Vaginale Netze oder Implantate im Vergleich zur Operation mit Eigengewebe beim Scheidenvorfall

Fragestellung

Sollten vaginale Netze bzw. biologische Implantate oder Eigengewebe zur Behebung eines Scheidenvorfalls eingesetzt werden?

Hintergrund

Ein Vorfall (Prolaps) von Beckenorganen kommt häufig vor und betrifft bis zu 50 % der Frauen, die Kinder geboren haben. Die traditionelle Methode, einen Scheidenvorfall mit Eigengewebe zu beheben, steht mit hohen Rückfallquoten in Verbindung. Man nimmt an, dass Transplantate aus absorbierbarem oder dauerhaftem Netzmaterial oder aus biologischem Material die Endpunkte des Prolapseingriffs verbessern können.

Studienmerkmale

Wir werteten 37 randomisierte kontrollierte Studien (4023 Frauen) aus, in denen vaginale Implantate mit der traditionellen Operation mit Eigengewebe zur Behebung eines Scheidenvorfalls verglichen wurden. Die Evidenz ist auf dem Stand vom Juli 2015.

Hauptergebnisse

Evidenz von niedriger bis moderater Qualität deutet darauf hin, dass die Verwendung permanenter vaginaler Netze im Vergleich zur Operation mit Eigengewebe Vorteile bietet, beispielsweise die geringeren Raten für Prolapsempfindung, erneute Prolapsoperationen und Wiederauftreten des Prolaps bei Untersuchung. Der Evidenz zufolge spüren nach einer Operation mit Eigengewebe 19 % der Patientinnen den Prolaps, nach dem Einsetzen von dauerhaftem Netzmaterial nur 10 bis 15 %. Nimmt man eine Rate für wiederauftretenden Prolaps bei Untersuchung von 38 % an, läge dieses Risiko nach dem Einsetzen eines permanenten vaginalen Netzes zwischen 11 und 20 %. Es gibt jedoch auch Probleme, die mit permanenten vaginalen Netzen in Verbindung gebracht werden. Während die Wiederoperationsrate bei Prolaps, Urininkontinenz oder Freilegung des Netzes nach einer Operation mit Eigengewebe bei 5 % angenommen wird, läge dieses Risiko nach dem Einsetzen eines permanenten vaginalen Netzes zwischen 7 und 18 %. Bei acht Prozent der Frauen in der Netzgruppe war eine erneute Operation aufgrund einer Freilegung des Netzes erforderlich.

Evidenz von niedriger Qualität deutet darauf hin, dass absorbierbare Netze das Risiko eines erneuten Prolapses bei Untersuchung im Vergleich mit der Operation mit Eigengewebe senken können, aber es liegt nicht genug Evidenz zu absorbierbaren Netzen vor, als dass wir daraus Schlussfolgerungen für andere Endpunkte ziehen könnten.

Evidenz von niedriger Qualität deutet darauf hin, dass es keinen Unterschied zwischen biologischen Implantaten und der Operation mit Eigengewebe bei den Raten für Prolapsempfindung oder erneuter Prolapsoperation gibt. Aufgrund der sehr niedrigen Qualität der Evidenz blieb der Einfluss der Maßnahmen auf den Prolaps bei Untersuchung ungewiss.

Zwar bieten permanente Netze im Vergleich mit Eigengewebe einige Vorteile, ihr routinemäßiger Einsatz bringt aber auch Nachteile. Viele permanente vaginale Netze wurden 2011 vom Markt genommen und die neueren, leichtgewichtigen permanenten vaginalen Netze, die noch zur Verfügung stehen, wurden bisher nicht im Rahmen einer randomisierten Studie bewertet.

Qualität der Evidenz

Insgesamt reichte die Qualität der Evidenz von sehr niedrig bis moderat. Die wichtigsten Beschränkungen waren die schlechte Berichterstattung über die Studienmethoden, Inkonsistenz und Ungenauigkeit.

Übersetzung: 

S. Schmidt-Wussow, freigegeben durch Cochrane Schweiz.

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