Thrombolyse zur Behandlung von akuter Thrombose der tiefen Beinvenen

Hintergrund

Eine tiefe Beinvenenthrombose (TBVT) ist eine Gefäßerkrankung, bei der sich in einer tiefen Beinvene ein Blutgerinnsel bildet. Bricht dieses Blutgerinnsel auf, kann es in die Lunge gelangen, dort Blutgefäße verstopfen und so eine Lungenembolie (LE) auslösen. Die Schädigung der Beinvene bleibt auf Jahre hinaus mit der Gefahr eines postthrombotischen Syndroms (PTS) verbunden. Die Symptome reichen von Beinschmerzen über Schwellungen und Veränderungen der Hautpigmentierung bis zu Beingeschwüren mit entsprechenden Einschränkungen der Bewegungsfähigkeit. Zur Behandlung von TBVT oder Blutgerinnseln in Wadenvenen kommen für gewöhnlich Gerinnungshemmer zum Einsatz. Diese verdünnen das Blut, verringern die Bildung von Blutgerinnseln und beugen einer LE vor; dennoch kann sich noch ein PTS entwickeln. Bei einer Thrombolyse hingegen wird das Blutgerinnsel aufgelöst. Dazu werden im Fall einer TBVT Wirkstoffe wie Streptokinase, Urokinase oder ein Gewebe-Plasminogenaktivator in eine Arm- oder Fußvene oder bisweilen unter Einsatz eines Katheters und Röntgenüberwachung direkt an der Stelle des Blutgerinnsels infundiert. Bei beiden Therapieformen können Nebenwirkungen wie etwa Schlaganfälle, Hirn- oder sonstige Blutungen auftreten.

Studienmerkmale und Hauptergebnisse

Die Ergebnisse des Reviews stützen sich auf 17 randomisierte kontrollierte Studien, in deren Rahmen insgesamt 1103 Personen mit akuter TBVT (innerhalb von 21 Tagen nach Auftreten der Symptome) zufällig einer Thrombolyse oder Behandlung mit Gerinnungshemmern zugeteilt wurden. Die Studien wurden hauptsächlich in den USA, Skandinavien, Deutschland und Großbritannien durchgeführt. Der Teilnehmerkreis umfasste in allen Fällen Männer und Frauen. Die Alterspanne reichte von 18 bis 75 Jahren, wobei die älteren Jahrgänge in der Mehrheit waren.

Der aktuelle Review (auf dem Stand von Februar 2016) hat gezeigt, dass die Thrombolyse der Standardbehandlung mit Gerinnungshemmern überlegen sein könnte. Die Thrombolyse bewirkte effektiv die Auflösung des Blutgerinnsels; ein vollständiger Abbau war bei der Thrombolyse häufiger zu beobachten als bei der Behandlung mit Gerinnungshemmern. Zudem wurde der Blutfluss in der betroffenen Vene (die venöse Durchgängigkeit) besser aufrechterhalten. In drei Studien mit 306 Teilnehmenden wurde über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten nachbeobachtet; ein PTS trat bei den mittels Thrombolyse behandelten Personen weniger häufig auf als in der mit Gerinnungshemmern behandelten Gruppe (45% gegenüber 66%). Zwei Studien (211 Teilnehmer), die über fünf Jahre dauerten zeigten auch, dass weniger Personen PTS entwickelten, wenn sie mit einer Thrombolyse behandelt wurden.

Die Gruppe der mittels Thrombolyse Behandelten wies signifikant häufiger Komplikationen in Form von Blutungen auf als die Gruppe mit Gerinnungshemmern (10% gegenüber 8%). Die größte Anzahl an Blutungen und Todesfällen war bei den älteren Studien zu verzeichnen. Strengen Einschlusskriterien scheinen die Sicherheit dieser Behandlung verbessert zu haben, die durch den Blutkreislauf direkt von einer anderen Vene aus oder durch einen Katheter zu dem Gerinnsel geführt wird.

Qualität der Evidenz

Mithilfe von GRADE bewerteten wir die Qualität der Evidenz als moderat, da viele Studien nur wenige Teilnehmer eingeschlossen hatten. Allerdings stimmten die Ergebnisse in den einzelnen Studien überein und wir haben ein gewisses Vertrauen in diese Ergebnisse.

Übersetzung: 

Freigegeben durch Cochrane Deutschland und Cochrane Schweiz.

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