Behandlungen zur Stimulierung der Augenkooperation bei Amblyopie (Schwachsichtigkeit) für Kinder von 3 bis 8 Jahren im Vergleich zur Standardbehandlung durch Abkleben oder vorübergehende Verminderung der Sehschärfe des gesunden Auges

Fragestellung
Vergleich zwischen beidäugiger (binokularer) Behandlung und Standardbehandlung durch Abkleben des gesunden Auges (Okklusion) oder vorübergehende Verminderung der Sehschärfe des gesunden Auges (Penalisation) von einseitiger Schwachsichtigkeit (unilateraler Amblyopie) bei Kindern zwischen drei und acht Jahren.

Hintergrund
Aktuell wird Schwachsichtigkeit (Amblyopie) bei Kindern mit einer Brille behandelt, gefolgt entweder vom Abkleben des besser sehenden Auges oder der Verminderung seiner Sehschärfe durch Atropin-Augentropfen. Diese Therapien sind bei Kindern nicht beliebt und häufig können die Eltern und Bezugspersonen das gesunde Auge nicht so lange abkleben bzw. nicht so oft Augentropfen verabreichen, wie verordnet wurde. Weniger als zwei Drittel der Kinder entwickeln eine normale Sehstärke auf dem schwachen Auge und auch das dreidimensionale Sehen verbessert sich oft nicht. Eine neue Behandlung, die die visuellen Informationen, die dem starken Auge gezeigt werden, der Sehstärke des schwachen Auges anpasst, könnte hier bessere Ergebnisse erzielen. Kinder tolerieren diesen Ansatz möglicherweise besser, da sie während der Behandlung auf modifizierten Computern spielen oder Filme durch spezielle Linsen ansehen.

Wir untersuchten veröffentlichte Berichte über den Erfolg dieser neuen Behandlung im Vergleich mit der Standardbehandlung durch Abkleben oder Augentropfen bei schwachsichtigen Kindern zwischen 3 und 8 Jahren. Wir durchsuchten alle Standard-Informationsquellen. Zwei Review-Autoren prüften unabhängig voneinander die Ergebnisse dieser Suche. Wir schlossen nur Studien ein, die über Ergebnisse aus randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) berichteten, also solche Studien, in denen die neue Behandlung mit einer Standardbehandlung verglichen wurde und in denen die Kinder nach dem Zufallsprinzip der einen oder der anderen Behandlungsgruppe zugeteilt wurden. Unser wichtigstes Ergebnis war, dass wir keine solchen Studien finden konnten. Zukünftige Aktualisierungen dieses Reviews werden vielleicht neue Studien enthalten.
Wir schließen daraus, dass weitere Forschungsarbeiten erforderlich sind, um Entscheidungen für oder gegen die neue Behandlung fällen zu können. Zwar konnten wir keine RCTs finden, jedoch sind die Ergebnisse aus Studien ohne Kontrollgruppe ermutigend. Wir empfehlen, dass zukünftige Forschungsarbeiten in Form von RCTs durchgeführt werden und dass dabei anerkannte Testmethoden zur Bestimmung der Sehschärfe und der dreidimensionalen Sicht verwendet werden, um über die Ergebnisse zu berichten. Es wird auch wichtig sein, Berichte von Kindern und ihren Familien darüber zu veröffentlichten, wie stark die Behandlung in Anspruch genommen wurde und ob und wann das Sehvermögen im schwachen Auge nach Behandlungsende schlechter wurde.

Suchdatum
Die Evidenz ist auf dem Stand vom 14. April 2015.

Übersetzung: 

S. Schmidt-Wussow, freigegeben durch Cochrane Schweiz.

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