Rehabilitation für Menschen mit Demenz nach der Operation eines Oberschenkelhalsbruchs

Hintergrund

Ein Oberschenkelhalsbruch ist eine Verletzung, die vor allem bei älteren Menschen vorkommt und in der Regel durch einen Sturz verursacht wird. Er kann die Gehfähigkeit der Person und die Bewältigung alltäglicher Verrichtungen beeinträchtigen und damit ihre Selbstständigkeit gefährden. Ein Oberschenkelhalsbruch tritt bei demenzkranken Menschen häufiger auf und die Genesung kann sich bei ihnen schwieriger gestalten. Grund dafür ist, dass für diese Patienten das Risiko der Zunahme verwirrten Verhaltens größer ist. Ferner treten bei ihnen nach der Operation häufiger zusätzliche Komplikationen wie Druckgeschwüre und Infektionen im Brustraum auf. Schliesslich fällt es diesen Patienten auch schwerer, ihre Schmerzen und Beschwerden zu äußern.

Review-Frage

Wir wollten wissen, ob unterschiedliche Behandlungsmethoden für Menschen mit Demenz nach einem Oberschenkelhalsbruch einen Einfluss auf ihren Genesungsprozess haben und welche Kosten mit ihrer Genesung verbunden sein können.

Studienmerkmale

Wir suchten nach randomisierten kontrollierten Studien, die erweiterte Pflege- und Rehabilitationsmodelle für Menschen mit Demenz nach einem Oberschenkelhalsbruch mit einer Standardversorgung im jeweiligen Studiensetting verglichen. Die letzte Recherche wurde am 9. Juni 2014 durchgeführt.

Wir fanden fünf Studien, in denen insgesamt 316 Menschen mit Demenz nach einem Oberschenkelhalsbruch beobachtet wurden. Vier Studien verglichen ein erweitertes fachübergreifendes Rehabilitations- und Pflegeprogramm, bei dem das Gesundheitspersonal der verschiedenen Fachrichtungen gemeinschaftlich innerhalb bzw. in- und außerhalb des Krankenhauses zusammenarbeitete, mit der Regelversorgung im Krankenhaus. Eine Studie verglich die Betreuung im Krankenhaus unter Leitung eines Geriaters (einem Spezialisten für Altersmedizin) mit der Betreuung unter Leitung eines orthopädischen Chirurgen.

Wichtigste Ergebnisse

Es gab eine Evidenz von niedriger Qualität dafür, dass eine erweiterte Pflege und Rehabilitation im Krankenhaus zu einer Verminderung der Komplikationsfälle führt und dass übergreifend im Krankenhaus und zu Hause erbrachte Pflege die Wahrscheinlichkeit verringert, dass der Patient drei Monate nach der Entlassung in einem Krankenhaus, einer Reha-Klinik oder einem Pflegeheim versorgt werden muss. 12 Monate nach der Entlassung war die Differenz weniger deutlich. Die Wirkung von erweiterter Pflege und Rehabilitation im Krankenhaus und zu Hause auf funktionelle Endpunkte war aufgrund der sehr geringen Qualität der Evidenz äußerst unsicher. Bei der Versorgung von Delir-Zuständen war eine Unterscheidung zwischen einer geriatrischen und orthopädischen Leitung sehr unsicher und basierte auf einer Evidenz von sehr niedriger Qualität.

Qualität der Evidenz

Die Studien waren sehr klein und das Bias-Risiko hoch. Daher sind die Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren. Die Datenlage war beschränkt und keine der Pflegemodelle war speziell für Menschen mit Demenz konzipiert. Keine der Studien untersuchte die Wirkung der Pflege auf die Demenz oder die Lebensqualität der Behandelten. Alle Studien wiesen erhebliche Qualitätseinschränkungen auf.

Schlussfolgerung

Unsere Schlussfolgerung lautet, dass die derzeitige Forschung nicht ausreicht, um festzustellen, welches die besten Verfahrensweisen für die Pflege von Menschen mit Demenz nach der Operation eines Oberschenkelhalsbruchs sind. Für die meisten Endpunkte ließen die Ergebnisse keinen eindeutigen Schluss zu, da die Studien zu klein und von sehr geringer Qualität waren. Weitere Forschung ist erforderlich, um die besten Strategien zu ermitteln, mit denen die Pflege für Menschen mit Demenz nach einem Oberschenkelhalsbruch verbessert werden kann.

Deklaration

Dieser Review gehört zu einem vom NIHR (nationales Institut für Gesundheitsforschung des Vereinigten Königreichs) finanzierten Forschungsprogrammes (Bezugsnummer: DTC-RP-PG-0311-10004; Forschungsleiter: Fox). Keiner der Autoren meldet einen Interessenkonflikt in Verbindung mit dieser Arbeit.

Übersetzung: 

Freigegeben durch Cochrane Schweiz.

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