HPV-Impfung zur Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs und seinen Vorstufen

Hintergrund
Menschliche Papillomaviren (HPV) werden sexuell übertragen und treten bei jungen Menschen häufig auf. In der Regel werden sie durch das Immunsystem unschädlich gemacht. Wenn Hochrisikotypen des Virus (hrHPV) aber fortbestehen, können sie die Entwicklung abnormaler Gebärmutterhalszellen verursachen. Diese werden als Vorstufe (Präkanzerose) des Gebärmutterhalskrebses bezeichnet, wenn mindestens zwei Drittel der obersten Schicht des Gebärmutterhalses betroffen sind. Solche Krebsvorstufen können sich nach einigen Jahren zu Gebärmutterhalskrebs entwickeln. Nicht jede Frau mit einer solchen Vorstufe bekommt später auch Gebärmutterhalskrebs. Es ist aber schwierig vorherzusagen, bei wem das geschieht. Es gibt eine Reihe von verschiedenen hrHPV-Typen, welche Krebsvorstufen und später Gebärmutterhalskrebs verursachen können. HPV16 und 18 sind die wichtigsten Hochrisikotypen, da sie weltweit etwa 70% der Krebserkrankungen des Gebärmutterhalses verursachen. Bei der vorbeugenden Impfung werden Partikel, die dem HP-Virus ähneln, in den Muskel gespritzt und so die Produktion von Antikörpern angeregt, die vor zukünftigen HPV-Infektionen schützen.

Fragestellung
Verhindert die HPV-Impfung die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs oder seinen Vorstufen und was sind mögliche Schäden der Impfung?

Hauptergebnisse
Wir haben 26 Studien mit 73.428 jugendlichen Mädchen und Frauen berücksichtigt. Alle Studien bewerteten die Impfstoffsicherheit über einen Zeitraum von 0,5 bis 7 Jahren. Zehn Studien mit einer Nachbeobachtungszeit von 3,5 bis 8 Jahren untersuchten den Schutz vor Krebsvorstufen. Ob Gebärmutterhalskrebs auftrat wurde nicht als Studienendpunkt erfasst. Die meisten Teilnehmerinnen waren jünger als 26 Jahre. An drei Studien nahmen Frauen zwischen 25 und 45 Jahren teil. Die Studien verglichen den HPV-Impfstoff mit einem Placebo-Impfstoff.

Wir untersuchten den Schutz vor Krebsvorstufen bei Personen, die zum Zeitpunkt der Impfung entweder keine hrHPV-Infektion, keine HPV16/18-Infektion hatten oder bei denen der Status bezüglich HPV-Infektion nicht bekannt war. Die im Zusammenhang mit HPV16/18 auftretenden Vorstufen und jegliche Arten von Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses untersuchten wir getrennt.

Schutz gegen Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses

1.) Frauen ohne hrHPV-Infektion

Die Studienendpunkte wurden für diesen Vergleich nur in der jüngeren Altersgruppe (15 bis 25 Jahre) gemessen. Die HPV-Impfstoffe vermindern das Risiko für eine mit HPV16/18 assoziierte Krebsvorstufe von 164 auf 2 pro 10.000 Frauen (hohe Qualität der Evidenz). Zudem vermindern sie das Risiko für jegliche Arten von Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses von 287 auf 106 pro 10.000 Frauen (hohe Qualität der Evidenz).

2) Frauen ohne HPV16/18-Infektion

Die Wirkung von HPV-Impfstoffen auf das Risiko für eine Krebsvorstufe ist je nach Altersgruppe unterschiedlich. Bei jüngeren Frauen reduzieren HPV-Impfstoffe das Risiko für eine HPV16/18-assoziierte Krebsvorstufe von 113 auf 6 pro 10.000 (hohe Qualität der Evidenz). HPV-Impfstoffe senken den Anteil der Frauen mit einer Krebsvorstufe jeglicher Art von 231 auf 95 pro 10.000 (hohe Qualität der Evidenz). Bei Frauen, die älter als 25 Jahre sind, reduzieren die Impfstoffe die Anzahl der Frauen mit HPV16/18-assoziierten Krebsvorstufen von 45 auf 14 pro 10.000 (moderate Qualität der Evidenz).

3) Alle Frauen mit oder ohne HPV-Infektion

Wird die HPV-Impfung im Alter von 15 bis 26 Jahren durchgeführt, vermindert sie das Risiko für HPV16/18-assoziierte Krebsvorstufen von 341 auf 157 pro 10.000 (hohe Qualität der Evidenz) und für jegliche Arten von Vorstufen von 559 auf 391 pro 10.000 (hohe Qualität der Evidenz).

Bei älteren Frauen, die zwischen 25 und 45 Jahren geimpft werden, ist die Wirkung des HPV-Impfstoffs auf das Entstehen von Krebsvorstufen geringer. Dies könnte auf einen früheren Kontakt mit HPV zurückzuführen sein. Das Risiko für HPV16/18-assoziierte Krebsvorstufen wird wahrscheinlich von 145 pro 10.000 ungeimpfte Frauen auf 107 pro 10.000 Frauen nach einer HPV-Impfung vermindert (moderate Qualität der Evidenz). Das Risiko für jegliche Arten von Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs ist wahrscheinlich ähnlich zwischen ungeimpften und geimpften Frauen (343 versus 356 pro 10.000, moderate Qualität der Evidenz).

Unerwünschte Wirkungen

Das Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen ist mit HPV-Impfstoffen und Kontrollimpfstoffen (Placebo oder Impfstoff gegen eine andere Infektion als HPV) ähnlich (hohe Qualität der Evidenz). Sterblichkeit ist insgesamt ähnlich (11 pro 10.000 in der Kontrollgruppe, 14 pro 10.000 in der HPV-Impfstoffgruppe) (niedrige Qualität der Evidenz). Insgesamt ist die Zahl der Todesfälle gering, obwohl eine größere Anzahl bei älteren Frauen beobachtet wurde. Es konnte kein Muster bezüglich Todesursache oder -zeitpunkt festgestellt werden.

Studienendpunkte bezüglich Schwangerschaft

Die HPV-Impfstoffe erhöhten nicht das Risiko für eine Fehlgeburt oder einen Schwangerschaftsabbruch. Wir haben aber nicht genug Daten, um uns bezüglich des Risikos für Totgeburten und Neugeborenen mit Fehlbildungen sicher zu sein (moderate Qualität der Evidenz).

Schlussfolgerung
Es gibt Evidenz von hoher Qualität, dass HPV-Impfstoffe vor Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs bei jugendlichen Mädchen und Frauen schützen, die zwischen 15 und 26 Jahren geimpft werden. Der Schutz ist geringer, wenn ein Teil der Frauen bereits mit HPV infiziert ist. Längere Nachbeobachtungszeiten sind erforderlich, um die Wirksamkeit von HPV-Impfstoffen auf die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs zu bewerten. Die Impfstoffe erhöhen nicht das Risiko für schwere unerwünschte Ereignisse, Fehlgeburten oder Schwangerschaftsabbrüche. Aus den Studien liegen nur begrenzt Daten darüber vor, wie sich die Impfstoffe auf die Anzahl der Todesfälle, Totgeburten und Neugeborenen mit Fehlbildungen auswirken.

Übersetzung: 

E. von Elm, A. Borchard, B. Nussbaumer-Streit, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

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