Mini-Mental-Status-Test (MMST) zur Erkennung von Demenz bei Menschen über 65

Der Begriff „Demenz“ umfasst eine Gruppe von Gehirnerkrankungen, die zum allmählichen Rückgang von Hirnfunktionen, Denkvermögen und der Fähigkeit zur Verrichtung von Alltagsaufgaben (z. B. Waschen und Anziehen) führen. Menschen mit Demenz können auch Störungen ihrer geistigen Gesundheit (Stimmungen und Emotionen) und ihrem Verhalten entwickeln, die für ihre Mitmenschen schwierig im Umgang sind. Der Prozess, der zu Demenz im Hirn führt, ist häufig degenerativ (also auf eine allmähliche Schädigung des Gehirns zurückzuführen). Zu den verschiedenen Formen der Demenz gehören Alzheimer-Demenz, vaskuläre Demenz, Lewy-Körper-Demenz und frontotemporale Demenz (Pick-Krankheit).

Wir wollten die Genauigkeit des Mini-Mental-Status-Tests (MMST) bewerten, der häufig im Verlauf der Diagnosefindung bei Verdacht auf Demenz gemäß der Definition im Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) eingesetzt wird. Der MMST ist ein Test auf Papier mit einer Maximalpunktzahl von 30; je niedriger das Ergebnis ausfällt, auf desto schwerere kognitive Probleme deutet er hin. Der für den MMST festgelegte Grenzwert definiert die „normale“ kognitive Funktion und liegt in der Regel bei 24, auch wenn er theoretisch irgendwo zwischen 1 und 30 liegen könnte. Wir durchsuchten verschiedene Quellen und fanden 24.310 einzelne Zitierungen (Treffer). Wir untersuchten 317 akademische Veröffentlichungen im Volltext und nahmen schließlich 70 Artikel in unseren Review auf, die sich auf 48 Studien beziehen. Wir schlossen dabei Studien ein, die außerhalb des klinischen Rahmens durchgeführt wurden (Studien mit Mitgliedern der Allgemeinbevölkerung), und solche, die in der Primärversorgung durchgeführt wurden (Studien, bei denen die Erstversorgung der Teilnehmer in der Praxis eines nicht spezialisierten Klinikers stattfand, meist eines Hausarztes).

Zwei der Studien zeigten schwerwiegende Schwächen im Aufbau im Hinblick auf die Methoden der Teilnehmerauswahl, drei im Hinblick auf die Anwendung des Tests (MMST) und neun im Hinblick auf die Darstellung von Durchführung und Zeitablauf. An 28 Studien, die außerhalb des klinischen Rahmens durchgeführt wurden (44 Artikel), und an 6 Studien in der Primärversorgung (8 Artikel) konnten wir eine kombinierte statistische Analyse (Metaanalyse) durchführen. Zwei der sechs Studien in der Erstversorgung wurden mit Patienten durchgeführt, die Symptome einer möglichen Demenz aufwiesen. In den Studien, die außerhalb des klinischen Rahmens durchgeführt wurden, konnten wir die diagnostische Gesamtgenauigkeit des MMST an drei Grenzwerten berechnen, bei den Erstversorgungsstudien hatten wir dazu jedoch nicht genug Daten. Ein idealer Test hätte eine Sensitivität (Fähigkeit, jeden Demenzkranken zu erkennen) von 1,0 (100 %) und eine Spezifizität (Fähigkeit, Menschen ohne Demenz zu erkennen) von 1,0 (100 %). Beim MMST entsprach die Gesamtgenauigkeit bei einem Grenzwert von 25 (10 Studien) einer Sensitivität von 0,87 und einer Spezifizität von 0,82. In sieben Studien, die die Genauigkeitsschätzungen um das Bildungsniveau bereinigten, berechneten wir für den Test eine Sensitivität von 0,97 und eine Spezifizität von 0,70. Die Gesamtgenauigkeit bei einem Grenzwert von 24 (15 Studien) entsprach einer Sensitivität von 0,85 und einer Spezifizität von 0,90. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse würden wir erwarten, dass 85 % der Menschen mit Demenz durch den MMST korrekt erkannt werden, während 15 % fälschlicherweise als nicht demenzkrank eingestuft würden; 90 % der Getesteten würden korrekt als nicht demenzkrank erkannt werden, während 10 % falsch positiv testen würden (also zu Unrecht als demenzkrank eingestuft würden) und möglicherweise weiteren Tests unterzogen würden.

Unsere Ergebnisse unterstützen den Einsatz des MMST als Teil der Entscheidungsfindung, ob jemand unter Demenz leidet oder nicht, aber die Testergebnisse sollten im größeren Kontext des individuellen Patienten interpretiert werden, etwa im Zusammenhang mit Persönlichkeit, Verhalten und wie er zu Hause und im Alltag zurechtkommt.

Übersetzung: 

S. Schmidt-Wussow, freigegeben durch Cochrane Schweiz.

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