Was sind Nutzen und Risiken von Phosphodiesterase-4-Hemmern für Menschen mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD)?

Hintergrund des Reviews

Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist eine fortschreitende Lungenerkrankung, die durch eingeatmete schädliche Chemikalien verursacht wird und vor allem bei tabakrauchenden Menschen auftritt. Diese Chemikalien bewirken eine Kaskade an entzündlichen Reaktionen, die Lungenstrukturen beschädigen und die Schleimproduktion in den Atemwegen erhöhen. Diese Prozesse führen zu intermittierenden Symptomen von Atemnot und abnehmender Leistungsfähigkeit alltägliche Aufgaben auszuführen. Zusätzlich haben Menschen mit COPD ein erhöhtes Risiko, Verschlimmerungen der Symptome (Exazerbationen) zu entwickeln, die im Laufe der Zeit immer häufiger und schwerer werden. Menschen unterscheiden sich darin inwiefern sie von COPD betroffen sind. Dies liegt teilweise an der Schwere der Erkrankung aber auch an unterschiedlichem Ansprechen auf Medikamente, der Fitness des Einzelnen und zusätzlich bestehenden Erkrankungen. Die einzige Möglichkeit für die meisten Menschen, weiteren Schäden der Lunge vorzubeugen, ist der Rauchstopp.

Medikamente, die bei COPD verschrieben werden, zielen in der Regel auf eine Verbesserung der Symptome, Reduzierung von Exazerbationen oder beides ab. In den frühen Stadien sind bronchienerweiternde Medikamente (Bronchodilatatoren) hilfreich, da sie die kleinen Muskeln in den Atemwegen entspannen, so dass mehr Luft in die Lunge hinein und aus der Lunge hinaus strömen kann. Einige langwirksame Wirkstoffe könnten Exazerbationen reduzieren. Steroidhaltige Inhalatoren könnten zusätzlich verwendet werden, um speziell auf die Entzündung in der Lunge zu wirken und so die Anzahl an Exazerbationen etwas zu reduzieren.

Phosphodiesterase-4-Hemmer (PDE-4-Hemmer) sind eine relativ neue Klasse von Medikamenten, die zur Verbesserung von COPD zugelassen wurden. Sie haben sowohl bronchienerweiternde, wie auch entzündungshemmende Wirkungen. Außerdem werden die beiden momentan verfügbaren Medikamente, Roflumilast und Cilomilast, als Tabletten eingenommen. Unser Review sammelte und analysierte bestehende Studien, um Nutzen und Risiken von PDE-4-Hemmern bei COPD zu bestimmen.

Was haben wir uns angesehen?

Wir fanden 34 abgeschlossene Studien mit 24.084 Erwachsenen, deren Ergebnisse bis Oktober 2016 berichtet wurden. Sie bestanden größtenteils aus Studien an Menschen mit moderater bis schwerer Erkrankung, die die Behandlung mit anderen regulären COPD Medikamenten einstellten. Es gab jedoch sieben Studien die erlaubten, die üblichen COPD Medikamente weiterhin anzuwenden. Die Dauer der Studien lag zwischen 6 bis 52 Wochen und die Teilnehmer waren durchschnittlich 64 Jahre alt. Alle Studien wurden von den Herstellern von PDE-4-Hemmern finanziell unterstützt.

Was haben wir herausgefunden?

Verglichen mit Placebo bewirkten diese Medikamente eine geringe Verbesserung bei Lungenfunktionsmessungen und reduzierten die Wahrscheinlichkeit für eine Exazerbation der COPD. Aufgrund dieser Ergebnisse würden wir erwarten, dass von 100 Menschen, die PDE-4-Hemmer jeden Tag für ein Jahr einnahmen, 28 mindestens eine Exazerbation erfahren - fünf weniger als bei jenen, die diese Medikamente nicht einnahmen.

Teilnehmer berichteten jedoch, dass diese Medikamente nur eine kleine Wirkung auf das Ausmaß der Atemnot und die Lebensqualität hatten. Außerdem berichteten 5 % bis 10 % der Studienteilnehmer, die Roflumilast oder Cilomilast erhielten, Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. Wir würden erwarten, dass von 100 Menschen, die PDE-4-Hemmer jeden Tag für ein Jahr einnahmen, 11 Durchfall erleben - sieben mehr als bei jenen, die diese Medikamente nicht einnahmen. Es gab außerdem einen zwei- bis dreifachen Anstieg beim Risiko für Schlaf- oder Stimmungsbeeinträchtigungen für die Roflumilast 500 μg Dosis, obwohl die Gesamtzahl der berichteten Vorfälle immer noch gering war. Es gab keine Wirkung auf die Raten der Krankenhauseinweisungen und Todesfälle. Die Wirkungen waren die gleichen, unabhängig von der Schwere der COPD oder ob auch andere Medikamente für COPD eingenommen wurden.

Qualität der Evidenz

Die Studien waren im Allgemeinen gut aufgebaut, da die Teilnehmer nicht wussten, ob sie die neue Behandlung oder ein Placebo erhielten. Insgesamt bewerteten wir die Qualität der Evidenz als moderat bis hoch.

Es ist bedenklich, dass die Studienergebnisse, die in Fachzeitschriften von Pharmaunternehmen veröffentlicht wurden, einen größeren Nutzen der Medikamente zeigten als jene der unveröffentlichten Studien. Dementsprechend ist dies abhängig von unveröffentlichten Studienergebnissen, die zugänglich und auf dem neuesten Stand sind. Die Daten zu psychiatrischen unerwünschten Wirkungen bleiben unveröffentlicht. Länger andauernde Studien sind notwendig, um im Laufe der Zeit eine genauere Einschätzung des Nutzens und der Sicherheit dieser Medikamente zu erhalten und um herauszufinden, ob sie das Fortschreiten von COPD verlangsamen.

Übersetzung: 

A. Wenzel, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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