Prävention und Behandlung von Flussblindheit (Onchozeriose) mit einer Kombination aus Doxyzyklin und Ivermectin

Fragestellung des Reviews

Wir untersuchten die Evidenz für eine Wirkung von Doxyzyklin als Behandlung von Flussblindheit, wenn dieses als Ergänzung zur üblichen Therapie mit Ivermectin verabreicht wird. Die Flusskrankheit wird auch als Onchozerkose bezeichnet.

Hintergrund

Flussblindheit wird durch eine Wurminfektion verursacht. Die Fadenwürmer werden durch eine kleine Stechmückenart von Mensch zu Mensch übertragen, deren Larven in schnell fließenden Gewässern aufwachsen und die insbesondere in Westafrika vorkommt. Im infizierten Menschen leben sowohl sehr kleine (junge) und große (ausgewachsene) Fadenwürmer. Diese Würmer verursachen starken Juckreiz und Verdickungen der Haut. Nur die kleinen Würmer können in die Augen eindringen. Sie können das Auge bis hin zum Sehverlust schädigen.

Flussblindheit wird mit Ivermectin behandelt, das die kleinen Jungwürmer (Filarien) abtötet. Es tötet jedoch nicht die großen, ausgewachsenen Würmer. Ausgewachsene Würmer benötigen zum Leben ein bestimmtes Bakterium (Wolbachia). Bei Doxyzyklin handelt es sich um ein Antibiotikum. Wenn Doxyzyklin diese Art von Bakterien im Körper abtöten kann, dann sterben die ausgewachsenen Würmer. Ziel dieses Reviews ist es herauszufinden, ob eine Kombination des Antibiotikums Doxyzyklin mit Ivermectin die Prävention und Behandlung von Flussblindheit weiter verbessern kann.

Studienmerkmale

Bis zum 15. Juli 2015 hatten wir drei randomisierte kontrollierte Studien gefunden. Insgesamt 466 an Flussblindheit erkrankte Menschen nahmen an den Studien teil, die in Kamerun, Ghana und Liberia durchgeführt wurden. In Kamerun und Ghana wurde Patienten mit Flussblindheit über vier bzw. sechs Wochen Doxyzyklin oder ein Plazebo (Zuckertablette) verabreicht. Vier bzw. sechs Monate später erhielten die Patienten eine Dosis Ivermectin. Diese Menschen wurde daraufhin zwei bis drei Jahre beobachtet. Bei der Studie in Liberia wurden die Patienten mit Flussblindheit in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe erhielt sechs Wochen lang Doxyzyklin und anschließend eine einzige Dosis Ivermectin. Die andere Gruppe bekam nur Ivermectin. Beide liberianischen Gruppen wurden über sechs Monate hinweg beobachtet.

Hauptergebnisse

Die Evidenz dafür, dass die zusätzliche Verabreichung von Doxyzyklin die übliche Behandlungsweise mit Ivermectin bei an Flussblindheit erkrankten Patienten beeinflusst, ist unklar. Nur eine der drei Studien untersuchte das Sehvermögen der Teilnehmer. Diese Studie ergab keinen ausreichenden wissenschaftlichen Beleg dafür, dass zwischen den behandelten Gruppen ein Unterschied hinsichtlich des Anteils an Teilnehmern bestand, deren Sehvermögen sich innerhalb von sechs Monaten ab Beginn der Studie verbessert hatte. Zwei Studien zeigten nach rund zwei Jahren eine geringere Bakterienzahl (Wolbachia) und weniger ausgewachsene Fadenwürmer bei einer Kombination aus Doxyzyklin und Ivermectin als bei einer Behandlung mit Ivermectin allein. In einer Studie wurden jedoch neue Würmer mit den Bakterien nach der Behandlung festgestellt.

Zwei Studien berichteten von unerwünschten Nebenwirkungen bei einigen Teilnehmern, wobei bei beiden kein Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen festgestellt wurde. Eine Studie verzeichnete unerwünschte Nebenwirkungen einschließlich Juckreiz, Fieber, Kopf- und Körperschmerz sowie Schwindel bei 12% der Studienteilnehmer. Die andere Studie berichtete von einem Probanden (1,3%) mit blutigem Durchfall zu Beginn der Behandlung mit Doxyzyklin und Ivermectin. Bei Abbruch der Behandlung endeten diese Beschwerden.

Qualität der Evidenz

Aufgrund methodischer Probleme in den Studien beurteilten wir die Qualität der Evidenz als insgesamt sehr niedrig.

Übersetzung: 

B. Bayerlein, freigegeben durch Cochrane Schweiz.

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