zur Behandlung gutartiger Erkrankungen der Gebärmutter, wie Menstruationsschmerzen oder anormale Blutungsmuster. Antibiotika werden normalerweise vor der Operation (prophylaktische Antibiotika oder Antibiotika-Prophylaxe) zur Vorbeugung oder Reduzierung des Auftretens von Infektionen nach dem Eingriff verabreicht. Autoren der Cochrane Collaboration prüften die Evidenz zur Wirksamkeit und Sicherheit von Antibiotika, die zur Prävention von Infektionen nach einem Wahleingriff zur Entfernung der Gebärmutter angewendeten werden. Die Evidenz ist auf dem Stand von November 2016.

Studienmerkmale

Wir identifizierten 37 randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit insgesamt 6.079 Frauen und verglichen 20 verschiedene Arten von Antibiotika mit Placebo (einer nicht wirksamen Pille) oder miteinander.

Hauptergebnisse

Dieser Review fand Evidenz von moderater Qualität, die zeigte, dass Antibiotika zur Vorbeugung von Infektionen bei Frauen wirksam zu sein scheinen, bei denen ein Wahleingriff zur Entfernung der Gebärmutter durch die Vagina oder den Bauch vorgenommen wird. Dies deutet darauf hin, dass eine Antibiotika-Prophylaxe das durchschnittliche Risiko für eine postoperative Infektion nach einer vaginalen Hysterektomie von 34% auf 7% bis 14% und nach einer abdominalen Hysterektomie von 16% auf 1% bis 6% senkt.

Diese Evidenz reicht jedoch nicht dafür aus, zu belegen, dass die Anwendung von prophylaktischen Antibiotika die Raten von unerwünschten Wirkungen (Nebenwirkungen) beeinflusst, oder ob ein Antibiotikum wirksamer oder sicherer als andere ist.

Beim direkten Vergleich der Antibiotika untereinander oder in Kombination im Vergleich zu einzelnen Antibiotika ist unklar, welches einzelne Antibiotikum wirksamer und sicherer war, oder ob kombinierte Antibiotika wirksamer und sicherer als einzelne Antibiotika waren. Die Qualität der Evidenz für diese Vergleiche ist sehr niedrig.

Es ist weiterhin unklar, welches Dosierungsschema oder welche Art der Verabreichung von Antibiotika bei Frauen, bei denen eine Hysterektomie als Wahleingriff vorgenommen wird, am sichersten und wirksamsten ist.

Die neuste der in diesem Review eingeschlossenen Studien war zum Zeitpunkt der Literatursuche bereits 14 Jahre veröffentlicht. Daher spiegeln die Ergebnisse der eingeschlossenen Studien eventuell nicht die aktuelle Praxis der perioperativen und postoperativen medizinischen Versorgung wider und geben eventuell auch nicht die lokoregionalen Muster einer Antibiotikaresistenz wieder.

Qualität der Evidenz

Die Qualität der Evidenz unserer Hauptvergleichsstudien reichte von sehr niedrig bis moderat. Die wesentlichen Einschränkungen dieser Evidenz liegen im Risiko für Bias aufgrund der mangelhaften Berichterstattung der Randomisierungsmethoden, der Ungenauigkeit aufgrund der kleinen Probandengruppen und der niedrigen Raten an Ereignissen sowie der unsachgemäßen Berichterstattung von unerwünschten Wirkungen.

Übersetzung: 

B. Fiess, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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