Selektive Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (NRIs) zur Behandlung von Schizophrenie

Fragestellung

Sind selektive Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (NRIs) wirksam, um die Symptome, v.a. die Negativsymptomatik, von Schizophrenie zu behandeln?

Hintergrund

Menschen mit Schizophrenie haben oft eine Positivsymptomatik, wie das Hören von Stimmen (Halluzinationen), bizarre Vorstellungen (Wahnvorstellungen), oder verwirrtes Denken (formale Denkstörung). Diese können mit antipsychotischen Medikamenten erfolgreich behandelt werden. Menschen mit Schizophrenie haben auch eine Negativsymptomatik, wie sozialer Rückzug oder mangelnde Motivation, und kognitive Symptome, wie Schwierigkeiten bei Entscheidungen und Probleme mit der Aufmerksamkeit oder dem Gedächtnis. Negativsymptome sind häufig langandauernd und führen zu einer Reduzierung der Lebensqualität. Im Gegensatz zu der Positivsymptomatik gibt es einen Mangel an wirksamer Medikation, um diese Negativsymptomatik zu behandeln.

Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (z. B. Reboxetin oder Atomoxetin) sind Medikamente, die vor allem bei den Negativsymptomen der Schizophrenie helfen könnten. Es gibt Studien, die die Wirksamkeit von NRIs zur Behandlung von Menschen mit Schizophrenie untersuchten, aber die gefundenen Ergebnisse sprachen ihnen nur einen geringen Nutzen zu. Allerdings handelte es sich um sehr kleine Studien. Wir wollten herausfinden, ob die Zusammenführung der Ergebnisse aus diesen Studien Evidenz von besserer Qualität erbringen würde.

Suchmethoden und Studienmerkmale

Der Informationspecialist von Cochrane Schizophrenia durchsuchte ihr Spezialregister nach relevanten Studien bis Februar 2017. Wir fanden sechzehn Studien, die eingeschlossen werden konnten. Diese Studien waren randomisierte Studien mit 919 Erwachsenen mit Schizophrenie, die einen NRI, ein Placebo (Scheinbehandlung) oder ein Antidepressivum erhielten. Alle Teilnehmer erhielten weiterhin die antipsychotischen Medikamente, die sie bereits einnahmen. Die meisten Studien enthielten Teilnehmer, die im Krankenhaus waren und Symptome der Schizophrenie schon sehr lange aufwiesen.

Hauptergebnisse und Qualität der verfügbaren Evidenz

Unsere hauptsächlichen Interessenschwerpunkte waren die Wirkung, die NRIs bei der Verbesserung des mentalen und allgemeinen Zustands haben, kognitive Funktion und Lebensqualität von Menschen mit Schizophrenie; und ob NRIs unangenehme Nebenwirkungen, wie Übelkeit, verursachen.

Wir fanden heraus, dass im Vergleich zur Behandlung mit Placebo, NRIs (v.a. Reboxetin) Auswirkungen auf die Verbesserung der Negativsymptome haben. Allerdings fanden wir keine Evidenz, dass NRIs sich auf die Verbesserung der Positivsymptomatik, kognitive Funktion oder Auftreten von Übelkeit auswirken. Eine Studie berichtete einen Nutzen von Reboxetin in Bezug auf die Lebensqualität.

Schlussfolgerungen

Die Ergebnisse unseres Reviews sollten mit Vorsicht betrachtet werden, da die Qualität der verfügbaren Evidenz aufgrund der geringen Größe der Studien und der geringen Qualität der Studien sehr niedrig ist. Um sichere Schlussfolgerungen zur Wirksamkeit von NRIs für Menschen mit Schizophrenie zu ziehen, brauchen wir größere und qualitativ hochwertigere Studien zu NRIs. Diese sollten langfristig sein und vor allem negative und kognitive Symptome, sowie Nebenwirkungen betrachten.

Übersetzung: 

H. Kaiser, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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