Zytologie versus HPV-Test zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs in der Allgemeinbevölkerung

Fragestellung
Wir begutachteten Studien, die zwei Tests zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs verglichen: den HPV-Test (Test auf Humane Papillomviren) und den Pap-Test, auch als Pap-Abstrich bekannt. Das Ziel war herauszufinden, welcher Test präkanzeröse Veränderungen im Gebärmutterhals genauer erkennen kann.

Hintergrund
HPV- und Pap-Tests sind Tests, die ein Arzt durchführt, um auf die Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs oder von präkanzerösen Veränderungen der Zellen des Gebärmutterhalses (Läsionen genannt) zu testen. Diese Läsionen können sich innerhalb von etwa 10 bis 20 Jahren zu Gebärmutterhalskrebs entwickeln. Der HPV-Test überprüft, ob eine Frau eine HPV-Infektion hat, die zu Gebärmutterhalskrebs führen könnte. Ist der HPV-Test positiv, könnte das bedeuten, dass präkanzeröse Veränderungen im Gebärmutterhals vorliegen. Es gibt viele Arten von HPV-Tests. Einer davon heißt HC2-Test. Der Pap-Test überprüft, ob Zellen im Gebärmutterhals nicht normal sind. Anormale Gebärmutterhalszellen, die als "geringgradig bis hochgradig" getestet werden, könnten bedeuten, dass präkanzeröse Veränderungen im Gebärmutterhals vorliegen, die zu Gebärmutterhalskrebs führen könnten. Eine Form des Pap-Tests ist die "konventionelle Zytologie", eine andere ist die "flüssigkeitsbasierte Zytologie". Wurde eine Frau als positiv getestet, kann es, je nach Test, notwendig sein, dass der Gebärmutterhals untersucht wird, oder sie einen operativen Eingriff erhält, um die präkanzerösen Läsionen zu entfernen.

Studienmerkmale
Wir suchten bis November 2015 nach allen relevanten Studien. Vierzig Studien verglichen den HPV-Test mit dem Pap-Test an über 140.000 Frauen im Alter von 20 bis 70 Jahren, die im Rahmen ihrer routinemäßigen Früherkennungsuntersuchung des Gebärmutterhalses teilnahmen. Die Studien untersuchten, welcher Test die präkanzerösen Veränderungen im Gebärmutterhals, genannt zervikale intraepitheliale Neoplasien (CIN2 und CIN3), erkennen kann.

Qualität der Evidenz
Es gab ausreichend Studien mit genug Frauen, um Schlussfolgerungen zu ziehen. Dennoch unterschieden sich einige Ergebnisse der Studien voneinander. Beispielsweise waren Tests in Europa genauer als in Asien oder Zentral- oder Südamerika. Alles in allem war die Qualität der Evidenz moderat bis hoch.

Hauptergebnisse
Ein perfekter Test würde korrekt sagen, ob eine Frau präkanzeröse Veränderungen hat oder nicht. Aber die meisten Tests sind nicht perfekt.

Dieser Review fand, dass von 1000 getesteten Frauen ungefähr 20 Frauen präkanzeröse Veränderungen haben. Der HPV-Test erkennt 16 dieser Frauen (versäumt aber 4 Frauen). Der Pap-Test erkennt 12 dieser Frauen (versäumt aber 8 Frauen). Die nicht erkannten Frauen könnten Gebärmutterhalskrebs entwickeln.

Von 1000 getesteten Frauen haben 980 Frauen keine präkanzerösen Veränderungen. Der HPV-Test erkennt 879 dieser Frauen (101 Frauen wird jedoch fälschlicherweise mitgeteilt, sie hätten eine Läsion). Der Pap-Test erkennt ´951 dieser Frauen (29 Frauen wird jedoch fälschlicherweise mitgeteilt, sie hätten eine Läsion). Frauen, denen fälschlicherweise mitgeteilt wird, sie hätten eine Läsion, erhalten möglicherweise eine unnötige Gebärmutterhalsuntersuchung oder einen unnötigen operativen Eingriff.

Übersetzung: 

A. Wenzel, freigegeben durch Cochrane Deutschland.

Tools
Information
Teilen / Speichern

Cochrane Kompakt ist ein Gemeinschaftsprojekt von Cochrane Schweiz, Cochrane Deutschland und Cochrane Österreich. Wir danken unseren Sponsoren und Unterstützern. Eine Übersicht finden Sie hier.