Pharmakologische Behandlung von Gedächtnisstörung bei Multipler Sklerose

Es handelt sich hierbei um eine aktualisierte Version des Cochrane Reviews „Pharmakologische Behandlung von Gedächtnisstörung bei Multipler Sklerose“ (erstmalig veröffentlicht in The Cochrane Library 2011, Ausgabe 10).

Hintergrund

Gedächtnisstörung ist eine der häufigsten kognitiven Beeinträchtigungen bei Personen mit Multipler Sklerose (MS) - hierbei haben Personen Schwierigkeiten beim Denken, beim Lernen und mit dem Gedächtnis. Sie betrifft ca. 40 % bis 60 % der Personen und stellt eine große Belastung für die Betroffenen dar. Daten zur Anwendung von Wirkstoffen wie Donezepil, Gingko biloba, Memantin und Rivastigmin entweder über den Mund (oral) oder anderweitig (parenteral) schienen vielversprechende Ergebnisse zu liefern. Die Autoren dieses Reviews versuchten zu beurteilen, in welchem Umfang diese Behandlungen einen Nutzen (Wirksamkeit) boten, inwiefern sie Nebenwirkungen (Verträglichkeit) aufwiesen, und inwiefern sie bei Erwachsenen mit sämtlichen Formen von MS sicher waren.

Studienmerkmale

Wir durchsuchten medizinische Datenbanken auf randomisierte kontrollierte Studien (bei denen die Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip einer von zwei oder mehreren Behandlungsgruppen zugewiesen wurden) mit Erwachsenen mit MS. Weder die Patienten noch die Wissenschaftler erfuhren, welche Behandlung verabreicht wurde. Ärzte hatten die MS und die Gedächtnisstörung mit Standardmethoden diagnostiziert.

Hauptergebnisse und Qualität der Evidenz

Bis Juli 2013 fanden wir nur sieben Studien mit 625 Teilnehmern, die unsere Anforderungen erfüllten. Die Qualität der eingeschlossenen Studien war jedoch insgesamt niedrig. Wir fanden keine überzeugende Evidenz, die die Anwendung dieser Arzneimittel als wirksame symptomatische Behandlungen bei Gedächtnisstörung bei MS stützte. Es war Evidenz von moderater Qualität dafür vorhanden, dass Donezepil 10 mg täglich für die Verbesserung des Gedächtnisses bei MS-Patienten mit leichten Gedächtnisproblemen unwirksam war. Es war jedoch gut verträglich. Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall und Albträume wurden, wenn auch nicht häufig, bei Donezepil berichtet, wohingegen Gingko biloba, Memantin und Rivastigmin gut verträglich waren, und hierfür keine schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet wurden.

Eine Studie ist aktuell noch nicht abgeschlossen. Diese könnte noch wichtige Evidenz für zukünftige Aktualisierungen liefern.

Übersetzung: 

B. Fiess, freigegeben durch Cochrane Deutschland

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