Maßnahmen zur Vorbeugung von Delirien bei älteren Patienten in Langzeitpflegeeinrichtungen

Fragestellung

Wir untersuchten die Evidenz zur Wirksamkeit von Maßnahmen, die Delirien bei älteren Menschen in Langzeitpflegeeinrichtungen vorbeugen sollen.

Hintergrund

Zu den sogenannten Langzeitpflegeeinrichtungen gehören Seniorenheime, in denen Körperpflege, Überwachung der Medikamenteneinnahme und leichte Hilfe bei täglichen Verrichtungen angeboten werden, sowie Pflegeheime, in denen die Patienten rund um die Uhr pflegerisch versorgt werden. Das Delirium ist eine häufige und schwerwiegende Erkrankung bei älteren Menschen in Langzeitpflegeeinrichtungen. Beim Eintritt eines Deliriums kommt es in der Regel im Laufe weniger Stunden oder einiger Tage zu zunehmender Verwirrtheit. Manche Patienten werden im Delirium still und schläfrig, andere dagegen sind erregt und desorientiert. Dieser Zustand kann daher sehr belastend sein. Zusätzlich erhöht ein Delirium die Wahrscheinlichkeit, in ein Krankenhaus eingewiesen zu werden und eine Demenz zu entwickeln. Bei Bewohnern von Langzeitpflegeeinrichtungen, die ein Delirium entwickeln, besteht ein erhöhtes Sterberisiko.

Studien an Krankenhauspatienten lieferten die wichtige Erkenntnis, dass etwa ein Drittel der Delirium-Fälle sich vermeiden lassen, wenn Umgebung und Pflegeplan den größten Risikofaktoren für ein Delirium entgegenwirken. Beispiele dafür sind eine bessere Beleuchtung und Hinweisschilder zur Vermeidung von Orientierungsverlust; Vermeidung unnötiger Einsätze von Kathetern, um Infektionen vorzubeugen; Vermeidung von Medikamenten, die das Deliriumrisiko erhöhen.

Dieser Review hat nach Studien zur Vorbeugung von Delirien bei älteren Menschen in Langzeitpflegeeinrichtungen gesucht und diese ausgewertet.

Studienmerkmale

Die untersuchte Evidenz ist auf dem Stand von April 2013. Wir fanden zwei Studien mit 3636 Teilnehmern. Beide Studien wurden in den USA durchgeführt.

Die erste Studie untersuchte, ob einem Delirium vorgebeugt werden kann, indem durch regelmäßige Gabe von Getränken die Zufuhr der Flüssigkeitsmenge sichergestellt wurde, die für ältere Menschen in einem Pflegeheim berechnet worden war. 98 Patienten nahmen an der vierwöchigen Studie teil.

In der zweiten Studie wurde die Wirkung eines Computerprogramms getestet, das Verordnungen auf Medikamente untersuchte, die das Risiko eines Deliriums erhöhen können, damit ein Apotheker sie anpassen oder absetzen konnte. An dieser zwölfmonatigen Studie nahmen 3538 Menschen teil.

Hauptergebnisse

Die erste Studie kam zu dem Ergebnis, dass die optimale Flüssigkeitszufuhr das Auftreten von Delirien nicht verringerte. Allerdings handelte es sich um eine kleine Studie von kurzer Dauer und mit schwerwiegenden Fehlern im Studienaufbau.

Die zweite Studie belegte, dass das computergestützte Medikamenten-Suchprogramm in Kombination mit einer Überprüfung durch den Apotheker das Auftreten von Delirien verringerte, jedoch gab es keinen deutlichen Rückgang bei Krankenhauseinweisungen, Todesfällen oder Stürzen. Die Ergebnisse dieser Studie waren u.a. auch deswegen problematisch, weil das Computerprogramm in verschiedenen Ländern, die über kein ähnliches Computersystem verfügen, möglicherweise gar nicht eingesetzt werden kann.

Qualität der Evidenz

Es besteht Evidenz von sehr niedriger Qualität zur Wirksamkeit von Maßnahmen, die für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgen, auf die Verringerung von Delirien bei älteren Menschen in Langzeitpflegeeinrichtungen. Es können daher keine fundierten Schlussfolgerungen gezogen werden.

Es besteht Evidenz von moderater Qualität, dass ein computergestütztes Medikamenten-Suchprogramm zusammen mit einer Überprüfung durch den Apotheker das Auftreten von Delirien bei älteren Menschen in Langzeitpflegeeinrichtungen verringern kann.

Es gibt keine eindeutige Evidenz dafür, dass ein computergestütztes Medikamenten-Suchprogramm zusammen mit einer Überprüfung durch den Apotheker bei älteren Menschen in Langzeitpflegeeinrichtungen Krankenhauseinweisungen, Sterblichkeit oder Stürze verringert.

Da für diesen Review nur eine sehr geringe Zahl von Studien gefunden wurde, empfehlen wir, dass weitere Studien durchgeführt werden sollten, in denen verschiedene Möglichkeiten untersucht werden, Delirien bei älteren Menschen in Langzeitpflegeeinrichtungen vorzubeugen. Dies könnte zu einer Verbesserung der Pflegequalität für diese gefährdete Gruppe beitragen.

Drittmittelfinanzierung

Für diesen Review gab es keine externe Finanzierungsquelle.

Interessenkonflikte

NS ist leitende Forscherin in einem vom britischen National Institute for Health Research (NIHR) bezuschussten Forschungsprojekt mit dem Namen „Research for Patient Benefit“ (RfPB = Forschung zum Wohle des Patienten), das die Wirkung einer Maßnahme zur Vermeidung von Delirien bei älteren Menschen in der Langzeitpflege untersucht.

JY ist Mitantragsteller in einem vom britischen National Institute for Health Research (NIHR) bezuschussten Forschungsprojekt mit dem Namen „Research for Patient Benefit“ (RfPB = Forschung zum Wohle des Patienten), das die Wirkung einer Maßnahme zur Vermeidung von Delirien bei älteren Menschen in der Langzeitpflege untersucht.

AC, RH und AH erklären, dass für sie keine bekannten Interessenkonflikte bestehen.

Übersetzung: 

S. Schmidt-Wussow, Koordination durch Cochrane Schweiz

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