Körperliche Aktivität und Training gegen chronische Schmerzen bei Erwachsenen - eine Übersicht der Cochrane Reviews

Hintergrund

Chronischer (Langzeit-) Schmerz ist Schmerz, der über die übliche Zeit einer körperlichen Abheilzeit hinausgeht. Er wird oft als Schmerz beschrieben, der mindestens drei Monate gedauert hat und er verursacht viele Probleme, jenseits der Schmerzen selbst, einschließlich Müdigkeit, Angst, Depressionen und eine schlechte Lebensqualität.

In der Vergangenheit wurden Menschen mit chronischen Schmerzen angehalten, sich sich auszuruhen, doch rät man jetzt, aktiv zu bleiben – zum einen, um die Schmerzen direkt zu beeinflussen, zum anderen, um die sekundären Probleme positiv zu verändern. Daher gibt es Studien, die die Wirkung körperlicher Aktivität bei Menschen mit chronischen Schmerzen untersuchen wollten.

Diese Übersicht analysierte alle von Cochrane veröffentlichten Reviews, in denen körperliche Aktivität oder ein gezieltes Training bei chronischen Schmerzzuständen untersucht worden sind – darunter Arthritis, Rücken- und Nackenschmerzen, sowie Menstruationsschmerzen.

Hauptergebnisse und Qualität der Evidenz

Im Januar 2016 identifizierten wir 21 Cochrane Reviews mit 10 verschiedenen Diagnosen: Arthrose (Gelenkerkrankung), rheumatoide Arthritis (Gelenkschmerzen und Schwellung), Fibromyalgie (diffuser Schmerzzustand), Rückenschmerzen, intermittierende Claudication (Krampfschmerzen in den Beinen), Dysmenorrhoe (Periodenschmerzen), mechanische Nackenstörungen (Nackenschmerzen), Rückenmarksverletzungen, Postpolio-Syndrom (Zustände bei ehemaligen Polio-Patienten), patellofemoraler Schmerz (Schmerzen an der Vorderseite des Knies). Die körperlichen Aktivitäten und Trainingsprogramme, die in den Studien angewendet wurden, variierten in Häufigkeit, Intensität und Art und schlossen land- und wasserbasierte Aktivitäten ein, wobei sie sich auf den Aufbau von Kraft, Ausdauer, Flexibilität und Bewegungsumfang, sowie die allgemeine Aktivierung der Muskeln konzentrierten.

Die Qualität der Evidenz war niedrig – vor allem wegen geringer Zahl von Probanden mit chronischen Schmerzen in den vorliegenden Studien. Idealerweise sollte jede Gruppe einer Studie Hunderte Personen aufweisen, doch die meisten Gruppen der hier untersuchten hatten insgesamt weniger als 50 Teilnehmer.

Es gab Evidenz dafür, dass körperliche Aktivität die Intensität der Schmerzen verringerte, die körperliche Funktionsfähigkeit verbesserte und einen bestimmten Einfluss auf die psychologische Funktion und Lebensqualität hatte. Diese Ergebnisse wurden jedoch nicht in allen Studien gefunden. Die Inkonsistenz könnte auf die Qualität der Studien zurückzuführen sein oder auf die Unterschiedlichkeit der körperlichen Aktivitäten in den untersuchten Studien. Darüber hinaus hatten die Teilnehmer überwiegend leichte bis mäßige Schmerzen, nicht aber mäßige bis starke Schmerzen.

Schlussfolgerungen

Nach der vorliegenden Evidenz verursacht körperliche Aktivität keine Schädigung (nur 25% der eingeschlossenen Studien berichteten über Schäden oder Verletzungen durch die Interventionen). Muskelkater, der manchmal zu Beginn einer neuen Übung auftritt, ließ nach, als die Teilnehmer sich an die neue Aktivität gewöhnt hatten. Dies ist wichtig, da es zeigt, dass körperliche Aktivität im Allgemeinen akzeptabel ist und Schädigung durch sie bei Menschen mit chronischen Schmerzen unwahrscheinlich – obwohl viele Teilnehmer vorher befürchtet hatten, Training werde den Schmerz steigern.

Zukünftige Studien sollten sich auf höhere Teilnehmerzahlen konzentrieren und ein breiteres Spektrum an Schmerzen (mehr Menschen mit stärkeren Schmerzen), sowie Verlängerung der Interventionen (Übungsprogramme) und der Nachbeobachtungsdauer. Für chronischen Schmerz könnte eine längerfristige Intervention, sowie längere Zeitspanne der Rekonvaleszenz und der Nachbeobachtung nachhaltiger sein und bessere Erkenntnisse liefern.

Übersetzung: 

B. König, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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