Kortikosteroide zur Behandlung von Blutvergiftung (Sepsis)

Reviewfrage

In diesem Review untersuchten wir die Evidenz der Wirkung von systemischen Kortikosteroiden auf das Überleben über die Dauer eines Monats, sowie auf die Verträglichkeit bei Blutvergiftungen.

Hintergrund

Eine Blutvergiftung (Sepsis), die schwerste Form einer Infektion, wird diagnostiziert beim Vorliegen eines Infektionsherds mit Zeichen von den gesamten Körper umfassenden, systemischen Entzündungsreaktionen inklusive Organversagen. Die betroffene Person leidet an unzureichender Kontrolle der Körpertemperatur, einer Zu- oder Abnahme von weißen Blutkörperchen, sowie einer Beschleunigung von Herzschlag und Atmung. Bei einer Blutvergiftung kann die Wirksamkeit der körpereigenen Kortikosteroide beeinträchtigt werden. Kortikosteroide sind Hormone, die eine Schlüsselfunktion bei der Immunabwehr von Infektionen haben. Seit über 60 Jahren werden Kortikosteroide bei schweren Infektionen mit verschiedenen Ursachen verabreicht.

Recherchedatum 

Die in diesem Review enthaltene Evidenz ist auf dem Stand von Oktober 2014.

Studienmerkmale

In diesen Review wurden insgesamt 33 randomisierte kontrollierte Studien eingeschlossen mit 4268 hospitalisierten Patienten, die an Sepsis litten. Bei drei Studien wurden auch Kinder untersucht, die verbleibenden 30 Studien umfassten ausschließlich Daten zu Erwachsenen. In fünf Studien wurden Kortikosteroide mit der alleinigen Standardtherapie verglichen. In den übrigen Studien erfolgte ein Vergleich zwischen Kortikosteroiden und einem Placebo.

Finanzierungsquellen der Studien

Zehn der 33 Studien wurden von einem Arzneimittelhersteller finanziert, 13 von öffentlichen Organisationen oder durch gemeinnützige Mittel, während bei zehn Studien die Finanzierungsquelle nicht angegeben war.

Hauptergebnisse

Durch Kortikosteroide konnte die Sterblichkeit in den ersten 28 Tagen um 13% gesenkt werden (Daten aus 27 Studien mit 3176 Teilnehmern). Die Sterblichkeitsrate sowohl auf der Intensivstation (ICU, Englisch: intensive care unit) als auch in anderen Krankenhausstationen wurde gesenkt (Daten aus 13 bzw. 17 Studien). Aus dem Review ging hervor, dass die positiven Auswirkungen auf das Überleben von der Dosis der Kortikosteroide abhängig war: je niedriger die Dosis (weniger als 400 mg Hydrocortison oder eines Äquivalents am Tag) über einen längeren Behandlungszeitraum (drei oder mehr Tage bei voller Dosierung), desto besser das Ergebnis. Außerdem hingen die Auswirkungen auf das Überleben vom Schweregrad der Erkrankung ab. Mit Bezug auf die ersten sieben Tage nach Beginn eines septischen Schocks (der die Notwendigkeit blutdruckstabilisierender Medikamente beinhaltete) konnten Kortikosteroide die Heilungschancen um 31% erhöht werden (Daten aus 12 Studien). Außerdem wurde die Zahl der Organe, deren Funktion beeinträchtigt war (Organversagen), gesenkt (Daten aus acht Studien). Die Aufenthaltsdauer in der ICU wurde um mehr als 2 Tage reduziert (Daten aus 10 Studien). Es wurden keine schädlichen Wirkungen durch Kortikosteroide festgestellt, bis auf einen schwachen Anstieg des Blutzucker- und Salz- (Natrium-)gehalts (Daten aus 13 bzw. drei Studien). Es wurde weder vermehrtes Auftreten von Magen-Darm-Blutungen und ‑Infektionen verzeichnet (19 Studien), noch von neuromuskulärer Schwäche (drei Studien).

Es gab nur spärliche Daten zur Wirkung von Kortikosteroiden bei Kindern mit Blutvergiftung.

Qualität der Evidenz

Wir stuften die Qualität der Evidenz für die Sterblichkeit innerhalb von 28 Tagen als niedrig ein wegen mangelnder Präzision (das Konfidenzintervall des statistischen Ergebnisses reichte fast bis zum Punkt, welcher dem Fehlen einer Änderung entspricht) sowie Inkonsistenzen zwischen den Studien. Diese Ergebnisse standen teilweise im Zusammenhang mit den Unterschieden zwischen den einzelnen Studienpopulationen, mit der Art des verabreichten Kortikosteroids, Dosis und Behandlungsdauer, sowie mit dem Einsatz weiterer Behandlungsmaßnahmen. Die Qualität der Evidenz für die Sterblichkeit innerhalb von 28 Tagen in der Untergruppe, der über einen längeren Zeitraum ein niedrigdosiertes Kortikosteroid verabreicht wurde, wurde von hoch auf moderat herabgestuft, da in einer der beiden größten Studien zur Langzeitbehandlung mit niedrigdosierten Kortikosteroiden keine positiven Auswirkungen auf das Überleben beobachtet wurden.

Übersetzung: 

I. Noack, freigegeben durch Cochrane Schweiz.

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