Bettruhe mit und ohne Krankenhausaufenthalt zur Verbesserung von Endpunkten für Frauen, die mit Zwillingen oder Drillingen schwanger sind

Worum geht es?

Bei Schwangerschaften mit Zwillingen, Drillingen oder einer größeren Anzahl von Babys (Mehrlingsschwangerschaften) besteht ein höheres Risiko für Frühgeburten (vor der 38. Schwangerschaftswoche) und schlechtes Wachstum der Babys im Vergleich mit Einzelschwangerschaften. Frauen, die mit Mehrlingen schwanger sind, wird oft geraten, zu Hause oder im Krankenhaus im Bett zu bleiben, um das Risiko für eine Frühgeburt und andere Schwangerschaftskomplikationen zu verringern.

Warum ist das wichtig?

Obwohl Bettruhe bei Mehrlingsschwangerschaften häufig verordnet wird, gibt es keine ausreichende Evidenz, die den routinemäßigen Einsatz von Bettruhe zur Verringerung des Frühgeburtsrisikos unterstützt. Darüber hinaus berichten viele Studien über unerwünschte Wirkungen der Bettruhe. Es ist wichtig, die Bettruhe auszuwerten und die möglichen Vorteile und Risiken für Frauen in Mehrlingsschwangerschaften gegeneinander abzuwägen.

Welche Evidenz haben wir gefunden?

Wir suchten am 30. Mai 2016 nach Evidenz. Wir fanden sechs randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 636 Frauen und 1298 Babys. Die Frauen waren zu Beginn der Studien in der 18. bis 34. Schwangerschaftswoche. Das allgemeine Risiko für Bias (systematische Fehler) der Studien war gering und die Evidenz war insgesamt von niedriger Qualität.

Die Empfehlung an Frauen in einer Mehrlingsschwangerschaft, im Krankenhaus entweder ständige Bettruhe einzuhalten (fünf Studien, 495 Frauen und 1016 Babys) oder mehrere Stunden pro Tag im Bett zu verbringen, wobei geringe körperliche Aktivität erlaubt war (eine Studie, 141 Frauen und 282 Babys), verringerte im Vergleich mit Frauen, die zu Hause alltäglichen Aktivitäten nachgingen, nicht das Risiko für extreme Frühgeburten (Geburten vor der 35. Schwangerschaftswoche), den Tod von Babys vor der Geburt oder bis eine Woche nach der Geburt und ein geringes Geburtsgewicht der Babys (nur strenge Bettruhe). Bei Frauen, die im Krankenhaus strenge Bettruhe einhielten, setzten die Wehen mit höherer Wahrscheinlichkeit normal ein (vier Studien, 488 Frauen) und ihre Babys hatten ein höheres durchschnittliches Geburtsgewicht (drei Studien, 314 Frauen) als bei Frauen, die ohne Einschränkung ihrer Aktivitäten zu Hause blieben. Bei einer teilweisen Bettruhe im Krankenhaus sank die Anzahl der Schwangeren, die einen hohen Blutdruck entwickelten (eine Studie, 141 Frauen, Evidenz von niedriger Qualität), aber der gleiche Nutzen wurde bei strenger Bettruhe nicht beobachtet (fünf Studien, 495 Frauen).

Von unerwünschten Wirkungen wie der Entstehung von Venenthrombosen oder Auswirkungen auf das geistige, emotionale, soziale und spirituelle Wohlbefinden (psychosoziale Wirkungen) sowie von den Ansichten und Erfahrungen der Schwangeren wurde in den eingeschlossenen Studien nicht berichtet. Auch über die Kosten der Maßnahme wurde nicht berichtet.

Was bedeutet das?

Wir fanden keine ausreichende Evidenz, die Bettruhe für Frauen mit Mehrlingsschwangerschaften als Methode zur Vorbeugung von Frühgeburten und anderen Schwangerschaftskomplikationen unterstützt oder widerlegt.

Anmerkungen zur Übersetzung: 

S. Schmidt-Wussow, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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