Industriesponsoring und Forschungsergebnisse

Ergebnisse aus klinischen Studien zu Medikamenten und Medizinprodukten beeinflussen, wie Ärzte ihren Beruf ausüben, und dadurch auch die Behandlungen, welche Patienten angeboten werden. Die klinische Forschung wird jedoch zunehmend von Unternehmen gesponsert, welche diese Produkte herstellen, entweder weil diese Unternehmen solche Studien selbst durchführen oder sie voll oder teilweise finanzieren. Untersuchungen haben gezeigt, dass in Studien, die von der pharmazeutischen Industrie gesponsert werden, die Medikamente des Sponsors deutlich besser dargestellt werden als in Studien mit anderen Finanzierungsquellen. Dies deutet darauf hin, dass in industriegesponserten Studien ein systematischer Fehler (Bias) zugunsten der Sponsor-Produkte besteht.

Dieser Review ist eine Aktualisierung eines früheren Reviews zu diesem Thema, welcher nur Medikamentenstudien untersuchte. Im vorliegenden Review kommt zum einen eine striktere Methodik zur Anwendung, zum anderen wird auch die Finanzierung von Studien zu Medizinprodukten untersucht. Das Hauptziel bestand darin herauszufinden, ob die publizierten Ergebnisse und Schlussfolgerungen von industriegesponserten Studien zu Medikamenten und Medizinprodukten eher die Produkte des Sponsors begünstigten als Studien mit anderen Finanzierungsquellen. Darüber hinaus sollte herausgefunden werden, ob in solchen industriegesponserten Studien Methoden eingesetzt wurden, welche das Bias-Risiko erhöhen. Auch dazu wurden die industriegesponserten Studien mit Studien verglichen, die aus anderen Quellen finanziert wurden. Wir durchsuchten alle relevanten Arbeiten, welche vor September 2010 publiziert wurden, und konnten 48 dieser Arbeiten in diesem Review einschließen.

Industriegesponserte Studien zu Medikamenten und Medizinprodukten zeigten häufiger günstige Ergebnisse für Wirksamkeit (relatives Risiko (RR): 1,32, 95 % Konfidenzintervall (KI): 1,21 bis 1,44), Nebenwirkungen (RR: 1,87, 95 % KI: 1,54 bis 2,27) und Schlussfolgerungen (RR: 1,31, 95% KI: 1,20 bis 1,44), als nicht industriegesponserten Studien. Wir konnten im Hinblick auf bekannte Faktoren, welche das Bias-Risiko erhöhen, keinen Unterschied zwischen industriegesponserten und nicht industriegesponserten Studien finden, außer bei der Verblindung: Industriegesponserte Studien berichteten häufiger von ausreichender Verblindung als nicht industriegesponserte Studien. Wir konnten keinen Unterschied zwischen Studien zu Medikamenten und Medizinprodukten zum Zusammenhang zwischen Sponsoring und Schlussfolgerungen finden. In industriegesponserten Studien bestand weniger Übereinstimmung zwischen den Ergebnissen und den Schlussfolgerungen als in nicht industriegesponserten Studien [RR: 0,84 (95 % KI: 0,70 bis 1,01)]. Unsere Analyse deutet darauf hin, dass aufgrund von systematischen Fehlern, welche nicht durch gebräuchliche Instrumente zur Bestimmung des Bias-Risikos erklärt werden können, industriegesponserten Studien zu Medikamenten und Medizinprodukten häufiger Produkte des Sponsors begünstigen als nicht industriegesponserte Studien.

Übersetzung: 

Koordination durch Cochrane Schweiz.

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