Nicht-steroidale Antiandrogen-Monotherapie im Vergleich zur Monotherapie mit Luteinisierenden Hormon Releasing-Hormon-Agonisten oder chirurgischer Kastration beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom

Schlussfolgerungen der Autoren: 

Die derzeit verfügbare Evidenz deutet darauf hin, dass der Einsatz der nicht-steroidalen Antiandrogen-Monotherapie im Vergleich zur Monotherapie mit medikamentöser oder chirurgischer Kastration beim fortgeschrittenem Prostatakarzinom bezüglich Gesamtüberleben, klinischer Progression, Therapieversagen und Behandlungsabbruch aufgrund von unerwünschten Ereignissen weniger effektiv ist. Die Evidenzqualität wurde nach GRADE als moderat bewertet. Weitere Forschung wird voraussichtlich einen wichtigen Einfluss auf die Ergebnisse für Patienten mit fortgeschrittenem nicht-metastasiertem Prostatakarzinom haben, die mit nicht-steroidaler Antiandrogener-Monotherapie behandelt werden. Wir glauben jedoch, dass weitere Forschung für nicht-steroidale Antiandrogen-Monotherapie bei Männern mit metastasiertem Prostatakarzinom nicht notwendig ist. Nur qualitativ hochwertige, randomisierte kontrollierte Studien mit Langzeit-Nachbeobachtung sollten durchgeführt werden. Wenn weitere Forschung zur Untersuchung der biochemischen Progression geplant ist, sollten Studien durchgeführt werden, welche eine standardisierte Nachbeobachtung haben und leitliniengerechte Messungen des Prostata-spezifische Antigens nutzen.

Zum wissenschaftlichen Abstrakt
Hintergrund: 

Nicht-steroidale Antiandrogene und Kastration sind die Haupttherapiemöglichkeiten beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom. Die Debatte bezüglich des Nutzens dieser beiden Behandlungsmöglichkeiten wird jedoch fortgeführt.

Ziele: 

Die Wirkungen der nicht-steroidalen Antiandrogen-Monotherapie mit denen der Monotherapie mit Luteinisierenden Hormon Releasing-Hormon-Agonisten oder chirurgischer Kastration zur Behandlung fortgeschrittener Stadien des Prostatakarzinoms miteinander zu vergleichen.

Suchstrategie: 

Wir haben das Cochrane Prostatic Diseases and Urologic Cancers Group Specialized Register (PROSTATE), das Cochrane Central Register of Controlled Trials (CENTRAL), MEDLINE, EMBASE, Web of Science mit Konferenzbeiträgen, drei klinische Studienregister, die Abstracts von drei wichtigen Konferenzen und die Referenzlisten bis zum 23. Dezember 2013 durchsucht. Zudem wurden ausgewählte Experten und Hersteller in diesem Bereich kontaktiert.

Auswahlkriterien: 

Wir haben randomisierte Studien eingeschlossen, welche die nicht-steroidale Antiandrogen-Monotherapie mit der Monotherapie der medikamentösen oder chirurgischen Kastration für Männer mit fortgeschrittenem Stadium des Prostatakarzinoms miteinander vergleichen.

Datensammlung und -analyse: 

Ein Review-Autor hat alle Titel und Abstracts durchgesehen. Lediglich Zitate, die eindeutig nicht relevant waren, wurden in diesem Schritt ausgeschlossen. Danach haben zwei Review-Autoren unabhängig voneinander in einem weiteren Schritt die Volltexte gelesen, relevante Studien identifiziert, die Studien hinsichtlich der Einschlusskriterien überprüft, die Studienqualität evaluiert und die Daten extrahiert. Wir haben die Autoren der Studien kontaktiert, um zusätzliche Informationen anzufordern. Wir haben den Review Manager 5 für die Datensynthese verwendet. Es wurde das Fixed-Effect-Model zur Evaluation der Heterogenität kleiner als 50% benutzt, und das Random-effect-Model für Studien mit substanzieller oder beträchtlicher Heterogenität.

Hauptergebnisse: 

Elf Studien mit 3.060 in die Behandlungsgruppen randomisierten Patienten wurden in diese Übersichtsarbeit eingeschlossen. Die Evidenzqualität ist beeinträchtigt durch ein Risiko für Bias. Die Verwendung von nicht-steroidalen Antiandrogenen verringerte das Gesamtüberleben (Hazardratio (HR) 1,24, 95% Konfidenzintervall (CI) 1,05 bis 1,48, sechs Studien, 2.712 Teilnehmer) und erhöhte die klinische Progression (ein Jahr: Risikoverhältnis (RR) 1,25, 95% CI 1,08 bis 1,45, fünf Studien, 2.067 Teilnehmer; 70 Wochen: RR 1,26, 95% CI 1,08 bis 1,45, 6 Studien, 2.373 Teilnehmer; 2 Jahre: RR 1,14, 95% CI 1,04 bis 1,25, 3 Studien, 1.336 Teilnehmer) sowie das Therapieversagen (1 Jahr: RR 1,19, 95% CI 1,02 bis 1,38, 4 Studien, 1.539 Teilnehmer; 70 Wochen: RR 1,27, 95% CI 1,05 bis 1,52, 5 Studien, 1.845 Teilnehmer; 2 Jahre: RR 1,14, 95% CI 1,05 bis 1,24, 2 Studien, 808 Teilnehmer) verglichen mit der medikamentösen oder chirurgischen Kastration. Die Qualität der Evidenz für das Gesamtüberleben, die klinische Progression und das Therapieversagen wurde nach GRADE als moderat bewertet. Die vordefinierte Subgruppenanalyse zeigte, dass der Einsatz von nicht-steroidalen Antiandrogenen, verglichen mit der Kastration, weniger günstig war bezogen auf das Gesamtüberleben, die klinische Progression und das Therapieversagen bei Männern mit metastasierter Erkrankung (nach 1 Jahr, 70 Wochen, 2 Jahren). Die Verwendung von nicht-steroidalen Antiandrogenen erhöhte außerdem das Risiko für den Therapieabbruch aufgrund von unerwünschten Wirkungen (RR 1,82, 95% CI 1,13 bis 2,94, 8 Studien, 1.559 Teilnehmer), einschließlich Brustschmerzen (RR 22,97, 95% CI 14,79 bis 35,67, acht Studien, 2.670 Teilnehmer), Gynäkomastie (RR 8,43, 95% CI 3,19 bis 22,28, 9 Studien, 2.774 Teilnehmer) und Asthenie (RR 1,77, 95% CI 1,36 bis 2,31, 5 Studien, 2.073 Teilnehmer). Das Risiko von anderen unerwünschten Ereignissen, wie Hitzewallungen (RR 0,23, 95% CI 0,19 bis 0,27, 9 Studien, 2.774 Teilnehmer), Blutungen (RR 0,07, 95% CI 0,01 bis 0,54, 2 Studien, 546 Teilnehmer), Nykturie (RR 0,38, 95% CI 0,20 bis 0,69, 1 Studie, 480 Teilnehmer), Müdigkeit (RR 0,52, 95% CI 0,31 bis 0,88, 1 Studie, 51 Teilnehmer), Verlust des sexuellen Interesses (RR 0,50, 95% CI 0,30 bis 0,83, 1 Studie, 51 Teilnehmer) und häufiger Harndrang (RR 0,22, 95% CI 0,11 bis 0,47, 1 Studie, 480 Teilnehmer) waren vermindert, wenn nicht-steroidale Antiandrogene verwendet wurden. Die Qualität der Evidenz für Brustschmerzen, Gynäkomastie und Hitzewallungen wurde nach GRADE als moderat bewertet. Die Wirkung der nicht-steroidalen Antiandrogene bezogen auf das krebsspezifische Überleben und die biochemische Progression verbleibt unklar.

Übersetzung: 

Übersetzt von Stefanie Schmidt, Deutsche Gesellschaft für Urologie und Frank Kunath, Universitätsklinikum Erlangen

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