Neuromuskuläre elektrische Stimulation (NMES) zur Behandlung des femoropatellaren Schmerzsyndroms

Hintergrund

Das femoropatellare Schmerzsyndrom, verbreitet auch als vorderer Knieschmerz bezeichnet, ist durch kurz- oder langanhaltende Schmerzen im vorderen Bereich des Knies oder hinter der Kniescheibe gekennzeichnet. Die neuromuskuläre elektrische Muskelstimulation (folgend kurz Muskelstimulation) ist als Behandlungsmaßnahme für dieses Beschwerdebild vorgeschlagen worden. Sie beinhaltet den Gebrauch eines Gerätes, das über auf die Haut des Beines angelegte Elektroden Muskelanspannung erzeugt. Die Muskelstimulation wird häufig in Kombination mit Übungen oder anderen Behandlungsmaßnahmen angewandt, kann aber auch als alleinige Maßnahme eingesetzt werden.

Rechercheergebnisse

Wir durchsuchten die medizinische Literatur bis Mai 2017 und fanden acht Studien mit insgesamt 345 Teilnehmern, die seit mindestens einem Monat und teilweise über mehrere Jahre vordere Knieschmerzen hatten. Die meisten Teilnehmer waren Frauen. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer in den Studien reichte von 25 bis 43 Jahre. Alle Studien waren klein und hatten Schwächen, was bedeutet, dass sie ein Verzerrungsrisiko (ein Risiko der Verfälschung von Ergebnissen) aufwiesen. Es gab sehr wenige Daten zu längerfristigen Ergebnissen. Die Ergebnisse einer Studie, die über den unmittelbaren Schmerz nach einer einzelnen 15-minütigen Anwendung von Muskelstimulation berichtete, sind hier nicht dargestellt, da ihre klinische Bedeutsamkeit fragwürdig ist.

Hauptergebnisse

Die verbleibenden Studien untersuchte jeweils einen von drei Vergleichen.

Vier Studien verglichen eine mehrwöchige, aus mehreren Anwendungen von Muskelstimulation in Kombination mit Übungen bestehende Behandlung mit einer alleinigen Übungsbehandlung gleicher Dauer. In zwei der Studien erhielten alle Teilnehmer ein über die Kniescheibe angelegtes Tape-Pflaster, in einer zudem eine Behandlung mit Eis. Wir fanden Evidenz (einen wissenschaftlichen Beleg) sehr niedriger Qualität dafür, dass eine Muskelstimulation in Kombination mit Übungen die Knieschmerzen am Ende einer Behandlungsphase mit einer Dauer von drei bis 12 Wochen möglicherweise geringfügig stärker verringert als eine alleinige Übungsbehandlung. Evidenz sehr niedriger Qualität zeigte jedoch keinen Unterschied bezogen auf die Kniefunktion. Keine der Studien berichtete über schädliche Wirkungen wie beispielsweise muskuläre Übermüdung und Unbehagen. Es gab sehr wenige verwertbare Informationen zu langfristigen Wirkungen.

Eine Studie verglich eine vierwöchige Behandlung mit Muskelstimulation über täglich vier Stunden mit einer Übungsbehandlung. Evidenz sehr niedriger Qualität zeigte keinen bedeutsamen Unterschied zwischen den beiden Gruppen in Bezug auf die Kniefunktion am Ende der vierwöchigen Behandlung. Anzumerken ist hierbei, dass die in dieser Studie angewandte Muskelstimulation viel länger dauerte als heutzutage üblich.

Zwei Studien verglichen verschiedene Arten von Muskelstimulation miteinander. Evidenz sehr niedriger Qualität zeigte am Ende des sechswöchigen Behandlungsprogramms keine bedeutsamen Unterschiede zwischen den verschiedenen Arten von Muskelstimulation.

Qualität der Evidenz

Die Qualität der Evidenz für alle berichteten Endpunkte (Zielgrößen) war insgesamt sehr niedrig. Dies bedeutet, dass die Ergebnisse als sehr unsicher zu betrachten sind.

Schlussfolgerungen

Wir fanden unzureichende Evidenz zur Rolle der neuromuskulären elektrischen Stimulation zur Behandlung des vorderen Knieschmerzes. Weitere Forschung ist notwendig. Weitere Forschung ist notwendig.

Übersetzung: 

C. Braun, T. Bossmann, Koordination durch Cochrane Deutschland

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