Systemische Antibiotika für symptomatische apikale Parodontitis und akuten apikalen Abszess bei Erwachsenen

Dieser Review der Cochrane Oral Health Group wurde durchgeführt, um die Wirkungen von Antibiotika auf Schmerzen und Schwellungen in zwei Krankheitsbildern zu beurteilen, die häufig verantwortlich für die Entstehung von Zahnschmerzen bei zahnärztlicher oder ohne zahnärztlicher Behandlung (z. B. ziehen von Zähnen, Entwässerung einer Schwellung oder Wurzelkanal-Behandlung).

Hintergrund

Zahnschmerzen sind ein häufiges Problem und können entstehen, wenn der Nerv innerhalb eines Zahnes aufgrund des fortschreitenden Verfalls oder schweren Verletzungen abstirbt. Das Gewebe am Ende der Wurzel entzündet sich und dies kann zu akuten Schmerzen führen, die sich beim Zubeißen verschlimmern. Ohne Behandlung können Bakterien den toten Zahn infizieren und einen dentalen Abszess verursachen, was zu Schwellungen und Verbreitung der Infektion, die möglicherweise lebensbedrohlich werden kann, führen.

Die empfohlene Behandlung dieser Form von Zahnschmerzen ist die Beseitigung der toten Nerven und den damit verbundenen Bakterien. Dies geschieht in der Regel durch Ziehen des Zahns oder Wurzelkanalbehandlungen. Antibiotika sollten nur verordnet werden, wenn eine schwere Infektion vorliegt, die sich vom Zahn ausgebreitet hat. Jedoch verschreiben einige Zahnärzte immer noch routinemäßig orale Antibiotika für Menschen mit akuten zahnärztlichen Krankheitsbildern, die keine Anzeichen auf Verbreitung der Infektion aufweisen.

Minimierung von unangemessenen Antibiotikaverschreibungen spielt eine Schlüsselrolle bei der Einschränkung der Entwicklung von Antibiotika-resistenten Bakterien. Da Zahnärzte ca. 8 % bis 10 % der medizinischen Grundversorgungsantibiotika in den Industriestaaten verschreiben, kann dies zur Antibiotika-Resistenz beitragen. Daher ist es wichtig, dass Antibiotika nur dann verwendet werden sollten, wenn sie klinisch vorteilhaft für die Personen sind.

Studienmerkmale

Die Evidenz dieses Reviews ist auf dem Stand vom 1. Oktober 2013. Wir durchsuchten wissenschaftliche Datenbanken und fanden zwei Studien mit 62 Teilnehmern, die in die Analyse eingeschlossen wurden. Beide Studien wurden an universitären Zahnarztschulen in den USA durchgeführt und bewerten die Verwendung von oralen Antibiotika zur Verringerung der Schmerzen und Schwellungen bei Erwachsenen, die von selbigen berichteten nachdem die erste Stufe der Wurzelbehandlung, unter örtlicher Betäubung, stattfand. Das Antibiotikum in beiden Studien war Penicillin VK und alle Teilnehmer erhielten auch Schmerzmittel.

Hauptergebnisse

Die beiden eingeschlossenen Studien besagten, dass die Teilnehmer keine deutlichen Unterschiede bei Schmerzen oder Schwellungen berichteten, wenn sie orale Antibiotika im Vergleich zu einem Placebo (Scheinbehandlung) erhielten, sofern dies in Verbindung mit der ersten Stufe der Wurzelkanalbehandlung und Verschreibungen von Schmerzmitteln stattfand. Die Studien waren allerdings klein und wir können potenziell wichtige Unterschiede zwischen den Gruppen nicht ausschließen. Keine Studie untersuchte die Wirkung von Antibiotika, die ohne gleichzeitige, zahnärztliche Behandlung verschrieben wurden.

Eine Studie berichtete über Nebenwirkungen bei den Teilnehmern: eine Person, die das Placebo-Medikament erhalten hatte, litt unter Durchfall und eine Person, die Antibiotika erhalten hatte, klagte über Müdigkeit und Erschöpfung nach der Operation.

Qualität der Evidenz

Wir beurteilen die Qualität der Evidenz als sehr niedrig. Es gibt derzeit keine ausreichende Evidenz, um die Wirkung von Antibiotika bei diesen Krankheitsbildern beurteilen zu können.

Übersetzung: 

N. Tittlbach, freigegeben durch Cochrane Deutschland

Tools
Information
Teilen / Speichern

Cochrane Kompakt ist ein Gemeinschaftsprojekt von Cochrane Schweiz, Cochrane Deutschland und Cochrane Österreich. Wir danken unseren Sponsoren und Unterstützern. Eine Übersicht finden Sie hier.