Mediterrane Diät zur Vorbeugung von kardiovaskulären Erkrankungen

Es gilt als erwiesen, dass die Essgewohnheiten ein Hauptrisikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (kardiovaskuläre Erkrankungen) sind. Die traditionelle mediterrane Küche ist in dieser Hinsicht besonders interessant, da man in den 1960er-Jahren feststellte, dass in Mittelmeerländern wie Griechenland und Italien die Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Vergleich zu nordeuropäischen Ländern und den USA geringer ist. Möglicherweise ist dies auf unterschiedliche Essgewohnheiten zurückzuführen.

In dieser Übersichtsarbeit untersuchten wir, ob eine Ernährungsberatung zugunsten einer mediterranen Diät bei gesunden Erwachsenen bzw. bei Personen mit erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen das Auftreten solcher Erkrankungen verhindern und die damit verbundenen Risikofaktoren vermindern kann. Da die Definitionen mediterraner Essgewohnheiten variieren, berücksichtigten wir nur randomisierte Vergleichsstudien („randomized controlled trials“, RCTs) mit mindestens zwei der folgenden Bestandteile: (1) hoher Anteil an einfach ungesättigten Fettsäuren, (2) niedriger bis mäßiger Konsum von Rotwein, (3) hoher Konsum von Hülsenfrüchten, (4) hoher Konsum von Getreide, (5) hoher Konsum von Obst und Gemüse, (6) niedriger Konsum von Fleisch/Fleischprodukten und erhöhter Konsum von Fisch und (7) mäßiger Konsum von Milch und Milchprodukten. In den Kontrollgruppen sollte keine oder nur eine geringfügige Intervention durchgeführt werden. Wir fanden elf RCTs (15 Artikel), die diese Kriterien entsprachen. Die Studien unterschieden sich deutlich bezüglich der rekrutierten Teilnehmer und der ernährungsbezogenen Maßnahmen. Vier Studien hatten nur Frauen als Teilnehmer, zwei Studien nur Männer, und die restlichen fünf beide Geschlechter. Fünf Studien wurden an gesunden Teilnehmern durchgeführt und sechs Studien an Personen mit erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs. Die Studien zählten zwischen zwei und fünf Bestandteile einer mediterranen Diät in ihrer Intervention, die in nur sieben Studien als mediterrane Diät beschrieben wurde.

Die größte Studie schloss nur Frauen nach der Menopause ein und die Intervention wurde nicht als mediterrane Diät beschrieben, da nur zwei der oben genannten Kriterien eingehalten wurden. Zwischen der Gruppe mit Ernährungsberatung und der Kontrollgruppe wurde kein Unterschied im Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gefunden. Die weiteren Studien erfassten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Da die Studien sehr unterschiedlich waren, konnten die Ergebnisse für die meisten Endpunkte nicht kombiniert werden. In den Studien, in denen das möglich war, fanden wir sowohl eine geringe Senkung der Werte für Gesamtcholesterin als auch für das schädliche Lipoprotein niedriger Dichte (LDL-Cholesterin). Die Senkung des Gesamtcholesterinwertes war größer in den Studien, welche ihre Intervention als mediterrane Diät beschrieben. Keine Studie berichtete über Nebenwirkungen.

Aufgrund der bisher begrenzten Belege kam diese Übersichtsarbeit zu dem Schluss, dass mediterrane Ernährungsgewohnheiten einige Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen vermindern. Weitere Studien sind jedoch notwendig, um die Wirksamkeit der verschiedenen ernährungsbezogenen Maßnahmen in verschiedenen Personengruppen zu beurteilen, und um identifizieren zu können, welche Maßnahme bei welcher Bevölkerungsgruppe am wirksamsten ist.

Übersetzung: 

B. Wurzer, Koordination durch Cochrane Schweiz

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